Titel: Der Rectometer, eine Vorrichtung zum Messen und Legen von Zeugen; von M. Mannier in Wesserling (Elsaß).
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 96, Nr. LXXXII./Miszelle 4 (S. 329–331)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj096/mi096082_4
|330|

Der Rectometer, eine Vorrichtung zum Messen und Legen von Zeugen; von M. Mannier in Wesserling (Elsaß).

Das kleine von Mannier erfundene Instrument zum Messen und Legen, Rectometer genannt, ist einer jener glüklichen Einfalle, wodurch ohne complicirte und kostbare Maschinerie durch ganz einfache und passende Mittel ein altes Verfahren verbessert und ersezt wird, ohne zugleich die Gewohnheiten der Arbeitenden zu sehr abzuändern.

Jedermann weiß ohne Zweifel, daß man bis jezt das Messen der Zeuge mittelst zweier langer gebogener Nadeln bewerkstelliget, welche so weit aus einander in ein Gestell eingeschlagen werden, als man die Länge des Maaßstabes annehmen will. Der Arbeiter hakt das Zeug bei jeder Lage in die Nadel, indem er die Sahlleiste durchsticht, und die Lagen zählt, um so die Länge des Stüks zu ermitteln.

Dieses Verfahren hat einen dreifachen Nachtheil: erstlich daß die Sahlleiste mit größeren oder kleineren Löchern durchstochen wird, was die Waare sehr verunziert; zweitens folgt daraus daß die lezten Lagen kürzer werden als die ersten, da die Nadeln sich biegen und dem Gewicht der Stoffe nachgeben, weßwegen die Messung ungenau wird; endlich schleicht sich leicht ein Irrthum ein, da die Lagen nur einfach ohne mechanische Mithülfe von dem Arbeiter gezählt werden.

Man hat zwar schon verschiedene mehr oder minder künstliche Meßvorrichtungen in Ausführung gebracht, doch dieselben als ungenügend stets wieder verworfen.

Der Rectometer von Mannier ersezt die Nadeln des alten Verfahrens durch zwei aus einem Gestell waagrecht hervortretende, eiserne Schienen oder Stäbe, die vollkommen gleichlaufend und durch gußeiserne Träger auf einer hölzernen Platte genau in der Entfernung von einander befestigt sind, als jede Lage des zu messenden Zeuges lang seyn soll. Diese ihrer ganzen Länge nach gleich: weit von einander abstehenden Schienen tragen mit Stahlspizen besezte Schieber oder Messingplättchen, durch welche jede Lage gehalten wird, ohne gleichwohl die Sahlleiste merkbar zu durchlöchern.

Diese Messingplättchen sind numerirt und zwar so, daß alle geraden Zahlen sich auf der einen, alle ungeraden aber auf der anderen Seite befinden. Jede Lage hat also ihre Zahl und am Ende der Arbeit kann der Messende auf jedem Schieber ablesen, wie viel Lagen er gehängt hat. Wenn selbst unversehens einer der Schieber übersprungen worden wäre, so ist das Versehen augenbliklich zu bemerken, indem dann einer zwischen den Lagen leer geblieben ist, oder die lezten Zahlen der beiden Seiten nicht mit einander zutreffen. – Die Lagen des Stüks werden auf diese Weise vollkommen regelmäßig und lassen sich sehr leicht von dem Apparat loslösen, indem man bloß eine der Schienen mit Hülfe eines Hebels eine Viertelsdrehung nach innen zu machen läßt und dadurch die Schieberspizen aushebt. Jener Hebel hält die Schienen in der gehörigen Lage.

Mannier hat ein Patent auf seine erfinderische Vorrichtung genommen, deren Ausführung er den Gebrüdern Japy, von Beamourt, übertragen hat, die sowohl von ihrer großen Nüzlichkeit als auch von ihrer wahrscheinlich allgemeinen Anwendung überzeugt sind, indem man nicht nur in großen Fabriken, sondern eben sowohl in jedem Ausschnittgeschäft sich der Erfindung mit Vortheil bedienen wird.

Um den Ankauf des Rectometers zu erleichtern, ist der Preis sehr mäßig gestellt, so daß mit Recht diese Erfindung eine gemeinnüzige genannt werden kann.

Gros, Odier, Roman u. Comp. in Wesserling, welche die erste Anwendung von dem Rectometer machten, gebrauchen bereits 25 Stük in ihren verschiedenen Arbeitsräumen, und sind so wohl zufrieden damit, daß sie künftig durchaus kein Stük Zeug mit durchlöcherter Sahlleiste mehr anzunehmen Willens sind.

Ein Arbeiter kann stündlich neun gebleichte Stüke von 50–60 Meter Länge hängen.

Diese Zahl übersteigt die mittelst des alten Verfahrens erreichbare und kann bei einiger Uebung noch leicht erhöht werden.

J.

Diese Meß- und Legevorrichtung scheint allerdings Vorzüge vor der ältern zu haben. Damit aber die Messung ganz richtig ausfalle, müssen die Messingplättchen sehr schmal seyn, und muß jedes Plattchen oder jeder Schieber nur eine Nadel führen; denn im Gegenfalle würde wegen des diagonalen Laufes jeder |331| Lage und des Anhängens auf mehrere Nadeln, die Messung zu reichlich ausfallen. Jedenfalls fällt sie schon selbst bei Beobachtung jener Bedingungen reichlicher aus als beim älteren Verfahren. F. G. Wieck. (Deutsche Gewerbezeit. 1845, Nr. 27.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: