Titel: Ueber ein Doppelsalz von kohlensaurem Kali und Natron, welches sich in den Mutterlaugen der Blutlaugensalz-Fabriken etc. bildet.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 96, Nr. XXXV./Miszelle 6 (S. 174)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj096/mi096035_6

Ueber ein Doppelsalz von kohlensaurem Kali und Natron, welches sich in den Mutterlaugen der Blutlaugensalz-Fabriken etc. bildet.

Ein solches Doppelsalz, worüber Marguerite der französischen Akademie der Wissenschaften berichtete, war ihm aus einer Fabrik zugekommen, welche Blutlaugensalz nach der gewöhnlichen Methode (durch Schmelzen thierischer Stoffe mit käuflicher Potasche) bereitet und es bei wiederholtem Abdampfen und Krystallisiren der Mutterlauge erhalten hatte.

Man hätte diese Verbindung ohne gründliche Untersuchung für Kali-Bicarbonat halten können; denn die Reagentien zeigten darin Kali an, sie brauste mit Säuren auf, die Krystalle waren deutlich und nicht zerfließlich. Als man sie aber anfing zu erhizen, zerfloß sie in ihrem Krystallwasser, was bei dem Kali-Bicarbonat nicht der Fall ist.

Die Auflösung dieses Salzes gab mit den Bittererde- und Kalksalzen einen reichlichen Niederschlag, ohne damit in der Kälte oder in der Wärme im Geringsten Kohlensäure zu entwikeln, was beweist, daß es kein Bicarbonat ist. Antimonsaures Kali (das Reagens auf Natron) erzeugt darin einen reichlichen Niederschlag und mit Schwefelsäure liefert sie viel Glaubersalz. Außer der Kohlensäure enthielt das Salz weder Schwefelsäure, noch Salzsäure etc.

Um nun zu ermitteln, in welchem Verhältniß das kohlensaure Kali und Natron in dem Doppelsalz verbunden sind, wandte Marguerite die Prüfungsmethoden von Gay-Lussac – nämlich die Analyse mittelst Erniedrigung der Temperatur und des Alkalimeters (polytechn. Journal Bd. XXXII S. 190) an. Bei genauer Beobachtung der (a. a. O.) vorgeschriebenen Vorsichtsmaaßregeln erzeugten 50 Gramme des in Chlorid verwandelten und ausgetrokneten Salzes beim Auflösen in 200 Grammen Wasser eine Temperatur-Erniedrigung von

I. 5°,75 entsprechend 40,5 Chlorkalium und 59,5 Chlornatrium;
II. 5° 60 – 38,9 – 61,1 –

Ein Gemenge von 2 Aequivalenten Chlornatrium und 1 Chlorkalium hätte unter denselben Umständen 38,8 Proc. Chlorkalium ergeben.

Die Alkalimetrie bestätigte diese Zusammensezung: denn 4,807 Gr. dieses Salzes erforderten zur Neutralisation stets 80 bis 81 1/2 Kubikcentimeter Probeflüssigkeit (Schwefelsäure).

Das wasserfreie Salz enthält also 2 Aequivalent kohlensaures Natron und 1 Aequivalent kohlensaures Kali; sein Wassergehalt, welcher sich durch bloßes Ausglühen bestimmen läßt, beträgt 48 Proc. oder 18 Aequivalente.

Wenn man ganz sicher seyn will, dieses Salz nicht zu zerstören, muß man es in einer Flüssigkeit auflösen, welche kohlensaures Kali enthält, woraus es unverändert wieder krystallisirt; löst man es aber in reinem Wasser auf, so liefert es schon bei der zweiten Krystallisation bloß noch kohlensaures Natron. Man kann es direct bereiten durch Auflösen von kohlensaurem Natron in einem Ueberschuß von kohlensaurem Kali.

Dieses Salz muß sich in sehr vielen Fällen erzeugen, wo kohlensaures Kali mit kohlensaurem Natron vermengt vorkommt. (Comptes rendus, März 1845, No. 11.)

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