Titel: Preisaufgaben des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 96, Nr. LX./Miszelle 1 (S. 244–250)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj096/mi096060_1

Preisaufgaben des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen.

Allgemeine Vorbemerkungen. – Die zu Anfang eines Jahres gegebenen Preisaufgaben sind innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren zu lösen. Drei Monate vor dem Ablauf des Termins müssen die Bewerbungen eingesendet seyn. Verlängerung des Termins findet nur dann statt, wenn sie öffentlich bekannt gemacht wird. Es steht den Preisbewerbern frei ihre Namen zu nennen, oder statt dessen die Abhandlungen mit einem Motto zu versehen, und ihre Namen versiegelt in einem Couvert beizufügen, welches dasselbe Motto trägt. Das Couvert wird nur dann geöffnet, wenn das Motto den Preis gewinnt. Preisbewerber, welche den Preis nicht gewinnen, erhalten Beschreibungen, Zeichnungen und Modelle zurük, wenn sie gestatten das Couvert zu öffnen, und wenn ihre Namen mit dem versiegelten Motto übereinstimmen.

Die Bedingungen, welche der Bewerbende zu erfüllen hat, sind nach den §§. 27, 28 und 29 des Statuts des Vereins, vom 24. Nov. 1820, folgende:

§. 27. Wer sich um einen von dem Verein ausgesezten Preis bewirbt, oder auf eine der Gesellschaft gemachte Mittheilung den Anspruch auf Belohnung gründet, ist verpflichtet, den Gegenstand genau und vollständig zu beschreiben, und ihn, wo es seine Natur zuläßt, in einer vollständigen und correcten Zeichnung, im Modell, oder völliger Ausführung, vorzulegen.

§. 28. Die Gesellschaft ist befugt, wenn sie es nöthig erachtet, das Urtheil eines Sachverständigen, der nicht Mitglied des Vereins ist, über die Preisfähigkeit eines Gegenstandes einzuholen.

§. 29. Die Beschreibung, die Zeichnung der Werkzeuge, oder das Modell, worauf ein Preis ertheilt worden, bleiben Eigenthum der Gesellschaft, und sie hat das Recht, den Gegenstand öffentlich bekannt zu machen. Gegenstände, auf welche der Staat Patente ertheilt hat, sind nur dann belohnungsfähig, wenn sich der Bewerber mit dem Verein über die Beschränkung seines Patentrechts geeinigt hat.

Die Preise des Vereins bestehen theils in goldenen, theils in silbernen Denkmünzen, von denen erstere einen Werth von 100 Thalern, leztere von ungefähr 20 Thalern besizen. Um aber unbemittelten Concurrenten einigen Ersaz für verwendete Auslagen zu gewahren, so werden, auf Verlangen, statt der erstern |245| 100 Rthlr. und statt der leztern 50 Rthlr. gezahlt, und ein Exemplar der in Erz ausgeprägten Denkmünze beigefügt.

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Der Termin zur Lösung folgender dreizehn früher gegebenen Preisaufgaben ist bis Ende December 1845 verlängert. – Der für die neunte ausgesezte Preis ist auf 500 Thaler erhöht worden.

Erste Preisaufgabe,
betreffend die Erzeugung eines schönen Weiß auf gelbem Seidenbast.

„Die goldene Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Vier Hundert Thaler, für die Erfindung einer schönen, rein weißen Farbe auf gelbem Bast, welche nichts den Faden Zerstörendes bei sich führt und weder im verschlossenen Raum, noch wenn sie der Luft ausgesezt wird, binnen Jahresfrist etwas von ihrer ursprünglichen Schönheit verliert. Das Weißmachen der Seide muß mit den anzugebenden Mitteln in jeder Färberei anzustellen seyn; die Farbe muß die bei der Appretur und dem Pressen erforderliche Wärme ohne Nachtheil vertragen, und endlich den jezigen Preis des Weißmachens höchstens um 33 1/3 Proc., oder von 15 Sgr. auf 20 Sgr. für das Pfund erhöhen, um die Concurrenz mit dem Ausland zu sichern.“

Es wird hierunter nicht das sogenannte Bleichen des gelben Bastes zu den helleren demicuit-Farben verstanden, sondern die Darstellung eines schönen Weiß auf abgekochter gelber Seide verlangt.

Zweite Preisaufgabe,
betreffend eine rothe Farbe auf Baumwolle.

Die silberne Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Ein Tausend Thaler, für die Erfindung einer, mit den anzugebenden Mitteln in jeder Färberei darzustellenden, Farbe auf Baumwolle in allen Schattirungen des Karmoisin bis zum Amaranthroth, welche ohne Nachtheil für die Haltbarkeit des Fadens dem Türkisch- oder Krapproth an Aechtheit gleich kommt, also Luft und Seifenwäsche aushält, ohne an Schönheit zu verlieren und ohne jenes im Preis zu übersteigen.“

Dritte Preisaufgabe,
betreffend eine Glasur auf gebranntem Thon.

Die goldene Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Drei Hundert Thaler, für die Ermittlung einer Glasur auf gebranntem Thon, welche bei der Anwendung auf Bildhauerarbeiten von den Höhen nicht abfließt, sondern eine möglichst gleichförmige Bedekung der gegebenen Formen bildet und nicht rissig wird. Die zu entdekende Glasur muß fähig seyn mehrere Farbennüancen anzunehmen, um dadurch colorirte Bildhauerwerke hervorbringen zu können. – Die Probestüke müssen zwei Jahre hindurch dem Wetter widerstehen.“

Die einzureichenden Proben müssen Sculpturstüke seyn, von einem bis drei Fuß Höhe, verhältnißmäßiger Breite, von feiner und großartiger Arbeit, um den Beweis zu liefern, daß auch feinere Nüancen der Erhabenheit in der Sculptur, eben so wie gröbere, durch das Auftragen der Glasur nicht verloren haben. – Die einzusendenden Gegenstände sind nicht auf runde Bildhauerwerke beschränkt, sondern können auch in Reliefs bestehen.

„Gelingt es dem Erfinder, statt eines Ueberzugs oder einer Glasur, dieselbe Aufgabe durch Färbung des Thons in der Masse vermöge einer Beimischung zu lösen, und den Kunstwerken dadurch ihre ursprüngliche Schärfe zu erhalten, so wird der Preis auf Fünfhundert Thaler erhöht.“

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Vierte Preisaufgabe,
betreffend das Auftreiben der Gläser bei der Fabrication des Hohlglases.

Die silberne Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Drei Hundert Thaler, für die Mittheilung einer Methode, durch welche das sogenannte Auftreiben der Gläser bei der Verfertigung des Hohlglases mit Ersparung an Zeit und mit mehr Genauigkeit geschieht.“

„Kann ein Bewerber nachweisen, daß er fünf Jahre lang eine solche Methode des Auftreibens der Gläser bei einem jährlichen Umsaz von 1000 Thalern befolgt hat, so soll ihm ein Zuschuß von Fünf Hundert Thalern bewilligt werden.“

Das Auftreiben der Gläser bedeutet bei der Fabrication des weißen Hohlglases im eigentlichen Sinne des Worts das Fertigmachen, auch versteht man unter diesem Ausdruk die freie Handarbeit. Dieses Auftreiben ist sehr wichtig, bei der Stuhlarbeit die Hauptsache, erfordert ungemein große Uebung, und bezeichnet auch genau die größere oder geringere Geschiklichkeit des Glasmachers. Jedem Glasfabrikanten, und besonders jedem Glasmacher, ist es aber bekannt, daß das Auftreiben seine großen Schwierigkeiten hat, daß es überhaupt mit vielem Zeitverlust verknüpft ist; daß dieser Zeitverlust bei der Bedingung gleicher Weite, gleicher Höhe und gleicher Form größer, und dann sehr bedeutend wird, wenn die Ausführung ganz genau werden muß.

Die bekannten Meßinstrumente sind unvollkommen und unsicher, und bei der Arbeit, wegen der großen Wärme des Glases, wenig anzuwenden. Das Augenmaaß des Glasmachers muß daher auf eine fast übertriebene Weise in Anspruch genommen werden; dennoch bleibt viel zu wünschen übrig und, soll die Arbeit schnell von statten gehen, so leidet die Genauigkeit in Rüksicht auf gleiche Höhe, Weite und Form allemal. Es bleibt zu wünschen, daß eine bessere Art des Fertigmachens, als die des uralten Auftreibens, und zwar eine solche erdacht und festgestellt werden möge, welche Zeitersparung und Genauigkeit in sich schließt.

Eine bessere Art des Fertigmachens würde günstig erreicht seyn, wenn das Glas nicht wie bisher nach alter Art aufgetrieben, sondern gleich in Formen ganz aufgeblasen, dann aber noch heiß, das heißt noch an der Pfeife sizend, gerade an der Stelle abgesprengt werden könnte, welche die jedesmalige Höhe des Glases erfordert. Ein solches Absprengen würde das heiße Absprengen auf dem beliebigen Punkt heißen. Wäre dann ein solches Verfahren ermittelt, so würde das Glas in der für jeden Gegenstand nöthigen Form erst ganz ausgeblasen, und dann noch an der Pfeife sizend auf dem erforderlichen Höhepunkt abgesprengt, alsdann aber, wie sonst in allen Fällen, sofort am Nabel- oder Hefteisen angeheftet, und an diesem sizend so lange eingewärmt, bis der obere Rand des Glases, wie beim Auftreiben gehörig verschmolzen oder verbraten wäre. Es würde dann auf diese Weise das Glas nicht nur ungleich schneller fertig, sondern auch für die Genauigkeit der Ausführung aufs beste gesorgt werden, weil einerseits alle Gläser in einer Form ausgeblasen, auch alle gleich werden, und andererseits sich ein Glas in der Form weit schneller ausblasen läßt, als es durch das Auftreiben und die Bearbeitung aus freier Hand, selbst bei der größten Geschiklichkeit fertig gemacht werden kann. Es ist klar, daß die Bearbeitung des Glases mittelst des völligen Aufblasens in der Form und des Absprengens an der Pfeife an dem beliebigen Punkt am schnellsten und besten mit Bezug auf Zeit und Genauigkeit zum Ziel führen würde.

Es kommt also darauf an: daß jedes Glas nicht wie sonst bei der sogenannten Abschneidestelle dicht am Ende der Pfeife, sondern dann, wenn es noch in der Bearbeitung begriffen ist und folglich noch heiß an der Pfeife sizt, mit ganz sicherem Erfolg auf jedem beliebigen Punkt, eben so schnell als sonst bei der Abschneidestelle geschehen ist, abgesprengt und dann wie gewöhnlich am Hefteisen angeheftet und verschmolzen wird. Es ist unerläßliche Bedingung, daß dieses heiße Absprengen auf dem beliebigen Punkt auf Gegenstände von 5 bis 6 Zoll Weite, die Form derselben sey welche sie wolle, mit Sicherheit angewendet werden kann.

Das kalte Absprengen von solchen Gegenständen, die in Formen geblasen und nach bekannter Art abgekühlt werden, ist hier, da dieß eine bekannte Sache, nicht gemeint.

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Fünfte Preisaufgabe,
betreffend die Anlage einer Seidenmoulinage.

Die silberne Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Fünf Hundert Thaler demjenigen, welcher nachweist in den Jahren 1844 und 1845, und zwar in einem jeden derselben wenigstens Sechs Hundert Pfund Landseide eben so gut und zu einem Preise, der nicht mehr als um 1/4 höher ist als in Italien, moulinirt zu haben.“

Sechste Preisaufgabe,
betreffend die Förderung von weißem Marmor im schlesischen Gebirge.

Die silberne Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Fünf Hundert Thaler Demjenigen, welcher einen Bruch von weißem Marmor, an Korn und Brauchbarkeit dem cararischen Statuenmarmor ähnlich, auffindet und dessen Ausbeute dahin fördert, daß eine Anzahl kleiner Blöke von 3–7 Kubikfuß Größe, zu Büsten und andern kleinen Gegenständen anwendbar, sich in Berlin in einer Niederlage zur Auswahl vorfindet. – Der Verkaufspreis in Berlin darf 5–6 Thaler für den Kubikfuß nicht übersteigen.“

Siebente Preisaufgabe,
betreffend die Vergoldung der Seide.

Die goldene Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Ein Tausend Thaler, für die Erfindung und Mittheilung eines Verfahrens, gesponnene Seide auf chemischem, nicht auf mechanischem Wege durch Aufkleben von Gold, so zu vergolden, daß der Faden dadurch nicht zerstörend angegriffen wird, die Vergoldung festsizt und die mit Gold überzogene Seide, statt der mit Goldlahn (geplätteten Golddraht) übersponnenen, sich zu Zeugen verweben läßt.“

Achte Preisaufgabe,
betreffend eine Vorrichtung, das Umherstreuen glühender Schlaken und Funken seitens der Dampfwagen zu verhüten.

„Es ist Sache des Erfinders, sich die Gelegenheit zum Anbringen seiner Vor- und Einrichtung an einem Dampfwagen zu verschaffen, welcher in nicht zu großer Entfernung von Berlin im Gang ist, um den Erfolg prüfen lassen zu können.“

Seitdem die Dampfwagen auf den Eisenbahnen mit einer sehr bedeutenden Geschwindigkeit angewendet werden, hat man zur Vergrößerung der Wirksamkeit dieser Maschinen darauf Bedacht nehmen müssen, die Dampferzeugung und zu diesem Zwek wiederum die Verbrennung des Feuermaterials zu befördern. Da nun leztere am sichersten durch Verstärkung des Luftzugs erreicht ward, der auf dem kürzesten Weg entstand, wenn man den Rost von unten ganz frei ließ, um den Zutritt der Luft zu den Brennmaterialien zu erleichtern, so ist daraus der doppelte Uebelstand hervorgegangen, einerseits daß die glühenden Kohlen durch die Roststäbe frei auf die Bahn fallen, von wo sie durch den Wind noch glühend in der Umgegend verbreitet werden können, andererseits daß der starke Zug die glühenden Kohlentheilchen und Funken oben durch den Schornstein treibt und von hier aus auf feuerfangende Gegenstände wirft. Dadurch sind Waaren auf dem vom Dampfwagen bewegten Wagenzug entzündet, Kleidungsstüke der mitfahrenden Personen vielfach versengt worden, ja sogar nahe gelegene dürre Moos- und Getreidefelder in Brand gerathen.

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Um diesen Gefahren zu begegnen, haben zwar schon C. Jones, von Portsmouth in Virginien, W. S. Curtis in Deptford und W. Schultz in Philadelphia verschiedene Vorschläge gemacht, auch hat das englische Oberhaus nicht nur durch eine Commission die Feuergefährlichkeit der Dampfwagen für die durchschnittenen Gegenden und besonders die in der Nähe der Bahnen befindlichen Gebäude prüfen, sondern auch über die Zwekmäßigkeit mehrerer zur Verhütung dieser Gefahr bekannt gewordenen Vorrichtungen Männer, wie Rennie, Dion. Lardner, Robert Stephenson, Ch. John Blunt, John Urpeth Rastrick, Hardmann Earle vernehmen lassen (siehe Mechanics' Magazine, No. 671, 680, 683 und 695, in Dingler's polytechnischem Journal Bd. LXI, S. 245; Bd. LXII, S. 109 und 448; Bd. LXIII, S. 321).

Allein wenn auch von einigen Vorrichtungen angeführt wird, daß seit ihrer Anwendung keine Hauptbeschädigungen mehr vorgekommen seyn sollen, so scheint es doch, daß bisher keine angegeben wurde, welche nicht nur dem fraglichen Zwek vollkommen entspricht, sondern auch den Leistungen der Maschinen keinen Eintrag thut. Namentlich ist das Einbrennen von Löchern in die Kleider der mitfahrenden Personen noch häufig ein Gegenstand der Beschwerde.

Neunte Preisaufgabe,
betreffend die Erzeugung einer Hefe zum Behuf der Weißbrodbäkerei.

Die goldene Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Fünf Hundert Thaler für die Erzeugung einer wirklichen Hefe zur Weißbrodbäkerei, welche jeder Bäker auf leichte Weise in möglichst kurzer Zeit von höchstens drei Tagen selbst bereiten kann. Die verlangte Hefe kann in flüssiger Gestalt, oder in Form der sogenannten Preßhefe dargestellt werden, jedoch muß sich dieselbe sowohl in kleinen, als auch in großen Quantitäten erzielen lassen. Flüssige Hefe dieser Art muß abwärts noch bis zu 6 Quart, und trokne bis zu 2 Pfd. darstellbar seyn.“

„Als Eigenschaften der Hefe wird verlangt, daß dieselbe in Hinsicht ihrer Wirkung der bisher gebräuchlichen frischen Bierhefe oder der Preßhefe bei quantitativer Vergleichung nicht nachstehe; daß sie weder bitter, noch sauer sey, noch sonst einen unangenehmen Geschmak habe, noch in neunstündiger Gährung den mit derselben angestellten Teig sauer mache, daß sie ferner auf die Farbe des Gebäks keinen nachtheiligen Einfluß ausübe, vielmehr möglichst weiß sey; endlich daß die Kosten ihrer Darstellung weder den gegenwärtigen Preis der Preßhefe, welcher mit 6 Sgr. fürs Pfund, noch den der frischen Bierhefe, welcher mit 2 Sgr. fürs Quart angenommen wird, übersteigen, wobei jedoch die Benuzung etwaniger Abgänge zur Verminderung des Preises nicht mit in Rechnung gebracht werden darf.“

Zehnte Preisaufgabe,
betreffend die Mittheilung eines Surrogats der Eichenrinde.

Die goldene Denkmünze, oder deren Werth, und Ein Tausend Thaler demjenigen, welcher eine Substanz mittheilt, welche die Eichenrinde (Borke) bei der Ledergerberei vollständig ersezt. Sollte bei der Anwendung des Surrogats ein besonderes Verfahren beim Gerben zu beobachten seyn, so ist dasselbe in allen Einzelnheiten genau zu beschreiben. Das Ersazmittel der Borke muß entweder schon in großen Quantitäten im Handel zu kaufen seyn, oder nachgewiesen werden, daß dessen Anbau, resp. Production, im preußischen Staate mit solchem Vortheil für den Producenten im Großen möglich sey, daß der Preis des Surrogats, bei nachgewiesener gleicher Brauchbarkeit, nicht theurer zu stehen komme als die gute Eichenborke, überhaupt die Gesammtkosten des Gerbeprocesses gegen die bei Anwendung von Eichenlohe dadurch nicht erhöht werden.“

„Das mit dem Surrogat dargestellte Leder darf in keiner Hinsicht dem mit Eichenlohe gegerbten nachstehen. Um sich hierüber Gewißheit zu verschaffen, hat der Preisbewerber eine solche Menge des Materials einzusenden, daß damit 2 Sohlleder, 2 Brandsohlleder, 2 Fahlleder und 2 Kalbfelle gegerbt werden können. Die dazu erforderlichen Quantitäten zu ermitteln, ist Sache des Bewerbers.“

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Eilfte Preisaufgabe,
betreffend ein Email auf Gußeisen.

Die silberne Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Drei Hundert Thaler für die Darstellung eines Emails auf Gußeisen in verschiedenen Farben, an der Luft haltbar, welches durch Versuche bewiesen werden muß, die ein Jahr lang fortgesezt werden.“

„Die vorzulegenden Probestüke müssen sowohl in Basreliefs, als in runden Sculpturen von 2 bis 3 Fuß Höhe bestehen. Das Email darf nicht stärker seyn, als Kunstverständige dasselbe auf gebrannten Thonerden der della Robbia-Glasur sich gefallen lassen.“

Zwölfte Preisaufgabe,
betreffend die Darstellung von Figuren vermittelst Galvanoplastik.

Die goldene Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Fünf Hundert Thaler für die Darstellung einer Statue von 2 bis 3 Fuß Höhe auf galvanoplastischem Wege in hohler Form und aus einem Stüke, und die Mittheilung des dabei beobachteten Verfahrens.“

„Wenn die Statue eine bekleidete Gestalt darstellt, so darf ein freier, die Falten kaum berührender Arm ausnahmsweise abgesondert gefertigt und angesezt seyn.“

Dreizehnte Preisaufgabe,
betreffend die Ermittelung der Ursachen, weßhalb Zinkbleche spröde sind.

Die silberne Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Drei Hundert Thaler demjenigen, welcher ein Verfahren angibt, bei dessen Befolgung Zinkbleche, von einem Gewicht von 2 1/2 Pfd. auf den Quadratfuß, gefertigt werden können, die nach dem Auswärmen (dem sogenannten Ausglühen) dieselbe Festigkeit beibehalten, welche sie unmittelbar nach ihrer Darstellung unter den Walzen erhalten, und welcher zugleich die Ursachen ermittelt und mittheilt, weßhalb die bisher angefertigten Zinkbleche nach dem Auswärmen eine geringere Festigkeit zeigen, als vor demselben.“

„Der Grad der Festigkeit wird in der Art bestimmt, daß sich das bis zu einer Temperatur von mindestens 150° R. erwärmt gewesene und wieder erkaltete Zinkblech mit einem hölzernen Hammer zu einem Falz zusammengeschlagen, dann wieder unter einem rechten Winkel aufbiegen und zurükfalzen läßt, ohne auf der Falzkante Risse zu erhalten.“

Preisaufgaben für die Jahre 1844–45.

Erste Preisaufgabe,
betreffend die Darstellung dünner Tafeln behufs Bestimmung des Flächeninhalts daraus geschnittener Figuren.

Die silberne Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Drei Hundert Thaler für die Mittheilung eines Verfahrens zur Darstellung von dünnen Platten, oder Tafeln, aus einer dazu geeigneten Materie, deren Dike so gleichförmig seyn muß, daß der Flächeninhalt daraus ausgeschnittener Figuren und deren Schwerpunkt durch Abwiegen mit hinreichender Genauigkeit ermittelt werden kann.“

„Zu dem Ende würden sie folgenden Bedingungen entsprechen müssen:

1) Die Oberfläche derselben muß von der Beschaffenheit seyn, daß unmittelbar darauf gezeichnet werden kann.

2) Sie müssen mit einer Schere oder einem Federmesser sich leicht zerschneiden lassen.

3) Sie dürfen nicht zu leicht seyn; der Quadratzoll muß wenigstens 1/4 Loth wiegen.

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4) Die Tafeln müssen wenigstens 18 Zoll lang und 8 Zoll breit seyn.

5) Der Preis einer Tafel darf nicht über einen Thaler zu stehen kommen.

6) Wenn man an verschiedenen Stellen derselben Tafel gleich große Stüke, etwa Kreise mit einem Federzirkel ausschneidet, so dürfen dieselben, bei Stüken von einem Quadratzoll Fläche oder weniger, im Gewichte nicht mehr als höchstens 2 Proc. abweichen.“

Dergleichen Tafeln werden den Vortheil gewähren, daß in vielen Fällen die Größe sehr unregelmäßiger Figuren auf eine einfache Art, und mit bedeutender Zeitersparniß bestimmt, und die Stabilität mancher Bauconstructionen leicht beurtheilt werden könnte.

Zweite Preisaufgabe,
betreffend die Darstellung von Streichen für Streichwolle.

Die silberne Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Fünf Hundert Thaler für die Darstellung von Streichen (Krazen, Krämpeln) zur Bereitung der Streichwolle, bei welchen das nachträgliche Füllen entbehrlich ist. Der Draht muß dabei die für jede Art von Streichwolle nöthige Elasticität behalten, und es müssen die bei der bisher üblichen Füllung der Wollstreichen mit Scherfloken bemerkten Unvollkommenheiten vermieden werden. Die Kosten der verbesserten Streichen dürfen verhältnißmäßig nicht höher ausfallen, als bei den bisherigen.“

„Der Preisbewerber hat den von ihm ausgeführten Beschlag verbesserter Streichen für eine Streich- (Kraz- oder Krämpel-) Maschine zu liefern.“

Preisaufgabe für die Jahre 1845–46,
betreffend die Zubereitung des Kienrußes behufs Darstellung einer guten Schwärze.

Die silberne Denkmünze, oder deren Werth, und außerdem Fünf Hundert Thaler für die Auffindung und Mittheilung eines Verfahrens, den gewöhnlichen Kienruß, behufs Darstellung einer guten Schwärze für Kupfer-, Buch- und Steindruker zuzubereiten. Der nach diesem Verfahren behandelte Kienruß muß eine tiefe Schwärze und glanzvolle Farbe haben, bei gleicher Ergiebigkeit und Dekkraft, wie der beste rohe Ruß, eine hinreichende Fettigkeit besizen, um eine geschmeidige und theilbare Drukfarbe zu liefern; er muß ferner von allen brenzlichen Stoffen frei seyn, welche dem Papiere nach dem Druk eine schmuzige Färbung ertheilen könnten, ohne den ungleichmäßigen Zusammenhang der Theilchen und die Magerkeit des in verschlossenen Gefäßen gebrannten Rußes zu zeigen. – Der Verkaufspreis dieser Schwärze darf den des gewöhnlichen Kienrußes nicht um das Zwei- oder Dreifache übersteigen.“

„Der Preisbewerber hat so viel von diesem Ruß zu liefern, als zu den behufs der Prüfung anzustellenden Versuchen erforderlich seyn wird.“

„Sollte ein Verfahren aufgefunden werden, ein eben so gutes Schwarz für denselben Zwek und zu keinem höhern Verkaufspreise, als dem oben angegebenen, aus einem andern Körper als Kienruß darzustellen, so wird dafür derselbe Preis zuerkannt werden.“ (Aus den Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen, 1845, 1ste Lieferung.)

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