Titel: Sargant's Verbesserungen in der Fabrication von Gewehrläufen.
Autor: Sargant, William Lucas
Fundstelle: 1845, Band 95, Nr. LI. (S. 176–180)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj095/ar095051

LI. Verbesserungen in der Fabrication der Gewehrläufe, worauf sich William Lucas Sargant zu Birmingham am 30. Jan. 1844 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions, Nov. 1844, S. 259.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Den Gegenstand vorliegender Erfindung bildet:

1) die Anwendung des Gußstahls bei der Fabrication geschweißter Gewehrläufe mit longitudinalem Saum;

2) die Anwendung hohler gußstählerner Cylinder bei der Fabrication der Gewehrläufe;

3) gewisse Verbesserungen in der Fabrication der Gewehrläufe, indem man den dazu verwendeten Gußstahl einem Entkohlungsproceß unterwirft.

Wer mit den Eigenschaften des Gußstahls vertraut ist, weiß daß das Zusammenschweißen zweier Flächen sehr schwierig ist, und diese Schwierigkeit wird bei Feuergewehren sowohl durch die große Länge und Dünne der zusammenzuschweißenden Flächen als auch durch die Lage der Flächen während des Schweißprocesses noch erhöht. Ich beseitige diese Schwierigkeit, indem ich den besten im Handel vorkommenden milde angelassenen Gußstahl auswähle, an den mit einander zu vereinigenden Rändern ein gewöhnliches Schweißpulver anbringe und den Stahl mit einem Kern durch cannelirte Walzen gehen lasse. Diese Procedur wird durch vorhergehende Entkohlung des Stahls erleichtert. Folgender Methode gebe ich jedoch den Vorzug. Um den Stahl bei dem Druk den er während der Procedur des Schweißens auszuhalten hat, zu verstärken und zu unterstüzen, überziehe ich denselben an einer seiner flachen Seiten mit Eisen, das ich mittelst gewöhnlichen Schweißpulvers festschweiße, dann walze oder hämmere ich die Masse in eine breite Schiene; diese schneide ich in geeignete Platten oder Schienen, welche ich sofort zu Gewehrläufen verarbeite.

Fig. 5 stellt ein solches zu einem Musketenlauf zu verarbeitendes Stük im Querschnitt dar. Dasselbe besteht aus einer Fläche von Eisen und einer solchen von Gußstahl. Dem Eisen gebe ich 1/8, dem |177| Gußstahl 3/8 Zoll Dike, und biege die Schiene so, daß das Eisen außen ist und die Kanten des Gußstahls zusammenstoßen. Hierauf schweiße ich die Kanten zusammen, indem ich den Lauf mit eingefügtem Kern zwischen cannelirten Walzen hindurchgehen lasse. Durch wiederholtes Erhizen und Auswalzen wird das Rohr zu einem Lauf verlängert. Da jedoch der Eisenüberzug bei jedesmaliger Erhizung und Verlängerung sowohl in Folge der Strekung des Metalls als auch des abfallenden Glühspans immer dünner wird, so ist insbesondere am Schluß der Operation große Vorsicht anzuwenden.

Der zweite Theil der Erfindung betrifft die Verfertigung gußstählerner Läufe aus hohlgegossenen Cylindern, welche mit eingefügtem Kern in die Länge gewalzt oder gehämmert werden. Der Vortheil solcher Läufe besteht darin, daß sie keinen Saum haben. Folgendem Verfahren gebe ich den Vorzug. Ich gieße nämlich einen hohlen Cylinder ungefähr von den Dimensionen desjenigen Cylinders, welchen man dem gewöhnlichen Verfahren gemäß erhält, wenn man die Metallschiene umbiegt, um sie zusammenzuschweißen. Zum Gießen bediene ich mich zweier Formhälften, welche mit einander verbunden einen Cylinder bilden und einen Kern umschließen.

Gewöhnlich gießt man den geschmolzenen Stahl oben in die Form und dekt dann mit der Hand einen Stöpsel darauf, um das Steigen des Stahls zu verhüten. Da es jedoch beim Gießen eines hohlen Cylinders einige Schwierigkeit macht einen Stöpsel rasch genug über den Kern und in die Form zu bringen, so befolge ich nachstehendes durch Fig. 6 erläutertes Verfahren.

Ich mache nämlich die Form länger als den beabsichtigten Cylinder und in die Rükseite jeder der Formhälften ein Loch a, durch welches ich das geschmolzene Metall eingieße. Rings um das Loch an die Außenseite der Form schraube ich zur Aufnahme des geschmolzenen Metalls einen Trichter, aus welchem der Stahl durch das Loch a in die Form fließt und den Kern rings umgibt. Der Stöpsel b besteht aus einem hohlen eisernen oder stählernen Cylinder, welcher so weit in die Form hineingefügt wird, als dieß ohne Nachtheil für das Einströmen des geschmolzenen Stahls durch das Loch a geschehen kann. Der Kern wird an seinem oberen Ende durch den Stöpsel an seinem Plaz erhalten. d ist ein Gewicht, welches an Stangen f, f zwischen Nuthen frei auf- und niederspielt. Das Gewicht hängt an einer über eine Rolle laufenden Kette, welche an einem Pflok h befestigt wird und der Stöpsel b hängt an einer Kette c von dem Gewicht herab. Sobald der geschmolzene Stahl eingefüllt worden ist, wird die Kette von dem Pflok h losgemacht, |178| worauf das herabfallende Gewicht den Stöpsel über den Kern auf den geschmolzenen Stahl treibt; unter diesem Druk läßt man den Stahl abkühlen. Der Stöpsel kann selbst aus einem so gegossenen Stahlcylinder bestehen, und das Gewicht d sollte ungefähr 35 Pfund schwer seyn, wobei es aus einer Höhe von 1 Fuß herabfällt. Der Stahl muß so rasch wie möglich in die Form gegossen, und das Gewicht gleich darauf niedergelassen werden. Die so gegossenen Cylinder werden nun, wenn auch mit einiger Schwierigkeit, auf die bereits erwähnte Weise mittelst cannelirter Walzen verlängert. Vor dieser Operation halte ich es indessen für gut die Cylinder mit darinnenstekendem Kern der Einwirkung eines Schwanzhammers aus, zusezen, indem diese Procedur die Poren des Stahls schließt, und bewirkt, daß er sich leichter walzen läßt. Ich bediene mich eines Paares mit rinnenförmigen Vertiefungen versehener Werkzeuge; die 6 bis 9 Zoll langen Vertiefungen sind nur so tief, daß wenn der Cylinder hineingelegt wird, die Flächen der Werkzeuge nicht ganz zusammenkommen. Der Kern sollte von Stahl, etwas conisch und an dem breiteren Ende mit einem Knauf versehen seyn; auch sollte man ihn herausnehmen, wenn der Cylinder erhizt werden soll. Da sich die innere Höhlung des Cylinders bei jedem Hammerschlag vermindert, so braucht man, so oft der Cylinder erwärmt wird, einen kleineren Kern. Der Kern darf nur zu 2/3 in die Höhlung des Cylinders eingefügt, auch muß das eine Ende des Cylinders zuerst und dann das andere gehämmert werden. Ich halte ein drei- oder viermaliges Erhizen und Hämmern an jedem Ende des Cylinders für hinreichend. Nachher verlängere ich die Läufe auf die gewöhnliche Art mit Hülfe cannelirter Walzen, wobei ich darauf sehe, die Läufe stufenweise zu erwärmen, wie dieses beim Gußstahl üblich ist.

Der dritte Theil der Erfindung betrifft die Anwendung des Entkohlungsprocesses auf den zur Fabrication der Gewehrläufe dienenden Gußstahl. Der Zwek dieser Procedur geht darauf hinaus, den Gußstahl weicher und zur Bearbeitung geeigneter zu machen. Ich erhize den Stahl oder die Läufe, sie mögen geschweißt oder gegossen seyn, während die innere und äußere Fläche mit einer Substanz in Berührung ist, welche eine größere Verwandtschaft zur Kohle als zum Stahl hat. Mehrere Substanzen entsprechen diesem Zwek, insbesondere schwarzes Manganoxyd (Braunstein), Salpeter, Hammerschlag, Eisenfeile u.s.w.; ich gebe jedoch dem Hammerschlag oder dem Hammerschlag vermengt mit Eisenfeil- oder Drehspänen den Vorzug. Zu dem vorliegenden Zwek bediene ich mich eines kleinen dem gewöhnlichen Cementirofen ähnlichen Ofens. Der Ofen sollte eine solche Einrichtung haben, daß sich die Hize bis zur Roth- oder |179| Weißglühhize der Stahlstäbe oder Läufe und der mit denselben in Berührung befindlichen Substanzen steigern läßt.

Ein Arbeiter wird nach einiger Uebung leicht den richtigen Gang des Ofens beurtheilen können. Um zu untersuchen, ob der Ofen den geeigneten Hizgrad zu liefern im Stande ist, fülle man einen Lauf mit Braunstein und lege beim Füllen des Ofens diesen Lauf in die Mitte, d.h. an die von dem Feuer entfernteste Stelle. Hat nun, nach erfolgter Abkühlung des Inhalts, der Braunstein eine grüne Farbe angenommen, so war die Hize gerade groß genug; zeigt sich der Braunstein schwarz oder braun, so war die Hize nicht hinreichend; ist dagegen der Braunstein blaßgrau geworden, so war die Hize allzugroß. Was die Länge der Zeit betrifft, während welcher die Stahlstangen oder Läufe der Hize ausgesezt seyn sollen, so hängt dieselbe in der Regel von verschiedenen Umständen ab. Einige wünschen die Läufe recht hart; für den gewöhnlichen Gebrauch jedoch müssen die Läufe mehr oder weniger weich gemacht werden, und nach einiger Uebung wird der Arbeiter ermessen können, wie lange die Läufe dieser Procedur ausgesezt werden müssen; je länger dieses der Fall ist, desto weicher werden die Läufe. Bei Anfertigung gußstählerner Läufe genügt es, den Entkohlungsproceß einmal anzuwenden, d.h. wenn die Läufe verlängert und conisch verjüngt worden sind, und wenn ein Ofen ungefähr 50 Läufe enthält, so wird es genügen, das Feuer ungefähr 30 Stunden in Brand zu erhalten, wobei man die Hize allmählich steigert. Das Platiren des Gußstahls mit Eisen und das Zusammenschweißen geht jedoch leichter von Statten, wenn der Stahl vorher entkohlt worden ist. Sind die Läufe durch Verlängerung hohler gegossener Cylinder hergestellt worden, so ist es vortheilhaft, die Cylinder vor dem Hämmern dem Entkohlungsproceß zu unterwerfen; und wenn man sich hiezu des oben beschriebenen Ofens bedient, so ist es gut, die Cylinder mit der entkohlenden Substanz drei oder vier Tage und Nächte lang der Hize auszusezen, indem dieselben wegen ihrer in Vergleich mit den Laufen größeren Dike längere Zeit im Ofen verweilen müssen. Wenn diese Cylinder in Läufe verlängert werden, so erscheint es für gewöhnliche Zweke wünschenswerth sie wieder zu entkohlen und ungefähr 30 Stunden lang der Hize auszusezen. Sind die Läufe so vorbereitet, so werden sie ausgebohrt und vollendet, wie wenn sie eiserne Läufe wären, mit Ausnahme der Bildung der Schraube, zur Aufnahme der Schwanzschraube. Bei dieser Operation kann der Lauf leicht bersten oder brechen, weßhalb verschiedene Vorsichtsmaaßregeln anzuwenden sind. Der Lauf sollte an dem Schwanzschrauben-Ende etwas länger gelassen werden, als sonst nöthig ist, damit ein |180| etwaiger Sprung ausgefeilt oder ausgeschliffen werden kann. Die Schraube sollte vor dem Ausschleifen eines Laufs gebildet werden, auch sollte das Schwanzschrauben-Ende nach Herstellung der Schraubenkammer entkohlt werden. Diese theilweise Entkohlung wird dadurch ins Werk gesezt, daß man nur dieses Ende des Laufs in Berührung mit einer entkohlenden Substanz der Hize aussezt. Was die Qualität des zu dem vorliegenden Zwek zu verwendenden Stahls betrifft, so finde ich den besten im Handel vorkommenden Gußstahl geeignet; da jedoch dieser Artikel kostspielig ist, so gebe ich dem aus englischem Eisen bereiteten Gußstahl den Vorzug; ich meine dieselbe Eisengattung, welche zur Fabrication eiserner Löffel und Gabeln verwendet wird.

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