Titel: Ueber Verfälschung der käuflichen Potasche.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 96, Nr. LXXXII./Miszelle 10 (S. 334–335)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj096/mi096082_10

Ueber Verfälschung der käuflichen Potasche.

Seit langen Jahren hat sich in den Potaschenhandel ein gewissenloser Betrug eingeschlichen, indem nämlich eine aus Holland bezogene Substanz, welche zum größten Theil aus Kochsalz und Glaubersalz besteht, unter die in Deutschland fabricirten calcinirten Potaschen gemischt und als reine Potasche verkauft wird. Für den gewöhnlichen Hausgebrauch ist der Nachtheil so sehr groß nicht, da in der Regel solche zu Laugen beim Waschen oder Scheuern des Zinns im Uebermaaß angewandt wird. Aber für die Fabrikation der Seifen ist diese Beimischung offenbar nachtheilig, weil in einem größern Verhältniß die unvollkommene Seife sich von der Lauge trennt und die Bildung einer vollkommenen Seift erschwert wird.

Seit fünfzig Jahren war dieses Product, welches seiner Form und dem Ansehen nach einer schönen Potasche ähnlich sieht, unter dem Namen. „kalte Potasche,“ im Gegensaz zu der guten aus Holzasche bereiteten Potasche, welche man „feurige“ (gefeuerte) Potasche nennt, bekannt. Diese Benennungen rühren von der Eigenschaft her, daß erstere, mit Wasser auf der Hand befeuchtet, ein Gefühl von Kälte hervorbringt, während leztere, wenn in die hohle Hand so viel wie eine Bohne gebracht und mit Wasser befeuchtet wird, sich sehr stark erhizt und die Hand zu verbrennen droht. Diese Probe wird im gemeinen Verkehr als |335| hinlänglich erachtet, um die Güte einer Potasche zu beurtheilen, weil hier mehrere Procente mehr oder weniger an Kali keinen besondern Nachtheil äußern. Zur Fabrikation von Seife kommt jedoch nur in Betracht, daß die Potasche so viel als möglich Kali enthalte, oder was dasselbe ist, daß solche mit dem Alkalimeter so viel als möglich Grade gebe. Eine Beimischung von schwefel- oder salzsaurem Kali oder Natron vermehrt aber nur die Masse und zeigt keine Grade an diesem Instrumente.

Die Beimischung hat nur ungefähr 2/3 des Werthes von guter Potasche und man begreift daher leicht, daß eine solche Beimischung bis zu 20–30 Proc. den Nuzen des Verkäufers steigern müsse. Schon lange war dieser Unfug bekannt und man bezeichnet sehr bestimmt diejenigen Händler, welche diesen Betrug in einer großen Ausdehnung betreiben.

Im Jahr 1842 wurden mehrere Fässer der sogenannten Salzpotasche am Hauptsteueramt in Köln mit Beschlag belegt und einer Untersuchung unterzogen. Sie wurde als eine Mischung von 70–80 Proc. Kochsalz, 15–20 Proc. Glaubersalz, 1–2 Proc. Potasche (Natron?), mit Lakmus gebläuet, erkannt. Das Ansehen derselben ist sehr tauschend, indem solche aus einer gröberen und feineren Körnermasse, wie feine calcinirte Potasche, besteht. Der Unkundige wird dadurch leicht getauscht, allein der Geschmak verräth sogleich den Betrug, weil gute Potasche laugenartig, scharf, dagegen die falsche Potasche wie Kochsalz schmekt. Die gerichtliche Procedur wurde über diese Beschlagnahme eingeleitet, und zwar deßhalb, weil man glaubte, daß die Einführung als zum verbotwidrigen Verkehr mit Salz gehörig unter die entsprechenden Strafbestimmungen falle.

Nach angestellter Erörterung wurde entschieden, daß die Strafbestimmungen über verbotwidrige Salzeinführung in keiner Beziehung auf die gemachte Declaration Anwendung finden können.

Obgleich nun auf dem gerichtlichen Wege die Beschlagnahme der declarirten Waare und Bestrafung der Bezieher nicht erfolgte, indem zu ihren Gunsten in dem Tarif der Schifffahrtsabgaben, unter Ermäßigung auf ein Viertel des Rheinzolls die Einfuhr von Salzpotasche erlaubt ist, so ist nichtsdestoweniger die Anwendung derselben ein heilloser Betrug, indem ein Salzgemenge, welches weiter nichts wirkt, als nur um das Gewicht der Waare zu vermehren, in dem Handel für reine gute Potasche verkauft wird.

Uebrigens sind die damit gemischten Potaschen sehr leicht zu erkennen; die beigemischte Masse ist von schöner hochbläulicher Farbe, in Körnern verschiedener Größe bis zur Erbse. Die Farbe der Potasche sieht mehr ins Graue und Röthliche, und mit etwas Aufmerksamkeit kann die Beimischung leicht ausgelesen werden. Prüft man diese Körner auf der Zunge, so erkennt man die Fälschung bald an dem Salzgeschmak, welcher von jenem guter Potasche sehr abweicht.

Es wäre zu wünschen, daß dergleichen Betrügereien aus dem Handel verbannt und derselbe mit Redlichkeit geführt, oder daß kein Kauf von Potasche abgeschlossen würde, bevor mittelst des Alkalimeters die Sättigungsgrade mit Bestimmtheit ermittelt und als Basis angenommen worden sind. (Allgem. Organ für Handel und Gewerbe, 1845, Nr. 33.)

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