Titel: Busse's Schmierapparat für Eisenbahnwagen etc.
Autor: Busse, Friedrich
Fundstelle: 1845, Band 95, Nr. XLV. (S. 163–167)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj095/ar095045

XLV. Beschreibung eines auch bei der strengsten Kälte anwendbaren Schmierapparats, wie er auf Achsenbüchsen, namentlich bei Eisenbahnwagen, Locomotiven und Tendern, ohne solche zu verändern, in Anwendung gebracht werden kann, so wie der Anfertigung von sehr dauerhaften Achsenpfannen; von F. Busse, Bevollmächtigter der Leipzig-Dresdener Eisenbahn-Compagnie.

Mit einer Abbildung auf Tab. III.

Ein nicht unbedeutender Gegenstand des jährlichen Aufwandes bei dem Betriebe einer Eisenbahn ist der Verbrauch von Oehl, Talg. Palmöhl und andern Schmiermitteln, so wie die schnelle Abnuzung der Achsenpfannen an Locomotiv- und Wagenrädern, welche bisher von Messing gegossen und an lezteren mit der bekannten Schmiere von Palmöhl, Talg und Sodawasser versehen werden.

Diese schnelle und kostspielige Abnuzung der theuern Messingpfannen, wobei zugleich die Köpfe der Achsenhälse bedeutend leiden, |164| wird hauptsächlich durch die mangelhaft angewendete Schmierung des ebengedachten an sich schon mangelhaften Schmiermittels herbeigeführt.

Dasselbe wird aus dem obern Behälter der Achsenbüchse, der Achsenpfanne durch eine Oeffnung zugeführt, die groß genug ist, um allen in der Schmiere selbst enthaltenen, so wie den von allen Seiten zufliegenden Unreinigkeiten, Staub, Sand etc. freien Zufluß auf den Achsenhals zu gestatten.

Die Folge davon ist große Reibung, wodurch nicht nur die Pfannen schnell consumirt, sondern auch, obschon an jeder Station die Schmierapparate untersucht und ergänzt werden, dennoch die Achsen angegriffen und oft in einem hohen Grade erhizt werden, so daß die Fälle nicht selten sind, wo ein einziger Achsenhals von Station zu Station mehr als ein Pfund Schmiermittel verbraucht hat und durch eingefallene Sandkörper Achsen sogar verdorben worden sind.

Diesem Uebelstande ist durch meine Erfindung abgeholfen.

Statt der Achsenpfannen von Messing construire ich solche aus Holz, Bein und Hartblei und schmiere dieselben mittelst einigen Tropfen gereinigten Rüböhls durch meinen eigenthümlichen Apparat, welcher zugleich die Erhizung der Achsen verhütet, da er die Achsenpfannen gegen jedes Eindringen von Staub oder andern schädlichen Theilen vollkommen sichert, und welcher jedem Eisenbahnwagen mit einem Aufwands von wenigen Groschen anzupassen ist.

Die Anwendung dieses Oehlapparats kann mit großem Vortheil sofort auch bei den jezt bestehenden Achsenpfannen geschehen, wozu nichts weiter erforderlich ist, als in den obern Theil der Achsenbüchse den Apparat einzusezen. Die Auswechselung der Achsenpfannen und die Anfertigung des Apparats zum Aufsammeln des abfließenden Oehles kann nach und nach erfolgen.

Diese Achsenpfannen unterliegen einer so geringen Abnuzung, daß in einem vorliegenden Falle, wo ein Wagen in täglicher Benuzung über 2000 Meilen zurükgelegt hatte, die Pfannen so wenig angegriffen waren, daß ein Maaß der Abnuzung nicht zu ermitteln war, und eben so war der Verbrauch von Oehl (etwa 3 1/2 Pfd.) so äußerst unbedeutend, daß darüber eine Werthangabe per Meile fast unmöglich ist, um so weniger, als an diesem Wagen noch kein Apparat zum Auffangen des abtropfenden Oehles angebracht war.

Die Anschaffungskosten einer bisher gebräuchlichen Messingpfanne belaufen sich auf etwa 2 Thlr. und die Abnuzung bis zu einem Viertheil |165| des Werthes erfolgt bei anhaltender Benuzung in einigen Monaten, oft in einigen Tagen unter oben gedachten Umständen.

Eine Pfanne nach meiner Erfindung kostet 8 bis 10 Gr. und dieselbe hat eine Dauer von vielleicht 10 oder mehr Messingpfannen nach den vorliegenden ersten Resultaten, doch ist darüber noch gar keine Meinung festzustellen.

Nebenbei wird noch der Vortheil erreicht, daß die Wagen längere Zeit gegen die starke Seitenbewegung oder das sogenannte Schleudern geschüzt sind, weil die Achsenköpfe auf Hirnholz und Zahn laufen, welche Pfanne in obigem Falle nach Zurüklegung von 2000 Meilen unversehrt und ohne Erhizung geblieben war, wie es noch nie mit einer Messingpfanne der Fall gewesen ist. Auch laufen die Wagen weit leichter als mit den bisherigen Pfannen und der Schmiere von Palmöhl, so daß auch an Zugkraft gewonnen wird.

Einen außerordentlichen Vortheil aber erhält man dadurch, daß an den Stationen nicht zu schmieren nöthig ist, da eine so versorgte Achsenbüchse 100 Meilen durchlaufen kann, ohne einer neuen Schmierung zu bedürfen; auch bleibt der Apparat bei hartem Frostwetter völlig brauchbar – ein Umstand, welcher allein schon hinreichend ist, um solchen allen bisher bekannten vorzuziehen.

Fig. 7 zeigt den Längendurchschnitt einer Achsenbüchse, wie solche allgemein an Eisenbahnwagen mit unwesentlichen Abweichungen in Gebrauch sind.

Der mit A bezeichnete Raum war bisher mit der bekannten Palmöhlschmiere gefüllt; an deren Statt wird für meinen Schmierapparat eine kleine längliche, mit einem schmalen Rändchen umgebene Platte (A, a) von Gußeisen eingeschoben, auf welcher ein Oehlkästchen (B) befindlich ist, welches höchstens bis an die punktirte Linie mit Oehl gefüllt wird. In der Höhe dieser Linie ist ein Einschnitt, in welchen ein dünner Docht von Baumwolle (C), welcher in etwa 3 Minuten einen Tropfen gibt, so gelegt wird, daß er mit einem Ende im Oehl, mit dem andern auf der Platte liegt, auf welche der Docht das aufgesaugte Oehl abgibt. Von hier wird das Oehl nach einer mit einem Docht ausgefüllten kegelförmigen Oeffnung (D) geleitet, von wo es durch die Oeffnung (E) der Achsenbüchse in die Oeffnung der Achsenpfanne (F) geführt wird und so den Achsenhals (G) mit Oehl versorgt. Der Docht wird an beiden Enden mit einem Stükchen Blei (C, c) umwikelt, damit er nicht aus der richtigen Lage gerüttelt werden kann. Nach vollendeter Reise wird der Docht ganz in das Oehlbehältniß gelegt, damit er während |166| des Stillstandes das Oehl nicht unnüzerweise abführen kann. In das Oehlgefäß wird ein Stük Kerlholz gelegt, damit das Oehl nicht ausgeschüttelt wird.

So sparsam auch die Zuführung des Oehles ist, so verbraucht es die Achse dennoch nicht, sondern wirft es zum größten Theil unten wieder aus in den Raum H, wo es mittelst der Rinne (H, h) in die Vertiefung (I) fließt und durch ein hier gebohrtes Loch in dem untergehängten Kästchen (K) zu noch weiterer Benuzung gesammelt werden kann.

Die Consumtion bei warmer Temperatur, die das Oehl gehörig fließen läßt, ist ungefähr wie folgt: es genügt vollkommen, wenn der Docht von nur so vielen Fäden genommen wird, daß er in drei Minuten einen Tropfen Oehl fallen läßt. Angenommen nun, daß incl. des Aufenthaltes an den Stationen für jede geographische Meile fünfzehn Minuten Fahrzeit nöthig wären, so ist der Verbrauch für ein Rad per Meile nicht mehr als fünf Tropfen, deren etwa 12,000 in einem Pfunde enthalten sind.

Bei Frostwetter seze ich nach dem Kältegrade dem Oehle 1/4 bis 8/4 reines Terpenthinöhl zu und erhalte dadurch ein Oehl, was nicht gefriert, sondern völlig flüssig bleibt, was ich noch als besondern Theil meiner Erfindung betrachten darf.

Die Achsenpfanne wird aus einem Stük völlig trokenen, harten Holze (Weißbuche, Ahorn, Hartriegel, Weißdorn, Mahagony etc.) verfertigt und in die Achsenbüchse so wie an den Achsenhals gut angepaßt, ganz so wie bisher die Messingpfanne. Diese Pfanne von Holz behält an beiden Kopfenden einen Rand (L), Fig. 7, von etwa 1/4 Zoll; die übrige innere Fläche wird etwa 1/4 bis 1/2 Zoll tief (M) rauh ausgestochen. In die Mitte wird ein nach Oben erweitertes Loch (F) für den Oehlcanal gebohrt und mit einem Gußkern ausgesezt. Nun wird diese so zubereitete hölzerne Pfanne unten an den, vorher durch einen angehängten glühenden Eisenring erwärmten Achsenhals festgeschnürt, und der so um den Achsenhals gebildete hohle Raum (M) mit einer Legirung von 3 Theilen Blei und 1 Theil Antimonium oder Regulus ausgegossen. Das Metall fließt in das ausgekernte Loch (F), verbindet dadurch die Metallschicht fest mit dem Holze, umläuft den Achsenhals und bildet so eine aufs genaueste anschließende Achsenpfanne. In den vorstehenden Holzkopf, an welchem der Achsenkopf läuft, werden einige kleine Löcher gebohrt und diese mit Stüken (N) von Pferdezahn, Elfenbein oder anderm Zahn, oder auch nur mit Stüken von harten Knochen ausgeschlagen. |167| Diese so aus Hirnholz und Bein gebildete Reibungsfläche gegen den Achsenkopf ist sehr dauerhaft, da solche weder das Eisen angreift, noch von demselben angegriffen wird.27)

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Hr. Busse erbietet sich den Eisenbahnen-Directionen zur Einsendung eines fertigen Oehlapparates, eines zum Guß vorbereiteten Holzlagers, einer daraus fertig gegossenen Achsenpfanne mit eingelegten Zahn- oder Knochentheilen, oder auch einer ganzen completen Achsenbüchse; vollkommen zufrieden würde er seyn, wenn ihm die deutschen Eisenbahnen-Directionen für seine Erfindung nur die Hälfte der dadurch zu erlangenden Ersparnisse eines einzigen Jahres gewähren würden. A. d. R.

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