Titel: Hanfblätter werden in Algerien geraucht.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 95, Nr. LXXXI./Miszelle 6 (S. 320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj095/mi095081_6

Hanfblätter werden in Algerien geraucht.

Der Hanf (Tchkruri) wird in Algerien, Tunis und im ganzen Orient angebaut. Die Hanftaucher (Achechs) bedienen sich nur des Blattes, den bei uns so geschäzten Stängel der Pflanze werfen sie als unnüz weg; allerdings würde er sich aber auch zu Geweben nicht eignen, weil der Hanf, wie alle Gewächse dieses Klima's, klein, mager und kraftlos ist. Troz des religiösen Verbots wird der Hanf von den Muselmännern theils insgeheim, theils öffentlich, mitunter auch von Frauen geraucht. Doch bedienen sich die leztern desselben lieber in Form einer Confitur (Madjun-Tchkruri), welche nur aus Honig und Hanfblätterpulver besteht, die man 2–3 Stunden lang mit einander im Wasserbade kochen läßt. Diese Mischung wirkt eben so narkotisch, wie der durch die Pfeifenröhre gezogene Dampf. Um das Hanfblatt zuzubereiten, troknet es der Araber, schneidet es mittelst eines convexen Messers klein und stößt es in einem Mörser zu einem groben Pulver. Geraucht wird es aus einem Kopf von rother Erde mit langem Rohr von Vogelkirschbaum. Der Araber widmet sich diesem Geschäfte stundenlang ausschließlich und mit der größten Behaglichkeit, wird jedoch davon berauscht und in hohem Grade betäubt. Die Raucher werden von einer platonischen Liebe für junge Knaben ergriffen und verzehren gern das Fleisch des Stachelschweines und zwar am liebsten in Gegenwart jener Kinder. Die Hanftrunkenheit stumpft übrigens das Gefühl ab und das Gehirn scheint das Vermögen zu verlieren, den Muskeln Erregbarkeit mitzutheilen. Sie werden für die sonst schmerzhaftesten Eindrüke ganz fühllos. Der Mißbrauch des Hanfs hat Apathie und Indolenz, rohe Neigungen, ungezügelte und unsaubere Gelüste, Furcht, bedeutende Schwäche und frühzeitiges Altern zur Folge. (Journal de Chimie médicale, Januar 1845, S. 31.)

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