Titel: Malinowsky, über Hillmer's Rettungsapparat.
Autor: Malinowsky, Louis
Fundstelle: 1845, Band 96, Nr. XLVI. (S. 207–208)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj096/ar096046

XLVI.  Hillmer's Rettungsapparat; mitgetheilt von L. v. Malinowsky I.

Auf der im vorigen Jahre zu Berlin stattgefundenen großen Gewerbeausstellung befand sich auch ein Rettungsapparat, welchen der Erfinder, der pensionirte königliche Kammermusikus Hillmer daselbst (Köthener Straße Nr. 13), als Rauch-, Rettungs- und Löschapparat bezeichnet, und dem er den Namen Rauchschirm gegeben hat, der aber seiner Eigenthümlichkeit nach eine andere Benennung haben müßte. Da dieser Apparat bei Feuersbrünsten von Nuzen seyn kann und mit geringen Kosten herzustellen ist, so wollen wir im Folgenden eine kurze Beschreibung von demselben mittheilen.

Die Veranlassung zu dieser Erfindung gab der Brand des Berliner Opernhauses, bei dem eine Menge Gegenstände deßhalb nicht gerettet werden konnten, weil es nicht möglich war, in dem dabei stattfindenden ungeheuren Rauch nur wenige Minuten auszudauern. Hillmer kam deßhalb auf die Idee, ein Luftreservoir zu construiren, welches man leicht mit sich umhertragen, und aus dem man die zum Athmen erforderliche Luft schöpfen könnte. Der einschließende Raum durfte hiebei natürlich nur klein seyn, damit er bei den Bewegungen des Körpers nicht hinderlich würde; dieß schien aber mit dem Zwek im Widerspruch zu stehen, da wenige Kubikfuß Luft nicht hinreichend schienen, das Athmen nur auf eine kurze Zeit möglich zu machen. Gleichwohl hat der Erfinder insofern seine Absicht erreicht, als er selbst 1 3/4 Stunden mit Hülfe dieses Apparates geathmet hat, ohne die äußere atmosphärische Luft in Anspruch zu nehmen. Er machte einen luftdichten, außerhalb lakirten Kasten von Pappe, welcher 1 Fuß breit, 2 Fuß hoch, 6 Zoll tief und oben nach der Gestalt des Rükens etwas gebogen ist. An diesem Kasten ist ein Gurt befestigt, den man über den Kopf wirft, und so den ersteren wie einen Kober auf dem Rüken trägt. Oben ist an dem Kasten ein beweglicher, von Schafleder gefertigter und mit pappenen Ringen ausgesteifter Canal angebracht, welcher auf der linken Schulter liegt und am vordem Ende mit einer kurzen hölzernen Röhre versehen ist, die man in den Mund nimmt und mittelst derselben das Aus- und Einathmen verrichtet. Wäre dieser Canal steif, z.B. von Blech, so würde das Athmen nicht möglich werden, da alsdann die eingeschlossene Luft nicht hin und her bewegt werden könnte; da aber das Schafleder sich aufblasen und zusammenziehen läßt, so ist auch das Athmen durch die Röhre möglich. Wenn nun freilich das Bedenken entstehen |208| kann, ob die wenige eingeschlossene Luft in einem Raum von 1 Kubikfuß Inhalt auch längere Zeit zum Athmen tauglich bleiben werde, so spricht einestheils das von dem Erfinder angegebene Resultat dagegen, anderntheils bedingt das Retten von Gegenständen von selbst, daß man wiederholentlich in die freie Luft komme, und so Gelegenheit finde, durch Bewegung des Canals sich mit frischer Luft zu versehen.

Um nun auch die Augen gegen die Einwirkung des Rauchs zu schüzen, gehört zu dem Apparat noch eine Larve von weichem Leder, die mit einer Brille von Fensterglas und innerhalb mit einer ovalen, die Augen umschließenden gepolsterten Wulst versehen ist. Diese Larve wird durch Gurte vor den Augen festgehalten und kann auch leicht mit einer Kopfbedekung in Verbindung gesezt werden.

Nun läßt sich endlich noch der Einwand machen, daß dieser Apparat selbst dem Verbrennen zu leicht ausgesezt sey und dann seinen Zwek nicht erfülle; allein einerseits möchte es nicht schwer halten, ihn mehr gegen herabfallende Funken zu sichern, andererseits kann ein Mensch an Stellen, wo das Feuer schon zu sehr überhand genommen hat, überhaupt nicht ausdauern, und wo der Apparat verbrennen würde, ist auch der Körper und die Kleidung nicht mehr geeignet Widerstand zu leisten.

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