Titel: Erfindung einer neuen, gegen die Einwirkung der Elemente gesicherten Malerweise.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 96, Nr. LX./Miszelle 6 (S. 252–253)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj096/mi096060_6

Erfindung einer neuen, gegen die Einwirkung der Elemente gesicherten Malerweise.

Wir haben im polytechnischen Journal Bd. XCV S. 76 die Resultate über die Natur der pompejanischen Malerei mitgetheilt, welche sich bei deren Untersuchung durch eine Commission sachkundiger Künstler und Gelehrten ergeben |253| haben, wodurch sich herausstellte, daß die pompejanischen Malereien nicht enkaustisch und nicht mit einer anderen außer Gebrauch gekommenen Kunst ausgeführt waren, sondern ihre lange Erhaltung bloß ihrer langen Verborgenheit und Abgeschlossenheit von Luft und Licht verdanken. Der Akademiker und Professor Dr. J. N. Fuchs in München, welcher durch seine Entdekungen im Felde der Wissenschaft schon so oft die Technik auf originelle Weise zu bereichern wußte, hat nun aber eine Methode ermittelt, nach welcher Wandmalereien ohne besondere Schwierigkeit in einer Weise ausgeführt werden können, daß sie allen Einflüssen der Witterung vollkommen widerstehen und eine Festigkeit der Farben bewahren, die den Farben gemalten Porzellans nichts nachgibt. Die praktische Anwendung dieser Erfindung, wozu sich Fuchs mit Prof. Schlotthauer verbunden hat, ist im Verlaufe mehrerer Jahre auf einen hohen Grad von Ausbildung, wo nicht der Vollkommenheit nahe gebracht worden. Man sieht im Atelier des Prof. Schlotthauer in der königl. Akademie der Künste (zu München) außer einer Reihe anderer in dieser Weise ausgeführter und ganz wie Stein gehärteter Gemälde zwei Köpfe, oder vielmehr die Wiederholung desselben Kopfes, der eine in der alten Frescoweise, der andere in der neuen ausgeführt, die beide der vollen Ungunst und Härte unseres langen und strengen Winters im Freien ausgesezt gewesen sind, und von denen das erstere fast ganz aufgelöst und abgebrökelt, das andere aber in seinem vollen Farbenschmuk rein und unberührt erhalten ist.

Ueber diese Erfindung von Fuchs, welche für die Wandmalerei eben so wichtig zu werden verspricht, wie die Oehlmalerei für die Staffeleibilder, theilt ein Freund desselben in der Beilage zur Augsb. Allg. Zeitung vom 4. Mai d. J. noch Folgendes mit: „Die neue Malerei kann nicht nur auf Stein, Kalk etc., sondern auf jede andere präparirte Unterlage, ja gleich der Oehlmalerei auf Leinwand mit gleichem Effect und gleicher Haltbarkeit angewendet werden. Sie erlaubt jede Art der Behandlung mittelst des Pinsels. Das Auftragen der Farben, die Malertechnik, hat viel weniger Schwierigkeit als in der Oehlmalerei; man kann die Vollendung in jedem beliebigen Zeitraum bewerkstelligen, und die Farbe behält ihre volle Klarheit beim Tages- wie künstlichen Lichte, gleich der Freskomalerei. Da man bei der Freskomalerei durch die Zeit gebunden ist, so muß man auf jede detaillirte Ausführung verzichten, was bei dieser neuen Methode durchaus nicht der Fall ist. Sie vereinigt also die Vortheile der Fresco- und Oehlmalerei in sich. Dabei wird die gefärbte Fläche in ein Kalksilicat verwandelt, das jeder Einwirkung des Wassers, schwacher Säure, Alkalien, widersteht und sich chemisch mit der Unterlage so verbindet, daß sie selbst durch mechanische Kraft von ihr untrennbar wird. Von der modernen Kalk- oder Frescomalerei unterscheidet sie sich dadurch, daß die Farben in dieser Fresco-Malerei auf nassem Kalk aufgetragen werden, von der antiken pompejanischen, daß in dieser die Farben auf einem bereits erstarrten und polirten, doch noch nicht ganz ausgetrokneten Kalkgrund aufgetragen werden. In beiden Methoden ist es der Aezkalk, welcher, indem er an der Luft langsam kohlensauer wird, dadurch erhärtet und, im Wasser unlöslich, die Farben befestigt.“ Δ

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