Titel: Knorr, praktische Bemerkungen zur Daguerreotypie.
Autor: Knorr, E.
Fundstelle: 1845, Band 96, Nr. CXI. (S. 448–475)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj096/ar096111

CXI. Praktische Bemerkungen zur Daguerreotypie; von E. Knorr.

Aus Poggendorff's Annalen, 1845, Nr. 5.

Im vergangenen Frühjahr beabsichtigte ich einige wissenschaftliche Versuche mit Hülfe des Daguerreotyps anzustellen, es zeigte sich aber, daß meine sämmtlichen Apparate zu den von mir beabsichtigten Versuchen nicht ganz geeignet waren, sondern mehrfacher kleiner Veränderungen bedurften; auch fand ich es nöthig mich vorher im Gebrauch der beschleunigenden Substanzen hinreichend zu üben, mit denen ich nur einige wenige vorläufige Versuche angestellt hatte. Mit lezterer Arbeit ist jedoch die Zeit vorübergegangen, welche ich diesem Gegenstand widmen konnte, und ich bin daher zu nichts anderem als einigen praktischen Bemerkungen gelangt, die ich mir erlaube hier mitzutheilen, obgleich sie zum Theil auch solchen Personen, welche sich mehrfach mit diesem Gegenstand beschäftigt haben, nicht fremd seyn mögen, jedoch, wie es scheint, nicht allgemein bekannt geworden sind.

Was meine jezigen Apparate anbetrifft, so sind dieselben von einer gewöhnlichen Viertelplatte an bis zu jeder beliebigen Kleinheit der Platte brauchbar, und haben vor anderen mir bekannten, namentlich den gewöhnlichen französischen und den Voigtländer'schen, folgende Vorzüge:

1) Die Camera obscura kann mit Leichtigkeit in jede beliebige Lage gebracht, in derselben festgestellt und auf den Gegenstand eingestellt werden.

2) Das Einsezen der Platten in den Rahmen und in der Camera obscura ist leichter und schneller als bei anderen mir bekannten Constructionen.

3) Die Operationen des Jodirens und Bromirens können außerhalb des Zimmers im Freien vorgenommen werden, ohne daß man weder hiebei, noch bei dem Einsezen und Herausnehmen der Platten aus der Camera einen Nachtheil durch secundären Einfluß des Lichts zu fürchten hätte. Dieß zeigte sich besonders bei dem Gebrauch beschleunigender Substanzen wichtig.

4) Während sich die Platte in der Camera obscura unter der Wirkung des Lichts befindet, kann zu jeder beliebigen Zeit ein vom Rande der Platte beginnender horizontaler oder verticaler Abschnitt derselben maskirt werden, was besonders bei Landschaften wichtig ist, wenn der Himmel sich sehr erleuchtet zeigt.

|449|

Als Objectiv habe ich mich vorzugsweise eines achromatischen Doppelobjectivs nach Petzwal's Construction von Soleil in Paris bedient; dasselbe ist ausgezeichnet schön, jedoch schien mir, als wenn ein dergleichen Objectiv von Voigtländer und Sohn in Wien das meinige an Lichtstärke und Reinheit der Bilder noch etwas überträfe, ich habe aber nicht Gelegenheit gehabt beide Objective direct zu vergleichen.

Bei Abbildung von Gegenständen, die sich auf einen gleichmäßig beleuchteten Hintergrund projiciren, kann man die Schnelligkeit der Wirkung dadurch bedeutend erhöhen, daß man sich einer Camera obscura bedient, deren Kasten hinreichend klein ist im Verhältniß zum Felde des Objectivs, um diejenigen Strahlen, welche nicht zur Erzeugung des Bildes benuzt werden sollen, als fortwirkende in Anwendung zu bringen. Ich habe dieses Mittel nur mit einer Camera obscura versucht, deren Kasten vierekig war, besser ist wohl unstreitig die cylindrische Form. Man kann hierdurch zugleich theilweise einen Fehler corrigiren, der sich wenigstens bei meinem Objective oft sehr stark bemerkbar machte, nämlich daß die mittleren Theile des Bildes bei etwas scharfer Beleuchtung sich in derselben Zeit weit stärker entwikelten, als die mehr nach dem Rand der Platte hin gelegenen. Ich fand hier ein gelbes, nicht geglättetes Papier, welches die Eigenschaft hatte, daß es im schärfsten directen Sonnenlicht auf einer jodirten und bromirten Platte, auf welche noch keine Lichtwirkung stattgefunden hatte, keine Spur einer Wirkung zeigte, in einer Zeit, welche 60mal größer war als diejenige, in welcher weißes Postpapier sich vollkommen abgebildet hatte; mit diesem Papier legte ich das Innere der erwähnten kleinen Camera obscura aus, um die angegebene Wirkung zu erhalten. Eine solche Camera obscura ist aber ohne innere Diaphragmen nicht brauchbar für sehr ungleich beleuchtete Gegenstände, wie z.B. für Landschaften, die stark von der Sonne beschienen sind. Für lezten Fall habe ich ein Paar glükliche Versuche auf folgende Weise gemacht. Nachdem die bromirte Platte eine kurze Zeit der Wirkung des Lichts in der Camera obscura ausgesezt worden war, jedoch nicht hinreichend lange, um ein vollendetes Bild zu erhalten, drehte ich die Camera obscura gegen einen Schirm von demselben gelben Papier, und ließ nun die Platte noch einige Zeit unter der Wirkung der reflectirten gelben Strahlen. Diese Versuche wurden zunächst nur beiläufig gemacht, um später darauf zurükzukommen, was mir aber nicht möglich war; ich kann daher nicht behaupten, daß diese Methode praktisch wirklich brauchbar sey; man sieht aber, daß sie im Wesentlichen auf demselben Princip beruht, als der Gebrauch der farbigen Gläser.

|450|

1) Schleifen neuer Platten.

Nach diesen vorläufigen Bemerkungen gehe ich zu den Operationen selbst über, deren unangenehmste unstreitig das Schleifen der Platten ist. Bedient man sich nur des Jods, ohne Anwendung beschleunigender Substanzen, so braucht das Schleifen der Platten nicht so sorgfältig zu seyn als im lezten Fall; nach vielfachem Hin- und Herprobiren bin ich aber für den lezten Fall bei einer Methode stehen geblieben, wobei ich folgende Mittel gebrauche:

1) Ein aus Olivenöhl genommenes gesäuertes Fett.

2) Spiritus von beiläufig 67 Proc. Alkoholgehalt (dem Gewicht nach).

3) Feine Baumwolle.

4) Gereinigten Baumwollensammt Nr. 1.

5) Deßgleichen, oder besser Seidensammt Nr. 2.

6) Venetianischen Tripel, – englisch Roth oder gebrannte Knochen.

Nr. 1 wird auf folgende Weise bereitet: zu 5 Theilen Olivenöhl, dem Volum nach, gieße man einen Theil Salpetersäure, wie solche gewöhnlich den Apparaten beigegeben wird, und lasse beides unter öfterem Umschütteln 24 Stunden zusammen stehen. Hierauf gieße man noch einen Theil weißer gewöhnlicher Schwefelsäure hinzu, und lasse alles zusammen einige Tage im Lichte stehen, indem man es öfter umschüttelt; das Oehl nimmt dann allmählich eine schwache Saffranfarbe an, und kann dann schon zum Schleifen der Platten benuzt werden. Besser ist es aber das Oehl zum Erstarren zu bringen, welches nach einigen Tagen bei einer Temperatur unter 16° R. leicht geschieht; man macht dann mit einem Glasstab ein Loch in die erstarrte Masse und läßt durch dasselbe alle Säure sorgfältig ablaufen. Dieß so gewonnene Fett bleibt auch noch bei einer etwas höheren Temperatur als 16° R. fest, und ist etwas hart, aber dennoch sehr gut zum Schleifen der Platten; man gebraucht es dazu mit Tripel und Baumwolle.

Ist das Olivenöhl mit anderen fetten Oehlen verunreinigt, z.B. mit Mohnöhl, so dauert die Reinigung desselben länger; das Oehl färbt sich im Sonnenlicht allmählich viel dunkler, und zum Erstarren ist eine weit niedrigere Temperatur nöthig. Das gesäuerte Fett, was aus solchem Oehl gewonnen wird, bleibt weicher als das aus reinem Olivenöhl, und ist zum Schleifen der Platten daher etwas bequemer; ich ziehe aber lezteres dennoch vor, weil sich die Platten durch Spiritus und Tripel leichter und sicherer von diesem Fett reinigen lassen. Man braucht von diesem Fett nur sehr wenig, deßhalb habe ich es |451| immer nur in kleinen Quantitäten, von ungefähr 1/2 Unze, bereitet.

Mit diesem Fett, Baumwolle und troknen Tripel schleift man nun die Platten in die Runde, nimmt dann das Fett so viel als möglich mit Tripel und Baumwolle weg, und schleift hierauf mit Baumwolle, Tripel und Spiritus, hauptsächlich um die lezte dünne Schicht Fettigkeit wegzunehmen. Dann schleift man mit Baumwolle, Roth oder Knochen und Spiritus, oder statt dessen sogleich mit Sammt Nr. 1, Roth oder Knochen und Spiritus, in die Runde, um der Platte einen feineren Strich zu geben. Endlich mit Roth oder Knochen, Spiritus und Sammt Nr. 2, um zu poliren, zulezt mit troknem Sammt Nr. 2, oder Roth, um die Politur zu vollenden, den Strich in bestimmter Richtung zu geben und alles noch anhaftende trokne Puzmittel zu entfernen; bei den beiden lezten Operationen kann man etwas stark aufdrüken, auch muß man zum lezten troknen Puzen stets ein neues Stük Sammt anwenden.

Der Sammt Nr. 1 wird auf folgende Weise vorbereitet: man nehme guten Baumwollensammt, am besten von weißer, oder doch einer solchen Farbe, welche von Ammoniak zerstört wird, thue denselben in einen neuen reinen irdenen Topf, gieße reines Regenwasser darauf und seze eine kleine Quantität liq. ammon. caustic. dazu, wenigstens so viel als nöthig ist, um dem Wasser einen schwachen Ammoniakgeruch zu ertheilen, lasse den Sammt wenigstens eine Stunde gut durchweichen, koche ihn hierauf in demselben Wasser ebenfalls wenigstens eine Stunde, gieße dann das Wasser ab, und drüke den Sammt mit Hülfe einer reinen hölzernen Kelle aus, indem man ihn wiederholt mit reinem Wasser übergießt; zulezt koche man ihn nochmals in reinem Regenwasser, spüle ihn aus, und lasse ihn dann im Schatten troknen. Ueberhaupt hüte man sich sorgfältig, den Sammt an solchen Stellen mit den Händen anzugreifen, welche zum Schleifen der Platten gebraucht werden sollen.

Baumwollensammt Nr. 2 unterscheidet sich von Nr. 1 dadurch, daß derselbe noch in Spiritus gereinigt wird, nachdem er schon der vorhergehenden Procedur unterworfen worden war. Man läßt den Sammt einige Stunden in einem reinen Porzellangefäß in Spiritus weichen, spült ihn dann nochmals in reinem Spiritus und zulezt in destillirtem Wasser aus, und läßt ihn wieder im Schatten troknen; den Spiritus muß man wenigstens von derselben Stärke anwenden, wie man ihn zum Schleifen der Platten gebraucht. Der Sammt Nr. 2 ist entbehrlich, wenn Nr. 1 gehörig rein ausfiel, man kann aber dessen nie so ganz sicher seyn; es wäre besser immer nur Nr. 2 |452| anzuwenden, der Spiritus ist aber hier ziemlich theuer, deßhalb benuzte ich lezteren Sammt nur, wo er unumgänglich nöthig erschien.

Seidensammt Nr. 2 ist eben so gereinigt wie Baumwollensammt; er ist entbehrlich, wenn man nicht die Mittel benuzt, um die Dike der empfindlichen Schicht zu erhöhen, von denen in der Folge die Rede seyn wird.

Es ist gut Tripel, Roth oder Knochen von Zeit zu Zeit auszutroknen, wozu ich mich immer eines flachen kupfernen Gefäßes und einer Berzelius'schen Lampe bediente, es ist aber dabei keineswegs nöthig die Erhizung sehr weit zu treiben, z.B. bis zum Glühen des Tripels. Nach dem Erkalten zerreibt man diese Substanzen wieder in einem Mörser von Gußeisen. Es ist keineswegs ganz gleichgültig, ob man sich zum lezten Schleifen und Poliren des Roths oder der Knochen bedient, denn diese Substanzen haben Einfluß auf den Ton des Bildes. Unter sonst möglichst gleichen Umständen haben die Bilder auf Platten, die mit Knochen geschliffen wurden, einen mehr weißlichen Ton, als auf solchen die mit Roth behandelt wurden; ich ziehe das Roth vor, obgleich es mir mehrfach geschienen hat, als wenn die mit Knochen behandelten Platten etwas empfindlicher wären.

Hat man schon einige Uebung im Schleifen und Poliren der Platten, so geht diese Operation nach der hier angegebenen Weise ziemlich leicht und schnell vor sich, ich muß aber doch bemerken, daß man ohne Lehrer sich hierin nur mit Mühe die gehörige Sicherheit erwirbt. Wenn man aber schon noch so geübt ist und mit aller Sorgfalt zu Werke geht, so mißlingen dennoch zuweilen die Versuche ununterbrochen gänzlich. Daß dieß in einer krankhaften Ausdünstung der Hand liegen kann, wodurch bei dem lezten Poliren der Platte ein secundärer nachtheiliger Einfluß auf dieselbe ausgeübt wird, davon habe ich folgendes Beispiel. Nach einem heftigen Kolikanfall, den ich mir, wie es schien, durch unvorsichtiges Einschluken von Bromdämpfen zugezogen hatte, konnte ich mehrere Tage lang durchaus kein gutes Bild erhalten. Es arbeiteten zu dieser Zeit zwei Personen mit mir, welche selbst eingestanden, daß sie weniger sorgfältig als ich mit der Bereitung der Platten zu Werke gingen. Es wurden stets drei Versuche unmittelbar hinter einander gemacht, so daß alles möglichst gleich war, und nur der Unterschied stattfand, daß die Platten von verschiedenen Personen geschliffen und polirt worden waren; auf allen von mir polirten Platten waren die Bilder stets unrein und verschleiert, während auf den Platten meiner Mitarbeiter fast ohne Ausnahme, stets gute Bilder erhalten wurden. Ich war zulezt gezwungen alle meine Platten einem meiner Gehülfen zur |453| Vollendung zu übergeben, und erst nach acht Tagen war dieß nicht mehr nöthig. Ob die Platte gehörig gereinigt ist, prüft man leicht durch den Hauch; es ist aber immer gut nach dem Verschwinden des Hauchs die Platte leicht mit troknem Sammt Nr. 2 zu übergehen. Den Sammt schlägt man entweder um einen Baumwollenballen, oder man verfertigt sich Cylinder von Filz oder Tuch, um deren untere Fläche man einige Stüke Sammt bindet, um dieselbe weicher zu machen; das zum Poliren bestimmte Stükchen Sammt legt man dann mit der weichen Seite lose auf die Platte und sezt den Cylinder mit der weichen Fläche auf dasselbe.

2) Absieden der Platten.

Daguerre hat bekanntlich vorgeschlagen, die Platten nach Vollendung der Politur noch mit destillirtem Wasser abzusieden; was man auch dagegen gesagt haben mag, dieser Vorschlag ist wohl begründet. Nur auf solchen Platten ist es mir gelungen zu dem Maximum der Empfindlichkeit zu kommen, und z.B. das Bild eines Menschen im Gange zu erhalten, wie er eben den Fuß zum Schritt hat. Das von Daguerre angegebene Verfahren ist aber praktisch nicht brauchbar, denn es gelingt zu selten auf diese Weise, selbst mit Anwendung des reinsten Wassers, eine reine Platte zu erhalten; man braucht eine solche Platte nach dem Erkalten nur zu behauchen, um zu sehen, daß eine Menge Fleken zurükgeblieben sind, welche dann der Reinheit des Bildes nachtheilig werden. Durch folgendes praktisch leicht ausführbares Verfahren gelangt man ohne Nachtheil zu demselben Ziel. Man nehme ein Gefäß von Messing oder Kupferblech mit ebenem Boden, welches nur etwas weniges breiter als die abzusiedende Platte zu seyn braucht, jedoch wenigstens 1/2 Zoll länger als dieselbe, und 1/2 Zoll hoch seyn muß; dasselbe muß an der einen langen Seite mit einem hölzernen Griff versehen seyn, oder doch wenigstens einen Henkel haben, so daß man es mit einer Zange fassen und in horizontaler Richtung hin- und herbewegen kann. In dieses Gefäß legt man die zuvor gehörig geschliffene und polirte Platte, gießt reines destillirtes Wasser darüber, ungefähr bis zu 2/3 der Höhe des Gefäßes, und bringt nun das Wasser über einer Berzelius'schen Lampe zum Sieden, indem man das Gefäß langsam über der Lampe hin- und herbewegt. Selbst wenn man frisch ausgekochtes Wasser anwendet, wird man doch sehen, daß sich eine Menge Luftblasen von der Oberfläche der Platten entwikeln, welche man durch Hin- und Herschütteln der Platte im Gefäß von derselben trennen muß; hat die Entwiklung der Luftblasen aufgehört, so läßt man das Wasser noch einige Secunden fortsieden, gießt dann dasselbe |454| ab, nimmt die Platte mit dem Gefäß und läßt sie erkalten. Zuweilen, jedoch selten, ist das Entwikeln der Luftblasen so stark, daß es nöthig ist noch Wasser zuzugießen, um das Sieden länger fortzusezen. Behaucht man eine solche Platte nach dem Erkalten, so wird man in der Regel finden, daß sie ganz voller Fleken ist, man muß sie daher jezt noch mit Roth, Spiritus und Sammt Nr. 2 leicht übergehen, um die Fleken wegzunehmen, und dann noch mit Sammt Nr. 2, um alles Roth zu entfernen. Die lezten beiden Operationen müssen mit sehr leichter Hand gemacht werden, denn die Politur der Platte muß schon vor dem Sieden vollendet seyn, auch darf man die ganze Operation nur kurz vor dem Jodiren der Platten vornehmen.

Der Sammt hat das Unangenehme daß er zuweilen Fasern auf der Platte zurükläßt; diese lassen sich aber leicht durch lokere Baumwolle entfernen.

Die zulezt angegebene Methode des Siedens der Platten, verbunden mit den gehörigen Vorsichten beim Bromiren, ist die einzige, welche ich bis jezt zu wissenschaftlichen Versuchen brauchbar halte, wenn man Daguerre's Verfahren anwenden will; denn nur mit Hülfe derselben habe ich Resultate erhalten, welche als hinreichend constant betrachtet werden können. Für gewöhnliche Versuche aber, wenn man nur die Absicht hat schöne Bilder zu erhalten, möchte ich dieses Verfahren nicht empfehlen, obgleich es mehr Sicherheit gewährt als die übrigen, denn die Bilder werden zwar äußerst fein und zart, erhalten aber so wenig Rundung, daß sie nicht wohl befriedigen können.

3) Schleifen gebrauchter Platten.

Platten, die zwar den Queksilberdämpfen ausgesezt, aber nicht vergoldet wurden, braucht man zwar nicht aufs neue mit gesäuertem Fett zu schleifen, sondern man kann sogleich mit Spiritus beginnen; man thut aber immer besser sie wie neue Platten zu behandeln, weil man sonst leichter Gefahr läuft nicht alles Queksilber zu entfernen, was der Reinheit des neuen Bildes leicht Eintrag thut. Es zeigte sich immer besser, wenn solche Platten durch unterschwefligsaures Natron von der empfindlichen Schicht befreit worden waren, obgleich dieß nicht unumgänglich nöthig ist. Statt des Tripels kann man zum gesäuerten Fett feines Roth nehmen, um die Platten nicht unnöthigerweise zu stark anzugreifen.

Vergoldete Platten schleift man zunächst mit verdünntem Königswasser, aus einem Theil Salpetersäure, einem Theil Salzsäure und |455| 40–50 Theilen destillirtem Wasser, und mit Tripel und Baumwolle, um die Goldschicht wegzunehmen und das Bild zu vernichten; hierauf behandle man sie wie neue Platten. Das gesäuerte Fett kann entbehrt werden, doch thut man auch hier besser es anzuwenden.

4) Jodiren.

Was das Jodiren der Platten betrifft, so bin ich zulezt wieder zu dem Apparat von Seguier zurükgekehrt, den ich bis jezt noch für den besten und bequemsten gefunden habe; derselbe besteht bekanntlich aus einem hölzernen Kasten, auf dessen Boden das trokne Jod gestreut wird; über dieses kommt ein Kissen aus Baumwolle und dann eine Pappscheibe in einem Rahmen und die Joddämpfe werden von der Pappe auf die Platte übergetragen. Hier scheint sich nun allerdings das Jod zuweilen auf der Pappe zu zersezen (?), besonders wenn nicht mehr hinreichendes Jod im Kasten ist; man kann aber diesen Uebelstand leicht dadurch vermeiden, daß man öfter frisches Jod nachstreut, und von Zeit zu Zeit, z.B. alle acht Tage, einige Tropfen einer concentrirten Auflösung von Jod in Schwefeläther auf den Boden des Kastens gießt, ihn einige Minuten verschließt und dann denselben eine halbe Stunde lang öffnet. Mit welchen besonderen Umständen aber zuweilen der Photograph zu kämpfen hat, davon gewährte auch dieser Apparat ein besonderes Beispiel. Im physikalischen Cabinet der Universität hat sich nämlich eine kleine Art von Ameisen eingenistet, welche vor 10–12 Jahren mit Zuker hier eingeführt worden seyn soll, und sich schnell über einen großen Theil der Stadt verbreitet hat; vor 8 Jahren waren diese lästigen Gäste mir noch ganz unbekannt. Diese Thiere scheinen fortwährend ihre Spione nach allen Richtungen hin auszusenden, denn sie finden in wenig Minuten alles auf, was ihnen zur Nahrung dienen kann, und da sie durch die feinsten Rizen dringen, so sind nur solche Dinge vor ihnen sicher, die in luftdicht verschlossenen Gefäßen aufbewahrt werden; Bromwasser und Jod lieben sie sehr, aber nur lezteres ist für sie tödtlich, Schwefeläther meiden sie. Es zeigte sich nun mehrere Tage hindurch, daß alle Lichtbilder, die ich erhielt, mit einem leichten eigenthümlichen, glänzenden Schleier überzogen waren, der durchaus keinem Verfahren weichen wollte, und es ergab sich endlich, daß die Ursache dieser Erscheinung nur im Jodirapparat liegen könne. Als ich diesen Apparat näher untersuchte und das Baumwollenkissen herausnahm, fanden sich auf dem Boden des Kastens eine Menge Ueberreste von Ameisen, jedoch nur Köpfe und die äußersten Enden der Füße, alle übrigen Theile waren zerstört. Ich lüftete den Jodkasten einige Stunden und gebrauchte nun zum |456| erstenmal das Schwefelätherjod; seit dieser Zeit haben die Ameisen den Jodkasten verschont, und derselbe hat immer gut gewirkt.

Bei dem Jodiren nehmen bekanntlich die Platten allmählich eine goldgelbe Farbe an, dann folgt Orange, dann Roth u.s.w. Für die Platten, welche nach den vorhergehenden Angaben behandelt worden waren, ist die starke Orangenfarbe die beste, wenn sie nachher bromirt werden sollen; es gibt aber Platten, auf welchen man den angegebenen Farbenwechsel nicht erhalten kann, sondern die im Anfang grau und dann schnell grauroth werden; auf solchen Platten wird man selten brauchbare Bilder erhalten. Worin diese Anomalie ihren Grund hat, habe ich nicht entdeken können, im Jodirapparat liegt er nicht; manche solcher Platten lassen sich durch starkes Abschleifen verbessern, bei anderen gelingt dieß aber durchaus nicht, und es bleibt dann nichts übrig als sie wegzuwerfen.

5) Beschleunigende Substanzen.

Um so leichter und sicherer mir die Versuche mit dem Daguerreotyp gelungen sind ohne Anwendung der beschleunigenden Substanzen, um so größer waren die Schwierigkeiten, welche ich bei dem Gebrauch der lezteren gefunden habe; was mich aber im Anfang am mehrsten frappirte, war, daß die ersten Versuche recht gut gelangen und sich die Schwierigkeiten derselben erst allmählich herausstellten. Ich begann mit dem Brom, wendete mich dann zum Chlor, und kehrte wieder zum Brom zurük; da lezteres entschiedene Vorzüge hat, so übergehe ich hier das Chlor ganz. Die chlorige Säure, welche vor einiger Zeit vorgeschlagen worden ist, habe ich ebenfalls versucht; dieselbe ist allerdings als beschleunigende Substanz brauchbar, die an ihr gerühmten Vorzüge habe ich aber nicht entdeken können, und da man es bei dem Gebrauch derselben noch außerdem mit leicht oxydirenden Substanzen zu thun hat, so kann ich dieses Mittel keineswegs empfehlen. Bei der Anwendung des Broms ist die sicherste Methode unstreitig diejenige, welche von Fizeau angegeben ist; die schönsten Resultate gewährt sie aber nicht, auch erfordert sie mehrfache Vorsichten, wenn ihre Anwendung hinreichend sicher seyn soll; zu vollkommener Sicherheit bin ich jedoch, ungeachtet aller Vorsicht, durch dieselbe nicht gelangt, was aber seinen Grund eigentlich nicht in der Methode selbst hat.

Dieß Verfahren besteht bekanntlich darin, daß man sich zunächst eine gesättigte Auflösung von Brom in destillirtem Wasser bereitet, sich dann mit Hülfe derselben eine verdünnte Auflösung nach bestimmtem Maaße verfertigt, und die jodirte Platte den Dünsten einer gewissen Quantität dieser Lösung während einer Zeit aussezt, welche |457| für jeden Apparat durch Versuche gefunden werden muß. Ein Theil gesättigtes Bromwasser auf 40–60 Theile destillirten Wassers habe ich für das beste Verhältniß gefunden; es hängt dieß Verhältniß aber von den Apparaten ab, denn man muß es so wählen, daß man im Mittel bei einer gewissen Temperatur des Bromirapparats und Wassers, die man constant zu erhalten sucht, die polirten Platten 1 Minute den Bromdämpfen aussezen muß, um das Maximum der Empfindlichkeit zu erhalten.51) Dieß gilt für Platten, welche noch nicht vergoldet waren; bei einer kleineren Zeit hat ein Fehler in der Zeit einen zu bedeutenden Einfluß auf die Empfindlichkeit der Platten, und bei einer bedeutend größeren sezt man sich zu leicht einem nachtheiligen Einfluß der Wasserdämpfe aus. Der beste Bromirapparat ist ein vierekiges Porzellangefäß mit flachem Boden, welches für Viertelplatten wenigstens 2 1/2 Zoll hoch und so breit seyn muß, daß die Platten auf allen Seiten wenigstens einen Zoll von den Wänden des Gefäßes abstehen. In die Mitte dieses Gefäßes stellt man eine flache runde Schale, wenigstens von 2 1/2 Zoll Durchmesser und mit recht ebenem Boden, in diese wird das verdünnte Bromwasser gegossen; 1 Loth Bromwasser ist hinreichend für eine Viertelplatte. Das größere Porzellangefäß stelle man in ein Beken, in welchem sich Wasser befindet, was man beiläufig immer auf einer gleichen Temperatur zu erhalten sucht; hat man einen Brunnen in der Nähe, aus welchem man immer Wasser von constanter Temperatur haben kann, so ist dieß nicht schwer; wo man diese Bequemlichkeit aber nicht hat, da muß man ein Thermometer zu Hülfe nehmen, und sich die gehörige Erfahrung zu verschaffen suchen, um wie viel die Zeit des Bromirens bei einer Temperaturveränderung geändert werden muß; das Bromwasser selbst muß man auf gleiche Weise auf einer constanten Temperatur zu erhalten suchen, auch bereite man das verdünnte Bromwasser nur immer in kleinen Quantitäten zu wenigen Versuchen im voraus. Man kann zwar zwei oder drei Platten unmittelbar hinter einander mit demselben Bromwasser bromiren, indem man für jede Platte einige Minuten an Zeit zugibt, doch ist es besser das einmal gebrauchte Bromwasser sofort wegzugießen; das große Gefäß lasse man stets offen stehen und wasche es öfter aus, um alles Brom zu entfernen, welches sich an den Wänden niedergeschlagen haben kann. Bedient man sich einer Camera obscura, bei welcher die Platten auf einem Brett befestigt werden, das größer als |458| die Platten ist, so reinige man dasselbe vor jedem Versuch mit Spiritus, besser aber ist es noch, diejenigen Theile des Bretts, welche nicht von der Platte bedekt werden, mit Staniol zu bedeken, den man dann nur mit trokner Baumwolle zu reinigen braucht. Der Holzkasten mancher Camera obscura hat die Eigenschaft, leicht Bromdämpfe einzusaugen, und dann eine Rükwirkung auf die Platte auszuüben, wodurch das Bild verdorben wird; dieß war mit einem Kasten aus Nußbaumholz der Fall, den ich aus Paris erhalten hatte. Im Anfang gelangen die Versuche in diesem Kasten recht gut, allmählich gingen sie aber immer schlechter, bis ich zulezt kaum nur noch Spuren eines Bildes erhielt; ein hier verfertigter Kasten aus demselben Holz zeigte diese Untugend nicht. Ist man so unglüklich einen Kasten erster Art erhalten zu haben, so ist das Beste, ihn ganz zu verwerfen; kann man dieß aber nicht, so beobachte man folgende Regeln. Man lasse so viel als möglich den Kasten geöffnet im Freien stehen, und bringe ihn nie in ein Zimmer, wo Bromdämpfe seyn können. Sobald man eine Rükwirkung des Kastens auf die Platten zu bemerken glaubt, stelle man die Versuche ein, gieße einige Tropfen liq. amm. caust. in den Kasten, verschließe denselben und lasse ihn so wenigstens eine Stunde stehen; dann öffne man ihn und lasse ihn so lange in freier Luft, bis sich aller Ammoniakgeruch verloren hat. Ob bei Metallkästen mit der Zeit derselbe Uebelstand eintreten könne, weiß ich nicht; ein kleiner Messingkasten, den ich häufig gebrauchte, zeigte ihn nicht, so lange im Innern die rohe Metallfläche nicht geschwärzt war. Geschwärzte Metallrahmen für die Platten zeigten aber eine sehr bemerkbare Rükwirkung, wenn sie nicht vor jedem Versuch gereinigt wurden; es ist daher besser solche Rahmen ungeschwärzt zu lassen. Fizeau hat bekanntlich schon angegeben daß, wenn man schon Bromwasser nach dem Maaß verfertigt hat, man sich eine Menge Bromwasser bereiten kann, indem man die Farbe des ersteren zum Vergleichungsmoment nimmt, und er schlägt dieß als ein Auskunftsmittel vor, wenn man das Maaßgefäß zerbrechen sollte. Diese Methode, welche anfangs roh erscheint, ist aber nur mit gehöriger Modification die einzig sichere, denn das destillirte Wasser verhält sich nicht immer gleich gegen das Brom. Es ist etwas anderes, ob man Wasser benuzt, welches aus Glasgefäßen oder aus verzinnten Gefäßen destillirt wurde, und ob das Wasser frisch bereitet ist, oder schon einige Zeit an der Luft gestanden hat. Fizeau's Methode ist aber deßhalb ohne Modification nicht brauchbar, weil verdünntes Bromwasser, selbst wenn es in sorgfältig verschlossenen Flaschen und im Dunkeln aufbewahrt wird, doch allmählich bleicht und zulezt alle Farbe verliert; auf folgende Weise |459| kann man aber der Unsicherheit bei der Bereitung des Bromwassers entgehen, die aus einem Bleichen einer Normallösung entspringen würde. Man nehme zwei vierekige geschliffene Fläschchen von recht klarem Glas, und von möglichst gleicher Größe, Reinheit und Dike des Glases (die meinigen hatten 1 1/2 Zoll Länge und 1 Zoll Breite), nehme ein Stük feines weißes Postpapier, etwas breiter als die schmale Fläche des Glases, lege es glatt auf leztere, und klebe die überstehenden Ränder an den breiten Flächen des Glases fest; dieß Glas fülle man mit einer Normallösung von verdünntem Bromwasser, das andere Glas aber fülle man mit destillirtem Wasser. Durch eine Auflösung von gummi guttae suche man nun einem Blatt Papier von derselben Sorte als das vorige eine Farbe zu geben, so daß das Papier mit der gefärbten Fläche an die schmale Fläche des lezteren Glases gehalten und, durch das Wasser gesehen, möglichst gleiche Färbung zeigt mit dem weißen Papier durch das Bromwasser gesehen. Ist man dahin gelangt, so klebe man ein gleiches Stük gefärbten Papiers mit der gefärbten Fläche auf das zweite Fläschchen, wie früher das weiße Papier auf das erste Fläschchen. Das erste Fläschchen gebraucht man dann zur Verfertigung des verdünnten Bromwassers, und das zweite gibt die Normalfarbe.

Nach dem gewöhnlichen Verfahren jodirt man erst die Platten, und sezt sie dann den Bromdämpfen aus. Auf diesem Weg habe ich aber nicht das Maximum der Empfindlichkeit erreichen können; dieß gelang auf abgesottenen Platten nur durch doppeltes Bromiren, weil bei einfachem Bromiren die Jodschicht, wie es scheint, sich nicht in ihrer ganzen Dike gleichförmig mit Brom durchzieht. Wenn für das einfache Bromiren man nicht über 40–45 Secunden hinausgehen durfte, ohne einen Bromschleier zu erhalten, so zeigte sich für das doppelte folgende Regel.

Die Summe der Zeit beider Bromirungen ist gleich 1 1/2 der Zeit der einfachen Bromirung. Es zeigte sich dabei gleich, ob ich die abgekochten Platten 20 Secunden vor dem Jodiren und 40 Secunden nachher, oder 30 Secunden vorher und 30 Secunden nachher bromirte.

Die Beobachtung aller vorhergehenden Vorsichtsmaaßregeln gewährt aber nur größere Sicherheit des Erfolgs für neue Platten, oder für solche, welche nicht vergoldet waren; für Platten, welche mit Fizeau's Goldlösung behandelt worden sind, helfen alle Vorsichten wenig, und bleibt ein glüklicher Erfolg reiner Zufall. Die Silberschicht der Platten wird bis zu einer gewissen Tiefe durch die |460| Vergoldung verändert, und diese Tiefe ist keineswegs constant; auch ist es unmöglich zu wissen, in welchem Zustand sich gerade diejenige Schicht befindet, bis zu welcher man durch das Schleifen einer vergoldeten Platte gekommen ist. Ein gut gelungenes Bild auf einer früher vergoldeten Platte ist in der Regel schöner als ein gut gelungenes Bild auf einer neuen Platte; allein deßhalb die Platte vorher vergolden wollen, scheint nicht rathsam.

Daguerre gibt an, daß eine vergoldete Platte eben so vielmal länger bromirt werden kann, als sie oft vergoldet wurde, ohne einen Bromschleier zu geben; ich kann dieß nach meinen Versuchen nicht bestätigen. Im Allgemeinen kann ich nur sagen, daß eine früher vergoldete Platte bei gleicher Politur, Jodirung und Bromirung, unempfindlicher ist als eine neue, und daß sie länger bromirt werden muß, um ihr einen gleichen Grad von Empfindlichkeit zu ertheilen. Um wie viel aber die Bromirung verstärkt werden muß, darüber wird sich schwerlich je ein allgemeines Gesez geben lassen.

Außer dem verdünnten Bromwasser habe ich mehrere andere Methoden der Anwendung des Broms versucht, sie haben aber alle mehr oder weniger Uebelstände; nur die Anwendung der troknen Verbindung des Broms mit dem Jod möchte ich empfehlen, denn mit Hülfe derselben habe ich die schönsten Resultate erhalten. Diese Verbindung ist nur leider nicht ganz beständig, denn das Brom verdunstet etwas schneller als das Jod, wodurch das Verfahren unsicher wird, auch ist sie ohne einen etwas complicirten Apparat nicht wohl anwendbar; jedoch kann der im Folgenden zu beschreibende Apparat auch für das trokne Bromjod benuzt werden. Am besten ist mir die Anwendung dieser Substanz auf folgende Weise gelungen. Man verfertige sich zunächst Bromjod, indem man fein zertheiltes Jod in Brom schüttet, so lange bis alles Brom vom Jod gebunden ist; oder umgekehrt, man tröpfle Brom allmählich auf Jod, so lange bis kein Brom vom Jod mehr gebunden wird; hierauf nehme man mit einem kleinen Glaslöffel etwas Bromjod und löse es in etwas Schwefeläther, so daß man eine gesättigte Lösung dieser Substanz erhält. Man nehme nun ein Glas- oder Porzellangefäß, am besten von cylindrischer Form, welches wenigstens 2 1/2 Zoll hoch seyn muß; der Boden desselben muß recht eben und der obere Rand genau abgeschliffen seyn, so daß das Gefäß durch eine geschliffene undurchsichtige Glasplatte gut geschlossen werden kann. Ist das Gefäß von Glas, so muß man es mit schwarzem Papier überziehen, um alles Licht abzuhalten. In dieses Gefäß lege man recht gleichmäßig dik lokere Baumwolle, welche aber wenigstens 1 Zoll unter dem Rand des Gefäßes bleiben muß; ein höheres Gefäß und größerer Abstand |461| von der Baumwolle verzögert zwar die Operation, gibt aber mehr Sicherheit in Hinsicht der Gleichmäßigkeit der empfindlichen Schicht Man hebe die Baumwolle von der einen Seite bis zur Mitte des Bodens etwas in die Höhe, gieße eine kleine Quantität Bromjodlösung in das Gefäß, deke die Baumwolle schnell darüber und verschließe das Gefäß mit der Glasplatte. So verschlossen lasse man das Gefäß eine halbe Stunde oder länger stehen, damit sich die Baumwolle recht gleichmäßig mit den Bromjoddämpfen durchziehe, dann öffne man es einige Minuten, damit sich die ersten starken Dämpfe zerstreuen, wobei es gut ist durch Wehen einen Luftzug hervorzubringen. Befolgt man diese leztere Vorsicht nicht, so wird man in der Regel im Anfang eine zu starke vorherrschende Wirkung des Broms bemerken, und man kann dann den Apparat nicht wohl ohne vorherige Jodirung der Platten gebrauchen. Dieß scheint daher zu kommen, daß man, um nicht zu wenig Brom zu haben, gewöhnlich bei der Bereitung des troknen Bromjodids etwas zu viel Brom nimmt, und dann beide Bromjod-Verbindungen, die feste und die flüssige, vermengt bekommt; in lezterer ist aber das Brom vorherrschend. Es hat mir geschienen, als könne man auf dem hier beschriebenen Apparat auch die leztere flüssige Verbindung recht gut gebrauchen, wenn man neue Platten bis zur goldgelben Farbe vergoldet, aber nur leicht gelb vorjodirt, und sie dann bis zum Roth über dem Bromjod läßt; ich habe jedoch hiermit nur ein Paar Versuche anstellen können, die zwar sehr gut gelangen, der Zahl nach aber nicht hinreichend sind, um über diese Frage zu entscheiden. Für das trokne Bromjod ist das vorherige Jodiren überflüssig, es würde dieß nur der Empfindlichkeit nachtheilig seyn; man sezt die Platten unmittelbar den Dämpfen des troknen Bromjods aus bis zur rothen Farbe. Bekommt bei dem ersten Versuch eine gute Platte schnell weiße Punkte, so muß man den Apparat noch etwas lüften. Man braucht nun noch einen hölzernen lakirten Rahmen, in welchen die Platten mit ihrer Fassung gelegt werden, und welcher beim Bromiren an die Stelle der Glastafel kommt; dieser Rahmen muß auf dem Gefäß leicht im Kreis gedreht werden können, damit sich die Platten recht gleichmäßig bromiren, und nach jedem Bromiren wird derselbe wieder durch die Glastafel ersezt. Mein so vorgerichteter Apparat wirkte drei Tage hinter einander ohne neues Zugießen von Bromjodlösung sehr konstant, und ich habe damit gerade meine schönsten Bilder erhalten; als er aber acht Tage lang ungebraucht gestanden hatte, schien das Brom größtentheils verflüchtigt und hauptsächlich nur Jod zurükgeblieben zu seyn, man muß dann frische Lösung zugießen. – Ich verfiel auf dieses Verfahren erst kurze Zeit vorher, |462| als ich meine Versuche schließen mußte, und habe daher über dasselbe nicht so viele Erfahrungen sammeln können, als z.B. über die Anwendung des Bromwassers; ich glaube es jedoch mit Recht den Praktikern zur Vervollkommnung empfehlen zu dürfen.

Hier muß ich bemerken, daß bei einer Auflösung von Jod in Schwefeläther sich allmählich Jodwasserstoffsäure, und bei einer Auflösung von Brom in Aether sich allmählich Bromäther und Bromwasserstoffsäure bilden; es ist daher nicht vorauszusehen, daß die Lösung von Bromjod in Aether sich lange constant halten sollte, weßhalb man wohl thun wird, sie nur immer in kleinen Quantitäten zu bereiten und möglichst frisch anzuwenden. Jedoch wirkte eine solche Lösung, die an einem dunklen Ort aufbewahrt worden war, nach vier Wochen noch ganz gut.

Alle Lösungen von Brom und Jod, die ich versuchte, zeigten sich für die Photographie nicht bequem, wenn eine schnelle Säurebildung in ihnen stattfand. Wenn auch eine solche Lösung im Anfang, so lange die Säurebildung nicht bemerkbar war, gut photographisch wirkte, so hörte sie doch auf brauchbar zu seyn, sobald sich eine saure Reaction bemerkbar machte. Ich halte daher die Bildung der erwähnten Säuren in den photographischen Substanzen, vor der Einwirkung des Lichts auf die Platte, als nachtheilig für den photographischen Proceß, und für eine Ursache des Mißlingens der Operationen. Deßhalb finde ich auch den Schwefeläther nicht für das beste Auflösungsmittel für Jod und Brom zum Gebrauch in der Daguerreotypie, doch kenne ich bis jezt noch kein anderes, welches den Vorzug verdiente, wenn man nicht wässerige Lösungen anwenden will. Man hat mit demselben Uebel, der Bildung von Bromwasserstoffsäure zu kämpfen, wenn man gesättigtes Bromwasser auf längere Zeit vorbereitet, und die Lösung nicht hinreichend gegen die Einwirkung des Lichts geschüzt wird, oder wenn fremdartige Körper in die Lösung fallen. So lange noch flüssiges Brom unaufgelöst auf dem Boden des Fläschchens sich befindet, in welchem man das gesättigte Bromwasser bereitet hat, ist die Bromwasserstoffsäure nicht sehr zu fürchten, wenn man das verdünnte Bromwasser nach der Farbe bereitet; doch muß ich meinen Versuchen nach dafür halten, daß sie auch in diesem Fall der Empfindlichkeit der Platte und Reinheit des Bildes entgegenwirkt, und man wird daher immer wohlthun, alles zu vermeiden was ihre Bildung begünstigen kann. Derselbe Umstand der leichten Säurebildung hat mich verhindert die Anwendung der wässerigen Lösungen von Chlorjod mit Brom weiter zu verfolgen; die verschiedenen Verbindungen, welche ich versuchte, |463| wirkten zwar anfänglich alle recht gut, zeigten sich aber der leichten Säurebildung wegen sehr unbeständig.

Zur Abmessung einer bestimmten Quantität Brom oder gesättigten Bromwassers bediene man sich lieber einer kleinen graduirten Sprize, welche oben mit Kautschuk zugebunden ist, statt der gewöhnlichen französischen mit Stempel.

Nach Gmelin's Handbuch der Chemie, vierte Ausgabe, gibt es zwei Verbindungen von Brom und Jod, und zwar die feste, Bromjod im Minimum, von welcher schon oben die Rede gewesen ist, und die flüssige oder Fünffach-Bromjod; beide sind in der Photographie anwendbar. Die zweite Verbindung erhält man bekanntlich dadurch, daß man nur wenig Jod zu Brom bringt, so daß keine feste Verbindung entsteht und noch etwas Jod ungelöst zurükbleibt. Wie Löwig bemerkt hat, löst sich diese Verbindung reichlich in Wasser, mit Abscheidung des etwa überschüssigen Broms oder Jods. Liegen des vorherrschenden Broms ist es mir nicht gelungen, mit dieser Verbindung ohne vorherige Jodirung gute Resultate zu erhalten. Für Personen, welche eine wässerige Lösung von Bromjod anwenden wollen, dürfte folgende Bereitung derselben die einfachste und zugleich diejenige seyn, bei welcher das wenigste Material unnüz verwendet wird. Man gieße gesättigtes Bromwasser auf ein wenig Jod, und lasse es so 12–24 Stunden an einem dunkeln Ort stehen, um eine gesättigte Lösung von Jod zu erhalten; dann gieße man die Lösung ab und seze etwas Brom zu, so daß auf dem Boden der Flasche ungelöstes Brom zurükbleibt, wodurch man sich gegen den Verlust von Brom aus der Lösung, und daher auch gegen eine Abnahme der Empfindlichkeit derselben schüzt. Diese Lösung wendet man dann in einer beliebigen Verdünnung an. Am besten scheint die citrongelbe Verdünnung; die Platten werden goldgelb jodirt und dann bis zum Rothwerden über der Bromjodlösung gelassen; die Verdünnung verfertige man erst dann, wenn man sie nöthig hat. Der Vorschriften zur Verfertigung von Lösungen beschleunigender Substanzen sind so viele gegeben worden, daß es schwer ist alle zu prüfen, doch habe ich deren noch mehrere versucht, die ich hier übergehe. Nur einer Substanz will ich hier noch erwähnen, welche sich der Säurebildung weniger unterworfen zeigte als die übrigen, dafür aber auch den Platten nur eine geringe Empfindlichkeit ertheilte. Sezt man zu gesättigtem Bromwasser tropfenweis etwas weniges einer gesättigten Jodlösung in Spiritus, so bildet sich ein Niederschlag, der fast wie sehr fein zertheiltes Jod aussieht. Gießt man nun die Flüssigkeit von dem Niederschlag möglichst rein ab, und schüttelt lezteren mit destillirtem Wasser, bedeutend mehr als man |464| Bromwasser genommen hatte, so bildet der frühere Niederschlag einen starken schwarzgrauen Schaum, der langsam in Floken zu Boden fällt. Das Wasser färbt sich dabei dunkler als gewöhnliches gesättigtes Jodwasser, wirkt langsam auf die Platten, zeigt sich aber als Lösung einer beschleunigenden Substanz. Diese Lösung hielt sich einige Wochen an einem dunklen Ort ganz unverändert; da ich aber durch dieselbe keine so große Empfindlichkeit erlangen konnte als durch Bromwasser, so habe ich mich mit derselben später nicht weiter beschäftigt.

Meine Ansicht über die hier vorzugsweise erwähnten beschleunigenden Substanzen ist in kurzen Worten folgende:

Bromwasser mit gehöriger Vorsicht angewendet, ist das sicherste Mittel, um so viel als möglich konstante Resultate zu erhalten.

Brom-Jod im Minimum, nach der Farbe angewendet, gibt die schönsten Bilder, ist aber wenig empfindlich.

Fünffach-Brom-Jod-Lösung, nach der Farbe angewendet, ist empfindlicher als das vorhergehende Mittel, gibt aber nicht ganz so schöne Resultate.

Aussezen der Platten in der Camera obscura.

Ueber die Zeitdauer der Lichtwirkung, um ein gutes Bild zu erhalten, läßt sich leider bis jezt leine Regel geben, die auch nur einigermaßen genügend wäre; nur eine große praktische Erfahrung kann hier als Führerin dienen, die aber auch keineswegs sicher ist, denn die Wirkung hängt nicht allein von der Erleuchtung, sondern auch von atmosphärischen Einflüssen ab, die bis jezt noch ganz unerforscht sind. Ich finde mich veranlaßt in dieser Beziehung eine Bemerkung mitzutheilen, die sich mir während meiner Versuche aufgedrungen hat. Drei Wochen hindurch, während welcher Zeit ich täglich mit dem Daguerreotyp arbeitete, herrschten hier häufige Gewitter, die sich wie gewöhnlich erst spät in den Nachmittagsstunden erhoben. An solchen Tagen zeigte nun das Daguerreotyp, ungeachtet sehr scharfer Beleuchtung der Gegenstände, eine ungewöhnliche Unempfindlichkeit, obgleich die Platten ganz nach denen in gewitterfreier Zeit gesammelten Erfahrungen behandelt worden waren. Zeigte sich an einem folgenden Tag das Daguerreotyp wieder wie früher empfindlich, so folgte auch kein Gewitter, so daß ich zulezt aus der Unempfindlichkeit der Platten auf ein kommendes Gewitter schloß, und mich dabei noch nicht getäuscht habe. Ich würde nach anderen Ursachen dieser Erscheinung gesucht haben, wenn nicht einer meiner Bekannten, welcher ganz unabhängig von mir mit anderen Apparaten und an |465| einem ganz anderen Ort der Stadt, zu gleicher Zeit mit dem Daguerreotyp arbeitete, dieselbe Bemerkung wegen der wechselnden Empfindlichkeit gemacht hätte, ohne an den Einfluß von Gewittern gedacht zu haben; derselbe kam zunächst zu mir, um mir die Bemerkung mitzutheilen: „man müsse an verschiedenen Tagen verschieden stark bromiren, um dieselbe Empfindlichkeit zu erhalten.“ Als die Gewitterzeit vorüber war, habe ich einen so starken und häufigen Wechsel der Empfindlichkeit der Platten nicht wieder beobachtet; in viel geringerem Grad machte er sich jedoch auch dann noch zuweilen wahrnehmbar, so daß ich mir die Bemerkung erlaubte, das Daguerreotyp könne mit der Zeit noch zu einem meteorologischen Instrument werden.

Queksilberapparat.

Reines flüssiges Queksilber ist jedenfalls dem Amalgam von Soleil vorzuziehen; gegen das Sprizen des Queksilbers schüzt man sich einfach dadurch, daß man einen mit Gas überzogenen Holzrahmen in den Apparat legt und hierauf lokere Baumwolle dekt. Das Queksilber muß man von Zeit zu Zeit mit einer Feder von dem Queksilberhäutchen reinigen, welches sich auf seiner Oberfläche bildet. Auch von Seiten des Queksilberapparats kann in Folge eingesogener Bromdämpfe eine nachtheilige Rükwirkung auf die Platte eintreten, ich habe dieß aber nur einmal bei einem meiner Apparate beobachtet; einige Tropfen flüssigen Ammoniaks und Aussezen des Apparats in die freie Luft half auch hier, wie bei der Camera obscura.

Waschen im unterschwefligsauren Natron.

Das Waschen der Platten im unterschwefligsauren Natron würde mir zu keiner besonderen Bemerkung Veranlassung gegeben haben, wenn es sich nur um solche Bilder handelte, welche nicht mit der Fizeau'schen Goldsolution vergoldet werden sollen; will man aber dem Bilde diese lezte Vollendung geben, so kommt auch auf die eben in Rede stehende Operation viel an. Um bei der Vergoldung ein reines Bild zu erhalten, muß das Natron die empfindliche Schicht in ihrer ganzen Ausdehnung möglichst zu gleicher Zeit und gleichmäßig angreifen; deßhalb rühre oder schüttle man die Natronlösung vor dem Hineinlegen der Platten vorher durch einander, und lasse so viel als möglich die Platten so in die Lösung fallen, daß sie von derselben gleichzeitig ganz bedekt werden; dann schüttle man die Platten in der Lösung hin und her, bis sie sich von der empfindlichen Schicht ganz befreit zeigen. Das Verfahren, die Platten vorher in reines Wasser und dann feucht in das Natron zu legen, |466| ist nicht zu verwerfen, weil alsdann die Natronlösung leichter die empfindliche Schicht gleichmäßig angreift; die Platten mit Spiritus zu benezen, halte ich aber weder für nöthig, noch gerade für vortheilhaft, im Gegentheil habe ich einigemal gerade dadurch Fleken auf die Platte bekommen. Reinigt sich die Platte ungleich, so daß sich auf derselben Fleken zeigen, wo die empfindliche Schicht länger haftet als an anderen Stellen, so ist schon wenig Wahrscheinlichkeit, durch die Vergoldung ein reines Bild zu erhalten, denn jene Fleken treten beim Vergolden in der Regel wieder hervor. Es gelingt zwar zuweilen diese Fleken, sobald sie beim Vergolden hervortreten, noch zu vernichten, indem man die Lampe unter der Platte so führt, wie man einen Pinsel führen würde, um Fleken zu verwaschen, jedoch hilft dieß Mittel nicht immer. Bedient man sich statt des unterschwefligsauren Natrons einer Kochsalzlösung und zugleich einer galvanischen Wirkung, indem man einen Zinkstab langsam auf dem Rand der Platte herumführt und einzelne Stellen der Platte damit berührt, so unterlasse man das Vergolden ganz, denn eben solche Wolkenlinien, wie die Begränzung der empfindlichen Schicht bildet, indem sich dieselbe langsam vom Zinkstab zurükzieht, treten beim Vergolden bleibend auf der Platte hervor, und außerdem wird das Bild noch gewöhnlich grau. Vor dem Aufgießen der Vergoldungsflüssigkeit wasche man jede Platte sorgfältig in destillirtem Wasser, um alles Natron zu entfernen.

Vergoldung.

Die von Fizeau angegebene Methode der Vergoldung gewährt nicht nur den Vortheil das Bild zu fixiren, sondern sie erhöht auch die Schönheit des Bildes bedeutend; es ist aber gerade diese Operation, bei welcher mir viele schöne Bilder verunglükt sind. Die kalte Vergoldung hat die guten Eigenschaften der Fizeau'schen nur im geringen Grade. Dagegen habe ich aber die Nachtheile der lezteren an ihr nicht bemerkt, doch ist es mir vorgekommen, daß Bilder, durch die kalte Vergoldung fixirt, nach längerer Zeit schwarz und flekig geworden waren, obgleich sie anfangs ganz rein und schön erschienen. Die oben erwähnten Fleken schienen zuweilen ihren Grund im Puzen, zuweilen im Jodiren der Platte zu haben, denn sie wiederholten sich nicht immer auf derselben Platte; dagegen gibt es aber Platten, wo die Ursache dieser Fleken in den Platten selbst liegen muß, denn sie wiederholten sich an derselben Stelle mit ziemlich derselben Form, was man auch immer mit der Platte beginnen mochte. Außer diesen Fleken, deren Ursprung ich mit Sicherheit nicht auffinden konnte, zeigen sich zuweilen bei der heißen Vergoldung auch andere von weißgrauer |467| Farbe, deren Ursachen mir nicht zweifelhaft geblieben sind. Diese lezteren Fleken können außer dadurch, daß beim Waschen im unterschwefligsauren Natron die empfindliche Schicht nicht in allen Stellen vollkommen entfernt wurde, noch entstehen:

1) auf einer neuen Platte, in Folge nicht gehörig reinen Puzens derselben;

2) auf einer Platte, welche den Queksilberdämpfen ausgesezt worden war, in Folge davon, daß bei dem Schleifen die Platte nicht stark genug angegriffen und deßhalb nicht alles Queksilber gehörig entfernt wurde;

3) in Folge, daß nach dem Waschen im unterschwefligsauren Natron die Platte nicht von dem Natron gehörig gereinigt wurde;

4) in Folge einer Zersezung der Goldlösung.

Vielleicht gibt es noch andere Ursachen dieser Fleken, mir sind aber keine weiteren vorgekommen. Was die unter 1 bis 3 angegebenen Ursachen der Fleken betrifft, so folgt schon aus dem Vorhergehenden, wie sie vermieden werden können, es soll daher hier nur noch von Nr. 4 die Rede seyn. Zur Verfertigung der Goldauflösung habe ich mich immer französischer Materialien bedient und mich genau an Fizeau's Vorschrift gehalten. Die Goldlösung ist mir immer recht gut gelungen, sie war in der Regel rein und wasserklar; allein sie zeigte sich als eine ziemlich unbeständige Verbindung. Im Anfang wirkte die Lösung recht gut, gewöhnlich zeigten sich aber bald weiße Floken in derselben, und dann entstanden auf den Platten auch weiße Fleken, überhaupt wirkte sie dann schlechter als früher. Man kann eine solche Lösung wieder ganz brauchbar machen, wenn man sie auf ein Filtrum bringt, und dann mehr neue Goldlösung, von 1 Theil Chlorgold auf 500 Theile Wasser zusezt. Wie viel Chlorgold man aber in solchen Fällen zusezen muß, kann ich nicht sicher bestimmen; etwas zu viel Gold hat aber keinen erheblichen Nachtheil, die Bilder erhalten höchstens einen schwachen Goldton, der keineswegs unangenehm ist. Jedenfalls darf man aber nicht so viel Chlorgold zusezen, daß die Flüssigkeit eine bemerkbare Färbung zeigt, wenn man den Goldton vermeiden will. Eine Quantität Goldlösung habe ich auf solche Weise dreimal glüklich verbessert. Mißlingt die Goldlösung bei der ersten Verfertigung, so daß sie sich etwas bräunlich färbt, so kann man sie auf dieselbe Weise verbessern wie die flokig gewordene. Kleine Platten braucht man nach der Vergoldung nicht mit siedendem Wasser zu waschen, sondern man spüle sie nur mit kaltem Wasser rein ab, fasse sie an einer Eke mit einer Zange und erhize sie an der anderen Eke mit einer Spirituslampe, indem man die Platte etwas geneigt hält; sobald das Wasser |468| anfängt sich zurükzuziehen, blase man stark auf die Platte und folge dem Rand des Wassers mit der Lampe nach. Um dieß Verfahren anzuwenden, muß man sich aber zuvor darin üben, sonst thut man besser die Platten mit kochendem Wasser zu waschen.

Mittel die Dike der empfindlichen Schicht zu erhöhen.

Es ist hinreichend bekannt und schon mehrfach besprochen worden, daß alle Bilder, welche man mit Benuzung der im Vorhergehenden erwähnten Mittel erhält, sehr wenig Plastisches haben, und Daguerre schreibt dieß gewiß mit Recht der äußerst geringen Dike der empfindlichen Schicht zu; denn wenn es gelingt diese Dike zu erhöhen, so erhalten auch die Bilder weit mehr Rundung, und zuweilen fast künstlerische Vollendung. Es ist vorgeschlagen worden, die Platten zu diesem Zwek mit ätherischen Oehlen, z.B. Lavendelöhl, Steinöhl etc., zu behandeln, nachdem sie schon gehörig polirt worden sind, und in der That kann man auf diesem Weg zu Bildern gelangen, welche andere ohne dieses Mittel erhaltenen weit übertreffen. Ich habe aber doch bei der Anwendung ätherischer Oehle größere Schwierigkeiten gefunden, als ich erwartete; denn es gelingt nicht immer den Platten durch diese Substanzen einen hinreichend gleichmäßigen Ueberzug zu geben, um ein reines Bild zu erhalten. Am besten gelang mir dieß noch, wenn nach der Auftragung des Oehls und möglichster Abgleichung desselben mit Baumwolle, ich die Platten noch leicht mit Roth, Sammt Nr. 2 und Spiritus, und dann noch mit troknem Sammt Nr. 2 überzog. Doch auch dann verunglükten mir die Bilder mehrfach.

Eine andere Methode zur Erhöhung der Dike der empfindlichen Schicht ist die von Hrn. Daguerre vorgeschlagene (welche im polyt. Journal Bd. XCII S. 284 mitgetheilt worden ist). Ob außerdem noch andere Vorschläge zu diesem Zwek gemacht worden sind, ist mir bis jezt nicht bekannt geworden. Was nun diese Methode anbetrifft, so kann ich aus eigener Erfahrung versichern, daß man durch dieselbe wirklich zu sehr schönen Resultaten gelangen kann; allein obgleich ich dieselbe nur für Achtelplatten in Anwendung gebracht habe, zeigte sich mir doch, daß dieselbe äußerst zeitraubend ist und aus diesem Grund schon allein schwerlich viele Anwendung finden wird. Hierzu kommt aber noch der Umstand, daß diese Methode mehrere Operationen erfordert, welche nur einer sehr geübten Hand hinreichend gelingen können; überhaupt müssen aber bis zur Jodirung acht Operationen mit der Platte vorgenommen werden, und man kann daher fast nie sagen, worin ein mißlungener Versuch seinen Grund hatte. Daguerre sucht in seiner Methode alles zu vereinigen, |469| was nach schon bekannten Erfahrungen die Schönheit des Bildes erhöhen kann, daher

1) die vorläufige Vergoldung der Platte,

2) der Gebrauch des ätherischen Oehls,

3) der Gebrauch verschiedener Metallsolutionen, auf welche Hr. Daguerre selbst schon früher aufmerksam gemacht hatte.

Was Nr. 1 anbetrifft, so bleibt auch hier dasjenige gültig, was über vergoldete Platten schon bei dem Bromiren bemerkt wurde, und in Betreff Nr. 2 müßte ich das wiederholen, was schon oben gesagt ist; es bleibt daher noch Nr. 3 zu betrachten.

Daguerre wendet zur Vorbereitung der Silberplatte noch folgende Metalle an: Queksilber, Gold und Platin, und er bemerkt dabei, daß er sie alle für ganz nothwendig zur Erlangung eines vollkommenen Resultats halte, daß aber die Anwendung derselben abgeändert werden könne. Hiemit bin ich einverstanden; allein ich kann bis jezt nicht die Ansicht theilen, welche Daguerre in einigen Worten anzudeuten scheint, in Betreff der Rolle, welche diese Metalle im photographischen Processe spielen. Ich halte nämlich hier das Gold für das wichtigste Metall nächst dem Silber; das Platin dient um die secundären Färbungen zu vernichten, welche durch das Gold bedingt werden, das Queksilber endlich aber zur Amalgamation. Queksilber vor der Jodirung an die Platten gebracht, muß ich nach mehrfachen unter verschiedenen Umständen gemachten Beobachtungen für den photographischen Prozeß eher nachtheilig als förderlich halten und die Photographie würde vielleicht gewinnen, wenn man ein anderes Mittel fände, welches das Queksilber ersezte. Es kann nun zunächst die vorläufige Vergoldung und das ätherische Oehl bei der Behandlung der Platten wegfallen, und man kann sich zur weiteren Behandlung der Platte der Chloride bedienen. Ich seze immer zuvörderst eine Platte voraus, welche nach der im Eingang angegebenen Weise so behandelt worden ist, daß sie zur Vollendung noch der Behandlung mit Sammt Nr. 2, Spiritus und Roth, und dann noch mit Sammt Nr. 2 bedürfen würde. Ueberschleift man nun eine solche Platte mit einem Gemisch verdünnter wässeriger Lösungen von Queksilberchlorid (Aezsublimat) und Goldchlorid, so kann man den Bildern die verschiedensten Farbenspiele ertheilen, je nachdem man mehr oder weniger Chlorgoldlösung zum Queksilber sezt, und man lernt hiebei fast an die Homöopathie glauben. Auch erhielt ich eine solche Zusammensezung, welche mich fast zu dem Irrthum verleitet hätte zu glauben, daß ich ein Mittel gefunden habe, um die natürlichen Farben der Körper wiederzugeben. In der That erhielt ich |470| Bilder eines Gebäudes, in denen der Himmel schwach blau, die Kuppel des Gebäudes graugrün, die Säulen weiß, die Hinterwände gelb waren. Sämmtliche Farben entsprachen denen der Natur, aber nur das Gelb war eben so stark und ganz der Farbe der Wände entsprechend; das Bild erschien, als wenn es schwach illuminirt wäre. Ich überzeugte mich aber bald, daß wenn auch wirklich die natürlichen Farben der Körper hiebei nicht ganz ohne Einfluß waren, das Wesentliche doch eigentlich in der Stärke des reflectirten Lichts liege, weil mit dieser auch die Farbentinten wechselten, so daß z.B. stärker beschattete weiße Gegenstände sich schwach röthlich oder orange gefärbt zeigten. Durch allmählichen Zusaz einer verdünnten Lösung von Platinchlorid kann man nun diese erwähnten Färbungen tilgen, so daß man zulezt höchstens ein schwaches Kirschroth behält, welches nur in sehr schräger Lage des Auges gegen die Platte bemerkbar ist. Zu viel Platin macht die Bilder grau. Wie gesagt, hat man es hier fast mit homöopathischen Wirkungen zu thun; deßhalb mag wohl auch die Beschaffenheit der Materialien nicht ohne Einfluß seyn, doch habe ich darüber keine directen Erfahrungen. Was meine Materialien anbetrifft, so habe ich bei Anwendung der Chloride folgendes Gemisch für das beste gefunden; man löse

1) 1 Theil Queksilberchlorid (Aezsublimat) in 1400
Theilen Wasser,
2) 1 Theil Chlorgold in 500 Theilen Wasser,
3) 1 Theil Platinchlorid in 4000 Theilen Wasser
dem
Gewicht
nach.

Dieß sind auch die von Hrn. Daguerre gebrauchten Lösungen.

Dann nehme man

von Nr. 1 1 Th.; von Nr. 2 10 Th.; von Nr. 3 4 Th. dem Volumen nach,

und verdünne diese 15 Th. noch mit eben so viel Wasser. Man schüze dieses Gemisch vor starker Einwirkung des Tageslichts, denn es färbt sich darin allmählich schwach violett und wirkt dann nicht mehr so gut. Ungeübte Personen können noch eine stärkere Verdünnung, selbst bis zu 30 Th. Wasser nehmen, man muß dann aber die Platte wenigstens dreimal überschleifen. Die zulezt angegebenen Verhältnisse, welche für meine Materialien die besten waren, können sich mit der Beschaffenheit der Substanzen wohl etwas ändern; es kann aber für jeden Operateur nicht schwer seyn, dieselben mit Rüksicht auf das oben Gesagte für seine Materialien zu modificiren. Das Gemisch muß überhaupt so weit verdünnt werden, daß es die Silberplatten nur kaum bemerkbar angreift; sobald es noch bemerkbar äzt, hat man noch Wasser zuzusezen. Eine Platte, die nun schon so weit geschliffen ist, wie oben angegeben, überschleift man noch |471| zwei- bis dreimal mit Roth, feiner Baumwolle und dem oben erwähnten Gemisch, indem man besonders beim lezten Uebergehen der Platte den Baumwollenballen nur ganz leicht über die Platte führt. Dann übergehe man die Platte noch leicht mit Spiritus, Roth und Sammt Nr. 2, um abzugleichen, und endlich mit troknem weichen Sammt Nr. 2, um alles Roth wegzunehmen, und jodire dann. Die so behandelten Platten werden im Jod leicht blauroth, und dieß scheint auch für sie die beste Farbe zu seyn; den Dämpfen des Bromwassers müssen sie etwas länger ausgesezt werden als gewöhnliche Platten, schon der dikeren Jodschicht wegen. Die Behandlung mit Chloriden macht die Platten sehr empfindlich, man erhält darauf hübsche Ansichten und Porträts; auch kann ich mich über die Unsicherheit der Resultate eben nicht sehr beklagen. Die wahre Vollendung erhalten die Bilder aber immer erst durch die Fizeau'sche Vergoldung.

Noch weit schönere Bilder gewährt aber die folgende Methode. Man vollende die Vorbereitung der Platte ganz wie sie im Eingang angegeben ist, dann bereite man sich folgende Gemische:

1 Vol. gesättigter Lösung von Queksilbercyanid in destillirtem Wasser,

2 Vol. Wasser;

ferner:

2 Vol. bis 2 1/2 Vol. von einer guten klaren Lösung von Chlorgold und unterschwefligsaurem Natron, wie man sie nach Fizeau zum Vergolden gebraucht;

hiezu seze man:

2 Vol. bis 2 1/2 Vol. von der oben erwähnten Lösung von Platinchlorid in Wasser, unter starkem Umrühren.

Dieses leztere Gemisch seze man nun unter Umrühren zu dem verdünnten Cyanid. Hat man die Proportionen richtig getroffen, so muß das Gemisch klar bleiben, und es muß wenigstens einige Tage stehen können, ohne daß sich ein grauer Niederschlag bildet, wenn es nicht zu stark dem Tageslicht ausgesezt wird. Ich habe mir dieses Gemisch immer nur in kleinen Quantitäten bereitet, mit Hülfe eines Maaßröhrchens von 3 Millim. Durchmesser, in welches man die Flüssigkeit mit dem Munde einsaugt. Man reinige aber ein solches Röhrchen jederzeit mit destillirtem Wasser, bevor man eine andere Substanz damit abmißt. Man nehme jezt die fertig polirte Platte, übergehe sie mit Roth, einem Bällchen feiner Baumwolle und der angegebenen Flüssigkeit recht gleichmäßig, und bevor die Platte troken wird, nehme man mit einem zweiten Bällchen das Roth weg, dann beginne man wieder aufs neue mit dem ersten |472| Bällchen und ende mit dem zweiten, endlich nochmals mit dem ersten und dann mit dem zweiten. Weiter gehe man aber nicht; man kann schon mit zweimal aufhören, dann hat das Bild aber weniger Relief. Die Baumwollbällchen bewahre man; gebrauchte sind besser als neue und man kann sie lange benuzen. Man muß diese Operation mit recht leichter Hand machen, ohne auf die Platte zu drüken, und sich bemühen die Flüssigkeit gleichmäßig an der Platte anhaften zu machen. Die Oberfläche der lezteren bekommt ein mattes Ansehen und wird sehr weich; sie muß nun noch abgeglichen werden. Hiezu bedient man sich wieder des Roth, Spiritus und Sammt Nr. 2, und dann des troknen Sammts Nr. 2; hüte sich aber ja auf die Platte zu drüken, um nicht Risse in die weiche Masse zu machen, die dann erst bei der Vollendung des Bildes bemerkbar werden. Ich bin zwar immer recht gut mit Baumwollensammt fertig geworden; solchen Personen aber, die keine leichte Hand haben, möchte ich doch wohl lieber rathen, sehr weichen Seidensammt oder vielmehr noch besser sorgfältig gereinigtes weißes Leder anzuwenden. Ohne Anwendung des Roth gelingt die Amalgamation der Platte schwieriger, sonst wäre es besser diese Substanz wegzulassen; vielleicht findet sich mit der Zeit statt dessen eine andere, welche zugleich photographische Eigenschaften besizt, wodurch die Wirkung noch erhöht werden kann.

Die amalgamirte Platte jodirt man roth; man braucht sie aber keineswegs zu verwerfen, wenn sie schon einen blaurothen Schein bekommen hat. Bedient man sich der Lösung von Bromjod in Schwefeläther, wodurch man die schönsten Bilder erhält, so bleibt dasjenige gültig, was oben bei dem Bromiren bemerkt wurde, auch in Bezug auf früher vergoldete Platten.

Die nach lezter Weise mit Cyanid behandelten Platten sind etwas weniger empfindlich, als die mit Chloriden geschliffenen; doch habe ich bei geeigneter Bromirung, mit Anwendung des troknen Bromjod, selbst an den trübsten Herbsttagen, in 15 Secunden sehr schöne Bilder auf ihnen erhalten. Nach dem Aussehen der Bilder im Queksilberkasten würde man wenig von ihnen erwarten; man lasse sich aber dadurch nicht täuschen, das Bild liegt hier offenbar unterhalb der Oberfläche des Jod in der Tiefe des Amalgams und erscheint daher verschleiert; erst durch das Waschen im Natron wird das Bild klar. Aber auch dann noch wird es eben nicht scheinen, als gewähre diese Methode einen erheblichen Vortheil, denn dieser zeigt sich erst bei der Vergoldung; hier geht ein gelungenes Bild mit einer Schönheit hervor, wie ich es auf keine andere Weise erhalten habe; denn es zeigt sich massenhaft, fast wie auf klarer Dekfarbe |473| aufgetragen. Mißlungen sind mir bis jezt nach diesem Verfahren Bilder nur dadurch, daß ich sie zu lange in der Camera obscura ließ; dann scheint es als wenn das Amalgam an den Stellen wo das Licht sehr stark wirkte, sich förmlich verflüchtigt hätte. Ich habe versucht bei diesem Verfahren noch ätherisches Oehl in Anwendung zu bringen, aber es glükten mir damit nur wenige Bilder, von denen ich nicht sagen kann, daß sie sich vor den anderen besonders ausgezeichnet hätten. Meine schönsten Bilder habe ich immer vorzugsweise bei bedektem Himmel erhalten. Auf größere als Viertelplatten habe ich die beiden zulezt angegebenen Verfahren nicht angewendet.

Die Photographen sind nicht einig darüber, ob die Feuchtigkeit der Luft nachtheilig oder vortheilhaft für den photographischen Proceß sey; meinen Erfahrungen nach glaube ich hierüber Folgendes sagen zu können:

  • 1) Eine möglichst trokene empfindliche Schicht auf der Platte gibt reinere und schönere Bilder als eine solche, die etwas Feuchtigkeit enthält.
  • 2) Wasserdünste in der Luft, so lange sich dieselben nicht auf der Platte condensiren, bevor die gewünschte Lichtwirkung stattgefunden hat, sind dem photographischen Proceß im Allgemeinen nicht nachtheilig; ich würde mich sogar eher zu der Meinung neigen, eine feuchte Luft und kühle Witterung für vortheilhaft zu halten, als zu der entgegengesezten.
  • 3) Selbst starke Condensation von Wasserdünsten aus der Luft auf die Platten, wenn dieselbe schon aus der Camera obscura genommen, aber noch nicht den Queksilberdämpfen ausgesezt waren, schadet wenigstens dem Bilde nicht bemerkbar. Einer meiner Bekannten erhielt unter solchen Umständen sogar einige Bilder, die sich ohne Vergoldung so stark fixirt zeigten, daß sie nur durch starkes Abschleifen mit Oehl vernichtet werden konnten; was hier der Zufall gethan hatte, ist mir künstlich nachzuahmen noch nicht gelungen.

Zum Schluß bemerke ich noch, daß der Versuch, die Mondbahn zu daguerreotypiren, mir mit der größten Leichtigkeit gelungen ist, sowohl mit Anwendung des Doppelobjectivs, als auch mit gewöhnlichen einfachen Objectiven. Ich habe diesen Versuch sowohl bei Vollmond, als in den Vierteln wiederholt, und stets Platten angewendet, die mit Bromwasser behandelt waren. Die mit dem Doppelobjectiv erhaltenen Bilder hatten genau die Breite des Mondbildes auf der Glastafel und scharf begränzte Ränder; in den Vierteln hatte der Anfang und das Ende des Streifens eine den entsprechenden |474| Mondrändern ganz entsprechende Form, woraus folgt, daß das Mondlicht fast momentan auf die photographische Schicht wirkte. Bei der Anwendung des Doppelobjectivs zeigt sich im Bilde der Mondbahn jederzeit deutlich ein den Rändern paralleler dunkler Streifen, welcher, so viel die Kleinheit des Bildes, was nur 2 Millimet. Breite hatte, eine genaue Messung zuließ, der Mondzone zwischen 6° S. und 20° N. Breite entsprach; diese Zone ist die am schwächsten photographisch wirkende der Mondoberfläche. Es wäre interessant diese Versuche mit großen Objectiven zu wiederholen, deren sphärische Aberration möglichst corrigirt ist. Mein größtes einfaches Objectiv, welches ich zu diesen Versuchen benuzen konnte, gab zwar für die Mondbahn einen Streifen von 5 Millimet. Breite, und der dunkle Streifen war hierin unzweifelhaft zu erkennen; allein wegen der großen sphärischen Aberration des Glases war das Bild zu unbestimmt begränzt, um eine genauere Messung als die oben angegebene zuzulassen. Begünstigt von einem reinen Himmel, habe ich die totale Mondfinsterniß am 20. Mai/1. Jun. 1844 daguerreotypirt von ihrem Anfang bis zum Eintritt der totalen Verfinsterung; das Bild der Mondbahn gleicht hier einem wenig gekrümmten Elephantenzahn; der dunkle Streifen ist auch hier sichtbar, und man sieht nicht nur deutlich wie die Breite des Mondes allmählich abgenommen hat, sondern auf dem ganzen Bilde macht sich auch eine allmähliche Schwächung der Lichtwirkung deutlich bemerkbar, so daß endlich die sehr wenig stumpfe Spize nur noch schwer zu erkennen ist. Der trübe Himmel verhinderte mich denselben Versuch bei der totalen Mondfinsterniß am 13./25. November desselben Jahres zu wiederholen.

Nachtrag.

Nachdem der vorstehende Aufsaz schon abgeschlossen war, sind mir noch die Bemerkungen von Valicourt und von Fortin über Bromjodid und Bromjodür im polytechn. Journal 1stes Augustheft 1844 zu Gesicht gekommen. Diese beiden Bemerkungen kommen im Ganzen auf dasselbe hinaus, was oben von mir über die erwähnten Substanzen gesagt wurde. Aus allem geht hervor, daß, um das Maximum der Empfindlichkeit zu erhalten, wenn man mit Brom und Jod operirt, abgesehen von der Bedingung der Reinheit der Silberfläche, man folgende Bedingungen zu erfüllen hat:

  • 1) daß auf der Platte mit einer bestimmten Quantität Jod eine bestimmte Menge Brom verbunden sey,
  • |475| 2) daß diese beiden Substanzen in der ganzen Dike der empfindlichen Schicht möglichst gleichmäßig verbunden seyen.

Was die erste Bedingung anbetrifft, so kann man derselben durch alleinige Anwendung einer der beiden chemischen Verbindungen des Jods und Broms nicht genügen, denn Bromjod im Minimum enthält zu wenig Brom für den photographischen Proceß, und Bromjod im Maximum zu viel. Den lezten Fehler kann man durch vorläufiges Jodiren verbessern; den ersten aber durch Bromiren, wo dann das Aussezen der Platten den Dämpfen des Bromjods die Stelle des Jodirens nach der Methode Fizeau's vertritt. Dem Bromschleier sezt man sich in beiden Fällen eben so gut aus, als bei der Methode Fizeau's; deßhalb würde ich bloßen Praktikern immer rathen, lieber von der Forderung einer großen Schnelligkeit der Wirkung etwas nachzugeben, und sich des Bromjods im Minimum zu bedienen, welches, wenn man erst im Gebrauch dieser Substanz gehörig geübt ist, die sichersten und schönsten Resultate gibt; will man aber mit lezterer Substanz die größte Empfindlichkeit erreichen, so ist es gut, die Platten erst bis zum starken Gelb den Dämpfen des Bromjods und dann einige Secunden den Dämpfen des Bromwassers auszusezen, hierauf aber dieselben wieder bis zum Roth über dem Bromjod zu lassen. Beide Verbindungen des Broms und Jods haben meinen Erfahrungen nach die Eigenthümlichkeit, daß das Brom aus ihnen verhältnißmäßig schneller verdunstet als das Jod; Bromjod im Minimum ist beständiger als die andere Verbindung; bereitet man aber die leztere auf die von mir angegebene Weise, so wird durch den Ueberschuß von Brom im Fläschchen der Verlust compensirt.

Was die Bedingung Nr. 2 anbetrifft, so erfüllt sie sich bei einfacher Anwendung des trokenen Bromjods von selbst, und mit dem Bromwasser erfüllt man sie durch die oben angegebene doppelte Bromirung. Im Allgemeinen hat man, um diese Bedingung zu erfüllen, abwechselnd die Platten dem Jod, oder dem dasselbe vertretenden Mittel und der beschleunigenden Substanz auszusezen, und diesen Wechsel um so öfter eintreten zu lassen, je diker die empfindliche Schicht werden soll; jedoch dürfte ein zweimaliger Wechsel hinreichend seyn.

Kasan, im December 1844.

|457|

Um die ersten Versuche zu erleichtern, bemerke ich, daß die Zeitdauer der Bromirung beiläufig im umgekehrt quadratischen Verhältnisse der Stärke der Bromlösung steht, so daß bei einer doppelt so starken Lösung man nur 1/4 der früheren Zeit braucht.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: