Titel: Ueber Glasäzkunst.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 96, Nr. XV./Miszelle 7 (S. 82–83)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj096/mi096015_7

Ueber Glasäzkunst.

Hr. Professor Böttger in Frankfurt a. M. hat das Publicum auf die von ihm, gemeinschaftlich mit Hrn. Dr. Bromeis gemachte Erfindung der Hyalographie oder der Kunst mittelst einer Flüssigkeit in Glas zu äzen, und die in Glas geäzten Zeichnungen durch den Druk zu vervielfältigen, durch eine gedrukte Annonce (polytechnisches Journal Bd. XCII S. 237 und Bd. XCIII S. 238) aufmerksam gemacht, und eben so bei der Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Bremen, in der Section für Chemie und Physik davon gesprochen. Das Nähere über das Verfahren hat derselbe nirgend angegeben, weil er ein Patent darauf zu erhalten wünscht. Hr. Dr. Prestl in Emden hat sich seit längerer Zeit mit demselben Gegenstand beschäftigt, und dieselben Resultate erhalten, worauf die obengenannten HHrn. in ihrer Annonce hinweisen. Ob sein gleich näher anzugebendes Verfahren mit jenem übereinstimmt, kann erst dann entschieden werden, wenn auch lezteres bekannt seyn wird. Hr. Dr. Prestl behandelt die Platten auf folgende Weise.

Die Glasplatte wild, nachdem sie mittelst kohlensaurem Kali oder Potasche gereinigt ist, mit dem Aezgrunde der Kupferstecher überzogen, und in diesen die Zeichnung radirt. Um leztere in das Glas einzuäzen nimmt man einen Theil sehr fein pulverisirten reinen Flußspath, welcher mit zwei Theilen diluirter Schwefelsäure gemischt wird. Um leztere von gehöriger Beschaffenheit zu bekommen, sezt man zwei Theilen der Nordhäuser Schwefelsäure einen Theil Wasser zu. Diese Mischung bringt man, nachdem sie wieder erkaltet ist, in einen Tiegel von Blei mit dem Flußspath zusammen. Mit der kalten Flüssigkeit, welche |83| man so erhalten hat, bedekt man die mit einem Rande von Klebwachs umgebene Glasplatte so, daß alle radirten Stellen von derselben gedekt sind. In diesem Zustand läßt man sie, je nachdem man die Zeichnung stärker oder schwächer einäzen will, kürzere oder längere Zeit stehen. Die Platte zeigt, nachdem sie wieder gereinigt ist, das darauf radirte Bild in jedem Fall höchst scharf und deutlich. Sollen bei Zeichnungen die verschiedenen Partien ungleich stark geäzt werden, so dekt man die Stellen, welche schwächer geäzt werden sollen, früher. Um sich darüber Gewißheit zu verschaffen, wie stark die Flüssigkeit in einer gegebenen Zeit das Glas angreift, macht man sich auf folgende Weise eine Scale. Auf einem mit dem Aezgrunde überzogenen Glasstreifen zieht man mittelst eines Lineals und der Radirnadel mehrere parallele Linien, umgibt den Glasstreifen mit einem Wachsrande, und theilt ihn dann noch ebenfalls durch Wachsstreifen in mehrere quadratische Felder. In diese bringt man die Aezflüssigkeit, und läßt sie im ersten Felde eine halbe Stunde, im zweiten eine Stunde u.s.f. stehen. Nachdem der Streifen gereinigt ist, hat man die Wirkung vor Augen. (Mittheilungen des Gewerbevereins für Hannover 1844, 23te Lieferung.)

Im Wesentlichen dasselbe Verfahren empfahl kürzlich ein französischer Apotheker (polytechnisches Journal Bd. XCI. S. 238), um in den Laboratorien auf Gläser Buchstaben, Striche etc. zu graviren. D. Red. d. p. J.

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