Titel: Apparat zum Sieben der Steinkohlenasche.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 95, Nr. CXVI./Miszelle 4 (S. 488–489)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj095/mi095116_4

Apparat zum Sieben der Steinkohlenasche.

Ueber diesen Gegenstand wurde im Frankfurter Gewerbeverein (Jahresbericht 1844) folgende interessante Mittheilung vorgetragen:

„Durch den hohen Holzpreis veranlaßt, hat der Steinkohlenbrand in Frankfurt a. M. schon seit mehreren Jahren Eingang gefunden, und die Erfahrung lehrt, daß dadurch circa 1/3 an Feuerungskosten erspart wird.

Daß dieser Gewinn sich noch bedeutend steigern würde, wenn die durch den nothwendigen weiten Rost durchfallenden unverbrannten Kohlentheile wieder gewonnen werden könnten, leuchtet von selbst ein. Man griff deßhab zum Siebe, um, vermittelst desselben, diese Kohlentheile von der Asche zu trennen, wodurch allerdings der Zwek erreicht und der Gewinn deutlich vor Augen lag, indem, nach Beschaffenheit des Rosts, 1/3, ja bisweilen die Hälfte der Asche, als unverbrannte Kohle in dem Siebe zurükblieb.

Aber ein anderer Uebelstand zeigte sich bald hierbei, der gar manchen bestimmte, von diesem Verfahren wieder abzustehen und auf den Gewinn zu verzichten; dieß war der beim Sieben sich entwikelnde Staub, welcher so stark ist, daß man dem Gesinde das Sieben der Asche wirklich nicht wohl zumuthen kann.

Dieß führte auf die Anwendung der, bei den Apothekern gebräuchlichen, mit Dekel und Untersaz versehenen Siebe, wodurch allerdings der Zwek besser erreicht und der größte Theil des Standes vermieden wurde; aber die wirklich mühevolle und Zeit raubende Behandlung der geschlossenen Siebe, wobei dennoch der Staub nur unvollkommen beseitiget wurde, machte, daß man auch dieß Verfahren gar bald wieder verließ.

Man versuchte noch ein anderes Mittel, indem man das Sieb mit der Asche in einen Zuber mit Wasser tauchte, wodurch nun allerdings der lästige Staub beseitigt, aber desto mehr Schmuz erzeugt wurde, auch der sich erzeugende Rost das Sieb gar bald zerstörte, und der gehoffte Gewinn sich hierdurch auf Null reducirte.

Alles dieß veranlaßte mich darauf zu denken, wie dieser Zwek besser erreicht werden könnte, und es gelang mir eine Vorrichtung zu finden, die ich nun seit einem Jahr im Gebrauch habe, und welche dem Zwek vollkommen entspricht.

Dieselbe besteht in einem Kasten von 1' 4'' Lange, 1' 2'' Breite und 1' 6'' Höhe, welcher mit einem gewölbten, in einen Falz passenden Dekel geschlossen wird. In diesem Kasten liegt horizontal eine, auf ihrem Umfang mit Drahtstramin von entsprechender Maschenweite überzogene Trommel, deren Achse durch die eine Wand des Kastens hindurch reicht und hier mit einer Kurbel versehen ist. Die Trommel hat auf ihrer Längenfläche einen mit Scharnieren und Schloß versehenen Dekel, welcher circa 1/3 des Umfangs der Trommel breit und eben so lang als die Trommel ist. Es versteht sich von selbst, daß dieser Dekel ebenfalls mit Stramin überzogen ist. – Durch diesen Dekel wird die zu siebende Asche in die Trommel eingetragen.

Ist nun über die so gefüllte Trommel der oben erwähnte gewölbte Dekel des Kastens gestürzt, so reicht ein 15–20maliges Drehen der Kurbel hin, den Durchfall zweier Oefen von der Asche zu reinigen. 4–5 Minuten Ruhe sind schon hinreichend, den Staub in dem Kasten sich niedersezen zu lassen.

Die Vortheile, welche dieser Apparat gewährt, sind folgende:

1) Es kann derselbe von Jedermann leicht gehandhabt werden.

2) Ist der Zeitaufwand in gar keinen Betracht zu ziehen.

3) Wird der Staub gänzlich vermieden.

Diesem einfachen Apparat, durch welchen ohne die bisherigen Uebelstände die erschöpfende Benuzung der Steinkohlen erreicht und dadurch die Kosten der Feuerung auf das Minimum gebracht wird, wünschte ich eine möglichst allgemeine Verbreitung zu geben.“

Von anderer Seite wurde noch erwähnt: man könne die Trommel auch wohl mit Messing-Stramin überziehen und bis an ihre Achse in einen Zuber mit |489| Wasser legen, wo dann beim Umdrehen der Kurbel die Asche ausgewaschen und von dem Wasser aufgenommen würde.

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