Titel: Ueber die Porosität des Gußeisens.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 96, Nr. XLIX. (S. 212–214)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj096/ar096049

XLIX. Ueber die Porosität des Gußeisens.

Aus dem Mechanics' Magazine, 1844, Nr. 1115.

In einer Versammlung der Gesellschaft der Civil-Ingenieure in London bemerkte Hr. Murray, daß es Hrn. Hague sehr schwer gelang, der Durchdringlichkeit des Gußeisens bei seiner Maschine mit condensirter Luft abzuhelfen; er erreichte diesen Zwek theilweise nur durch Ueberziehen der Röhren mit einer Mischung von Talg und Harz.

Hr. Farey bemerkte hierauf, die Porosität und Durchdringlichkeit des Gußeisens sey eine wohlbekannte Thatsache; vor vielen Jahren habe er bei einer Bramah'schen oder hydraulischen Presse die Beobachtung gemacht, daß das Wasser bei starkem Druk langsam durch den gußeisernen Cylinder auf die äußere Oberfläche desselben hinausschwizte, so daß die Presse im Druk nachließ und der Kolben über Nacht bedeutend hinabsank, nachdem am Abend ein großer Pak elastischer Waaren unter starker Compression in der Presse gelassen worden war. Die Außenseite des Preßcylinders war am andern Morgen mit kleinen Tröpfchen bedekt, vorzüglich dem untern Ende zu, wo die Tropfen auch etwas größer waren. Die Arbeiter glaubten anfangs, das Wasser sey durch die Lederdichtung des Kolbens oder an den Fugen ausgetreten; erst eine nähere Untersuchung zeigte den wirklichen Sachverhalt; |213| der größte Theil dieses durchgesikerten Wassers war aber wahrscheinlich gleich beim Ausschwizen im feinstvertheilten Zustand in die Luft verdunstet. Es wurde diesem Uebelstande durch Ueberziehen der innern Oberfläche des erwärmten Cylinders mit einem diken Firniß von geschmolzenem Wachs und Harz abgeholfen. Die Presse verrichtete hierauf ihren Dienst gehörig und es war aus diesem Fall zu ersehen, daß Leder, nicht diker als das einer starken Schuhsohle, unter starkem Druk kaltes Wasser weniger hindurchläßt als einige Zoll dikes Gußeisen.

Als dieser Fall dem verstorbenen Hrn. Maudslay erzählt wurde, bemerkte er, daß er in Gesellschaft mit Bramah bei Verfertigung der kleinen hydraulischen Pressen zum Briefcopiren ebenfalls die Beobachtung gemacht habe, daß einige Cylinder aus Kanonenmetall das Wasser durchschwizen ließen; wie er sich später überzeugt habe, rührte dieß daher, daß die Arbeiter die beim Gießen schief gestellten Formen sogleich nach dem Gießen durch eine rasche Bewegung aufrecht stellten, ehe das Metall noch recht erkaltet war; nachdem dieser Fehler abgestellt war, sielen die Preßcylinder in der Regel fehlerfrei aus.

Das Gußeisen ist nicht immer eine dichtkörnige Metallmasse; der darin enthaltene Kohlenstoff, dessen Gehalt es vom Stabeisen unterscheidet, durchdringt die Masse, hält die Eisenmolecüle von einander getrennt und vermindert ihre Cohäsion. Sehr kohlenstoffreiches Gußeisen ist leicht schmelzbar, läuft gut in die Formen und läßt sich leicht bearbeiten; es wurde Nr. 1, reiches Eisen bester Qualität für Gießereien (auch kishy iron), genannt. Es zeigt auf seiner Oberfläche nach dem Abkühlen an freier Luft Kohlenstoff- oder Graphittheilchen, was daher rühren soll, daß das Eisen in dem Hohofen im flüssigen Zustand aus dem Brennmaterial mehr Kohlenstoff aufnimmt, als es nach dem Abkühlen und Erstarren in sich behalten kann, und daß daher die Eisenmolecüle, indem sie sich beim Erstarren einander nähern, einen Theil des überschüssigen Kohlenstoffs zwischen sich hinausdrüken, wobei auf der Oberfläche des geschmolzenen Metalls während des Abkühlens eine merkwürdige wurmförmige Bewegung wahrzunehmen ist. Diese leztere Bewegung muß später der Festigkeit des Metalls nachtheilig seyn, und wirklich ist solches kishy Metall zwar weich zum Bearbeiten, aber schlecht in Bezug auf Cohäsion; es liefert keine starken Güsse, widersteht der Reibung nicht und läßt unter Druk Luft, Gas und Wasser durch seine Poren hindurch. Kohlenstoffreichem Gußeisen kann man durch Umschmelzen so viel von seinem überschüssigen Kohlenstoff entziehen, daß es vollkommene Cohäsion erlangt; ein solcher Ueberschuß kann durch Schmelzen |214| des oben erwähnten reichen Eisens Nr. 1 mit einem gehörigen Zusaz von alten Gußstüken, die durch vorheriges Schmelzen von ihrem Kohlenstoffüberschuß befreit wurden, neutralisirt werden. Die HHrn. Boulton und Watt schenkten, als sie ihre Laufbahn begannen, diesem Gegenstand behufs des Gießens der Cylinder und anderer Theile ihrer Dampfmaschinen große Aufmerksamkeit und erhielten durch Benüzung aller Fortschritte im Gießen der eisernen Kanonen und umsichtiges Mischen mehrerer Sorten Gußeisen Güsse, welche an Güte und Dauerhaftigkeit niemals übertroffen, und selten erreicht wurden.

Bei Gußeisen von dieser Qualität sind die Molecüle dicht aneinander, folglich hat es große Cohäsion und ist von Wasser, Gas und Luft undurchdringlich.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: