Titel: Ueber den Handel mit Eis.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 96, Nr. XXXV./Miszelle 10 (S. 176)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj096/mi096035_10

Ueber den Handel mit Eis.

Das Eis ist zum Abkühlen von Getränken, zum Conserviren vieler Eßwaaren, welche in der Wärme verderben und als Heilmittel in Krankheiten ein unentbehrlicher Artikel geworden. In Paris allein werden zu diesen Zweken jährlich 12–15 Millionen Kilogramme davon verbraucht; außer den Eiskellern bei den Limonadenschenken etc. gibt es noch große Magazine, worunter die Eisgrube Saint-Ouen in der Ebene Saint-Denis das beträchtlichste ist; dieselbe besteht aus einem Brunnen von 10 Meter Tiefe und 33 Meter Durchmesser und liefert Paris jährlich 6 Mill. Kilogr. Eis für 15–20 Centimes das Kilogramm. Während der strengen Wintermonate wird im Canal Saint-Martin etc. der Fang von Eisblöken mittelst langer Haken thätig betrieben. In gelinden Wintern ist man genöthigt es künstlich zu erzeugen, und es wurde hiezu eine Anstalt in Saint-Ouen errichtet; das Wasser wird nämlich mittelst Pumpen auf den First eines gezimmerten Gestells geschafft und fließt über dessen Stufen sehr zertheilt und langsam in große vom Boden isolirte Behälter herab, worin es vollends gefriert; wenn die Temperatur der Luft nur einige Grade über Null beträgt, lassen sich auf diese Art beträchtliche Massen Eis erzeugen. Man hat auch versucht durch Zusaz von Salpeter oder bloß Kochsalz das Wasser leichter zum Gefrieren zu bringen. In Wintern, wo das Eis gänzlich fehlte, haben Kaufleute zu Havre es auf Schiffen aus Norwegen hergeschafft.

Die Nordamerikaner betreiben seit einiger Zeit den Eishandel mit großem Vortheil, indem sie das Eis als Schiffsballast benuzen; zu diesem Behuf werden die Eisblöke ganz regelmäßig zugehauen, sorgfältig aneinandergereiht und übereinandergeschichtet, endlich mit einer Hülle von Sägemehl, Stroh und Kohlenstaub umgeben. Auf diese Weise transportiren die Nordamerikaner das Eis in das südliche Amerika, die Antillen etc., wo sie es zu hohem Preise verkaufen. (Moniteur industriel, 1845, Nr. 902.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: