Titel: Ueber die Dauerhaftigkeit des Maschinenpapiers.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 96, Nr. LXXXII./Miszelle 5 (S. 331–332)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj096/mi096082_5

Ueber die Dauerhaftigkeit des Maschinenpapiers.

Das neuliche Verbot des Maschinenpapiers zu Urkunden in Baden hat der dortigen Regierung bereits in der Kammer den Vorwurf zugezogen daß es ungerechtfertigt sey; jezt tritt eine technische Autorität, Hr. Karmarsch, Director der höhern Gewerbeschule in Hannover, in den Mittheilungen des hannover'schen Gewerbvereins für das Maschinenpapier auf und spricht seine Ueberzeugung dahin aus daß, wenn es gleich Maschinenpapier gebe das von geringer Haltbarkeit sey, es doch mindestens gewagt erscheine diesen Fehler als einen allgemeinen, in der Natur der Fabricationsmethode begründeten und deßhalb unvermeidlichen darzustellen. Um die Frage von der Haltbarkeit des Maschinenpapiers zu entscheiden, meint Hr. K., müsse man praktische Versuche anstellen, die auf Beantwortung der beiden Fragen ausgehen: welche Arten der Zerstörung kommen überhaupt am Papier vor und wie kann man die größere oder geringere Mangelhaftigkeit einer Papiersorte leicht erkennen, und ist die Zerstörbarkeit vorzugsweise dem Maschinenpapier eigen und wie verhält sich dagegen das Büttenpapier.

In Ansehung der ersten Hauptfrage wird man nach Hrn. K. speciell zu untersuchen haben: 1) die absolute Festigkeit, d.h. den Widerstand gegen Trennung des Zusammenhanges durch eine in der Ebene des Papierblatts wirkende Kraft, sey es gegen das Abreißen durch Zug oder gegen das Absprengen durch Stoß. Für diese beiden Zweke müßte man Papierstreifen (in Längen- und Breitenrichtung aus den Bogen geschnitten) sowohl durch ruhig daran Hangende Gewichte, als durch ein angehängtes und von verschiedenen Höhen fallendes Gewicht zum Abreißen bringen. 2) Den Widerstand gegen das Zerreißen durch eine rechtwinkelig gegen die Papierebene wirkende Kraft, wie sie ausgeübt wird, wenn man mit den Fingern ein Blatt ein- oder durchreißt) wobei der wesentliche Umstand eintritt daß die Punkte der Rißlinie nicht auf einmal, sondern der Reihe nach in Anspruch genommen werden. In dieser Probe offenbart sich deutlich die Textur rüksichtlich Länge und Feinheit der Fasern, worauf – als auf einen charakteristischen Umstand – zu achten seyn wird. 3) Die Haltbarkeit gegen das Einschneiden eines drükenden und reibenden Fadens in die Ränder, entsprechend dem Vorgange, welcher sich durch den Bindfaden an zusammengeschnürten Actenpaketen u. dergl. offenbart. Diese Prüfung ist von besonderer Wichtigkeit, denn die Beschädigung dieser Art begründet eine der häufigsten Klagen über das Maschinenpapier. 4) Die Haltbarkeit gegen das Abreiben, zu deren Prüfung man etwa das Papier über eine Kante von bestimmter Schärfe legen, durch ein Gewicht anspannen, und dann mittelst eines auf der Kante hin und her reibenden Körpers so lange abnuzen könnte, bis das Spanngewicht den Riß bewirkt. 5) Die Haltbarkeit gegen das Zerknittern, in welcher Beziehung man sich schon durch einen einfachen Vorversuch überzeugen kann, daß manche Papiersorten, wenn man ein Blatt davon in der Faust unregelmäßig zusammenballt, Brüche und Löcher bekommen, wogegen andere nach dem Wiederausbreiten mit wenig oder gar nicht verlezter Oberfläche erscheinen. 6) Die Festigkeit gegen das Brechen, welches dadurch erfolgt, daß ein Papierblatt scharf zusammengebogen und mit dem Falzbeine oder einem ähnlich wirkenden Geräthe gestrichen wird. Dabei ertragen manche Sorten eine starke Mißhandlung durch oft wiederholtes Falzen in der nämlichen Linie, abwechselnd mit umgekehrter Lage der Flächen, was gewissermaßen dem Abbrechen eines Drahtes durch Hin- und Herbiegen analog ist, während andere auf das erste oder zweitemal den Zusammenhang verlieren. 7) Die Veränderungen, welche das Papier rüksichtlich seiner Festigkeit im Laufe der Zeit erleidet. Dieser Punkt dürfte am schwierigsten zu erledigen seyn, weil er – streng genommen – die Prüfung der nämlichen Papiersorten im neuen Zustande und nach mehrjähriger Aufbewahrung voraussezt. Indessen wird der Zwek einigermaßen auch schon dadurch erreicht werden, daß man lauter Papierproben untersucht, welche mehrere Jahre alt sind; denn erfährt man hiedurch nicht, wie viel sich etwa ein bestimmtes Papier verschlechtert hat, so kann doch eine Ansicht darüber gewonnen werden, welchen relativen Grad von Festigkeit die verschiedenen |332| Sorten nach längerer Frist in sich bewahren. Alle im Vorstehenden angedeuteten Prüfungen müßten (unter Hülfe geeigneter Apparate) wo möglich so vorgenommen werden, daß ihre Resultate in vergleichbaren Zahlen ausgedrükt sich darstellten, was bei einigen nicht ganz leicht zu erreichen seyn wird. Was bloße Schäzung durch Augenmaaß und Gefühl etc. ist, hätte man thunlichst zu beseitigen. Nur unter dieser Voraussezung wird das Endurtheil aufhören großentheils schwankend und individuell zu seyn. Um der zweiten oben bezeichneten Hauptfrage zu genügen, ist es nöthig eine große Anzahl verschiedener Papiersorten – sowohl von Maschinen- als von Büttenpapier – der Prüfung zu unterziehen, wobei natürlich die Dike und das Gewicht derselben, der Grad der Leimung, die Art des Gewebes (ob getipptes oder Velinpapier), die Bleiche, die Glättung und sonstige eigenthümliche Beschaffenheiten gehörig angegeben und berüksichtigt werden müssen.

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