Titel: Ueber einen krankhaften Weizen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 96, Nr. CIV./Miszelle 5 (S. 416)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj096/mi096104_5

Ueber einen krankhaften Weizen.

Hr. Briggs von Overton, bei Wakefield in Yorkshire, machte mich auf eine Krankheit aufmerksam, welche einen Theil des auf seinem Aker gewachsenen Weizens ergriffen hatte und die er für eine Art Brand hielt. Der Halm dieses Weizens war von der gewöhnlichen Höhe und Stärke und äußerlich sahen auch die Aehren gesund aus; wenn man aber das Korn zerbrach, fand man dasselbe mit einem schwarzen Pulver angefüllt. Es war dieß ein rother Weizen der im December in leichten, guten Rübenboden dicht gesäet wurde, auf welchem man sich gewöhnlich einer großen Menge Guano's (4 (Centner per Acre) als Dünger bediente. Ungefähr ein Zehntheil der ganzen Menge war krankhaft, während mehrere andere Weizenarten, die auf demselben Feld gesäet worden waren, wo aber nicht mit Guano gedüngt wurde, vollkommen gesund waren. Die Aehren sahen viel grüner aus, als die derselben Weizenart im gesunden Zustand und entwikelten einen sehr unangenehmen Geruch.

Bei näherer Untersuchung fand man die Körner mit einem schwarzen klebrigen Pulver statt des milchigen Marks der gesunden Körner angefüllt. Man trennte dieses Pulver in Menge durch Reiben der Aehren in einem Mörser und Sieben durch feinen Musselin und untersuchte es chemisch. Es roch eben so unangenehm, wie die Aehren, nur noch stärker, fühlte sich öhlig an und war schwerer als Alkohol und Wasser. An der Luft erhizt, verbrannte es mit glänzender Flamme, hinterließ einen Kohlenrükstand und am Ende eine Spur weißer Asche. In einer Röhre erhizt, gab es Wasser, empyreumatische und öhlartige Substanzen und etwas Ammoniak aus; in Kalilösung und Salzsäure war es unlöslich; Salpetersäure färbte es gelb und Schwefelsäure löste es beim Erwärmen mit purpurrother Farbe auf. Mit Wasser gekocht, gab es nur etwas Gummi und braunen bittern Extractivstoff ab, blieb aber größtentheils unaufgelöst. Alkohol zog ein fettes Oehl daraus und eine wachs- oder harzartige Substanz; der unaufgelöste Rükstand schien aus Lignin mit Kohle vermengt zu bestehen. Das schwarze Pulver zog in befeuchtetem Zustand aus der Luft begierig Sauerstoff an, wodurch Kohlensäure erzeugt wurde. – Eine sorgfältig angestellte Analyse der Substanz ergab:

Wachs oder Harz mit fettem Oehl 7,0
Gummi und Extractivstoff etc. 7,8
Lignin und Kohle 82,7
Asche 2,5
–––––
100,0

Die Asche bestund hauptsächlich aus erdigen phosphorsauren Salzen und kieselsaurem Kali. J. Carty. (Philosophical Magazine, März 1845, S. 189.)

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