Titel: Benuzung aschenreicher Steinkohlen zur Locomotivenheizung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 96, Nr. LX./Miszelle 2 (S. 250–251)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj096/mi096060_2

Benuzung aschenreicher Steinkohlen zur Locomotivenheizung.

Bei dem Betrieb der Leipzig-Dresdener Eisenbahn wurden in früheren Jahren ausschließlich Kohks aus englischen Steinkohlen benuzt, welche im Allgemeinen beim Verbrennen nur einen sehr geringen Aschenrükstand hinterließen. Alle Versuche, die Steinkohlen aus den Gruben des Plauenschen Grundes bei Dresden zu benuzen, scheiterten an dem hohen Gehalt dieser Kohlen an erdigen Bestandtheilen. Die Asche sinterte in den Feuerräumen der Maschinen zu halbgeschmolzenen zähen Klumpen zusammen, welche die Roste, selbst bei möglichst weiter Entfernung der Roststäbe von einander, in dem Grade verstopften, daß die Dampferzeugung gänzlich unterbrochen wurde. Vergebens suchte man diesen Uebelstand durch mechanische Hülfsmittel zur Reinigung und Offenhaltung der Roste zu beseitigen. Nur |251| mit großer Vorsicht durfte man wagen, einen Theil inländischer Kohlen den englischen bei der Verkohkung beizumischen, um nicht die Regelmäßigkeit des Betriebs der Bahn zu stören. Aber ein zweiter Uebelstand schien selbst von dieser beschränkten Anwendung der inländischen Kohlen abzumahnen. Es zeigte sich nämlich, daß der häufige Schwefelkiesgehalt der fraglichen inländischen Kohlen und die dadurch bedingte Erzeugung von schwefliger Säure beim Verbrennen der Kohks auf das Metall der Feuerräume und Siederöhren einen deutlich wahrnehmbaren zerstörenden Einfluß äußerte. Die Siederöhren, wie die Hinterwand der Feuerbüchse, überhaupt alle vom Feuer berührten Theile der Maschine, erscheinen nach mehrstündigem Gebrauch derselben mit einem weißlichen Staube, zum Theil mit gesinterten weißen Krusten überdekt, aus staubartig fortgerissener Asche bestehend. Beim Auslaugen dieser weißen Masse mit Wasser gab sich ein Gehalt derselben an schwefelsaurem Kupferoxyd zu erkennen, der bei Anwendung von Kohks, zu welchem ein Theil inländischer Kohlen gesezt worden war, weit beträchtlicher erschien als bei Anwendung von reinen englischen.

Ich versuchte beiden Uebelständen durch Beimischung von Kalk zu den Kohlen vor der Verkohkung zu begegnen. Versuche im Kleinen hatten nämlich gezeigt, daß die Asche der angewandten Steinkohlen, welche fast ausschließlich aus Eisenoxyd, Thonerde und Kieselerde besteht, durch angemessenen Zusaz von Kalk, bei einem Temperaturgrade, wie er in den Feuerräumen der Maschinen vorauszusezen war, zur vollkommenen Schmelzung gebracht werden könne. Zugleich mußte der Kalk durch Bindung des Schwefelgehalts der Kohlen und Bildung von Schwefelcalcium und schwefelsaurem Kalk die verderbliche Einwirkung der schwefligen Säure auf das Kupfer verhindern. Die Anwendung dieses Mittels im Großen hat den vollkommensten Erfolg gehabt. Der Betrieb der Bahn geschieht bereits seit mehreren Jahren ausschließlich mit Kohlen des Plauenschen Grundes. Vor der Verkohkung werden dieselben mit einer ihrem Aschengehalt angemessenen Menge von Kalkhydrat, 2–3 Proc. dem Volumen nach, gemengt. Der erhaltene Kohk liefert eine Asche, welche in der Hize des Feuerraums schmilzt und zum großen Theil schon während der Fahrt in Gestalt einer schwarzen glasglänzenden Schlake durch den Rost abtropft, zum Theil aber auf den Anhaltpunkten im halbflüssigen Zustand mittelst eiserner Haken ausgezogen wird. Der weiße Beschlag am Metall der Feuerbüchse zeigt sich seit der Benuzung der gekalkten Kohks nicht kupferhaltiger, als er bei Anwendung der besten englischen Kohlen gefunden wurde.

Was das Verhältniß des Kalkzusazes anlangt, so scheint er seinem Zwek am besten zu entsprechen, wenn er in solcher Menge angewandt wird, daß die entstehende Schlake sich der Zusammensezung eines Bisilicates möglichst nähert. Beim Begehen der Bahn findet man, so oft ein Zug dieselbe passirt hat, allenthalben geschmolzene schwarze Glastropfen und lange Glasfäden, die man 20 bis 30 Schritt weit verfolgen kann. Diese Tropfen der vollkommen geflossenen Schlake sind immer so zusammengesezt, daß der Sauerstoff der Basen nahe das Doppelte von dem der Kieselerde beträgt. Sie enthalten, außer den Bestandtheilen der Schlake selbst, häufig Körner von reducirtem Eisen. Von Salzsäure, noch besser von Königswasser, wird die Schlake bei anhaltender Digestion vollkommen zersezt. (O. L. Erdmann in seinem Journ. f. prakt. Chemie, 1845 Nr. 7 u. 8.)

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