Titel: Gegen die übertriebenen Anpreisungen des Guano's als Dünger.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 96, Nr. CXVI./Miszelle 9 (S. 492)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj096/mi096116_9

Gegen die übertriebenen Anpreisungen des Guano's als Dünger.

Schon früher enthielt der Moniteur industriel einen Artikel gegen die übertriebenen Lobpreisungen des Guano, und der Gärtner Paquet, Redacteur des Journal d'horticulture pratique, liefert einen zweiten Artikel nach, der die Richtigkeit des großen Aufhebens darzulegen sucht, welches gewinnsüchtige Charlatane einerseits und auf bloße Versuche im Laboratorium sich stüzende Gelehrte andererseits von diesem Dünger machen. Die Rolle, welche der Guano zu spielen verspricht, ist keine andere, als die aller künstlichen Düngmittel, wie das Laine'sche, Jauffret'sche, sogenannte stikstoffreiche (perazoté), die Universalsubstanz (von welcher die Bouteille zu 5 Frcs. verkauft wird) und viele andere solche Wundermittel. Der Verfasser machte Versuche mit ächtem Guano an Melonen und war, wenn er ihn zu 1/12 mit dem Erdreich vermengte, mit welchem bei dieser Pflanze der Boden bedekt werden muß, mit dem Erfolg recht zufrieden; allein die Kosten sind viel zu groß, und am Ende die Früchte doch nicht viel größer; nur die Pflanze war kräftiger. Auf feuchtem Rasen that er ebenfalls sehr gute Wirkung, aber nicht bei Anwendung von 300 Kilogr. und darüber auf die Hektare, wie er gegenwärtig angepriesen wird, sondern zu beinahe 1500 Kilogr., indem man 75 Kilogr. auf einem kleinen Rasenplaz von kaum 5 Acres ausbreitete. Ich brachte, sagt er ferner, in einem Baumgarten einen Schubkarrenvoll Stallmist an den Fuß je eines Obstbaums, und breitete denselben 1 1/2 Fuß weit entfernt vom Stamm auf eine kreisrunde Oberfläche aus, die je nach der Stärke des Baumes zwischen 1 1/2 und 3 Fuß differirte; die Erde wurde ungefähr 1/2 Fuß hoch ausgegraben, der Dünger ausgebreitet und dann die Erde wieder drauf gelegt. Bei zwölf andern Bäumen, und zwar Pfirsich-, Birn-, Pflaumen-, Kirschen-, Aprikosen- und Aepfelbäumen, wurde der Versuch mit Guano angestellt, man ließ dieselben mit obigen gewöhnlich gedüngten Bäumen abwechseln; der Guano wurde hier mit der 1/2 Fuß tief abgehobenen Erde gut vermengt. Man nahm 1 1/2 Kilogr. Guano für einen Baum, welche (100 Kil. = 50 Frcs.) auf 75 Centimes zu stehen kamen, während der andere Dünger nur 65 Centimes kostete. Lezterer entsprach den Erwartungen; beim Guano aber wurden alle Wurzeln (mit Ausnahme jener der Pflaumenbäume) von einer Art Schimmel bedekt. Bei den Pfirsich- und Aepfelbäumen hatten sich die Blätter zusammengerollt; einige wurden von einem Heer von Blattläusen befallen; die Birnbäume wurden von einer Art Schwämme (Oecidium cancellatum) heimgesucht, welche sich als rothe Fleken auf dem Laube entwikelten und die Vegetation hemmten. Beim Lauch und allen übrigen Liliaceen und Alliaceen gab der Guano gute Resultate, aber er kam auch zu theuer zu stehen. Aus allem diesem geht hervor, daß es absurd ist behaupten zu wollen, daß ein Hektoliter Guano ebenso viel leistet, wie 50 Karren voll guten Düngers. Wenn man uns glauben machen will, im Süden sey an einem recht heißen Maitag die Feuchtigkeitsanziehung (Hygrophilie) des Guano so groß daß, wenn man die Hand in das Gras einer damit gedüngten Wiese stekt, sie davon so benezt wird, wie von Wasser, während gleich daneben, wo nicht mit Guano gedüngt war, das Gras so troken ist wie Heu, so ist das lächerlich. (Moniteur industriel, 1845, Nr. 918)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: