Titel: Ueber einen veränderlichen Blasrohrapparat an Locomotiven.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 97, Nr. II. (S. 3–5)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj097/ar097002

II. Veränderlicher Blasrohrapparat an den Locomotiven auf der Taunus-Eisenbahn.1)

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Es ist eine bekannte Sache daß, wenn der Locomotivführer ein Mittel in der Hand hat, die Mündung des Dampfausströmrohres während der Fahrt nach Erforderniß zu erweitern, um dadurch den Gegendruk des Kolbens und den Zug des Feuers zu vermindern, eine bedeutende Menge Brennmaterial gespart werden kann. Man hat zu dem Ende auf mehreren Eisenbahnen verschiedene Vorrichtungen probirt, doch ist uns keine bekannt, welche dem hiezu bei den Locomotiven auf der Taunus-Eisenbahn angebrachten Apparate an Zwekmäßigkeit und Einfachheit gleich zu stellen ist.

Fig. 31 und 32 erläutern denselben; a ist das gewöhnliche, in der Rauchkammer A sizende Ausblasrohr, dessen Mündung klein genug, |4| für 12 zöllige Masch. = 2 1/2 Zoll engl. weit ist, um den für den ungünstigsten Fall hinreichenden Dampf zu erzeugen. Nach der vordern Seite desselben sizt, vermittelst des aus Messing gegossenen Kniestüks b, das 3 Zoll weite kupferne Nebenrohr c, welches mit der gewöhnlichen Blaspfeife gleiche Höhe hat und ebenfalls in den Schornstein B hineinragt; e ist eine messingene, in das ausgebohrte obere Ende des Kniestüks genau eingepaßte Klappe, deren Achse in eine nach der äußern Seite der Rauchkammer gehende eiserne Stange sich verlängert, auf deren Ende der 5 bis 6 Zoll lange Hebel f sizt, und vermittelst einer Zugstange g mit einer an der Seite der Feuerkammer angebrachten Handhabe in Verbindung steht, wodurch diese Klappe von dem Maschinenführer entweder ganz geschlossen gehalten werden kann, um den ganzen Dampf durch das gewöhnliche Blasrohr mit größerer Kraft austreten zu lassen, oder nach Erforderniß auch mehr oder weniger geöffnet werden kann, um den Zug des Feuers und in Folge dessen auch die Dampfentwikelung in wenigen Augenbliken zu mindern. Durch Anbringen dieser Vorrichtung an sämmtlichen Maschinen der Taunus-Eisenbahn sind an mehreren derselben 6–8 Pfd. Kohks per engl. Meile gespart worden. Sie zeichnet sich vor den andern derartigen Apparaten besonders dadurch sehr vortheilhaft aus, daß sie nicht in ihren Verrichtungen versagt, und weniger Reparaturen bedarf, da sie sehr einfach und so niedrig in der Rauchkammer angebracht ist, daß das Feuer weiter keinen Einfluß darauf hat, welches gegentheils bei allen den Apparaten der Fall ist, welche an der Mündung des Blasrohrs selbst angebracht sind, und die auch immerhin mehr oder weniger den Zug der Maschine hemmen.

Man hat diesen Apparat auch selbst an den Maschinen von Sharp Roberts, an welchen bekanntlich die beiden an den Seiten der Rauchkammer stehenden Exhaustionsrohre a, a' Fig. 33, sich erst oben dicht an der Mündung in den Schornstein zu Einem Rohre vereinigen, angebracht, indem man jedem der beiden Ausblasrohre von Unten aus in derselben Höhe wie bei der oben beschriebenen einfachen Vorrichtung ein besonderes kleines Nebenrohr b, b', hier jedoch nur von 2 Zoll Weite, auf einem ähnlichen Kniestüke sizend und mit derselben Biegung wie das Hauptrohr in den Schornstein einmündend, beigegeben hat.

Die Klappen werden durch die beiden auf der Welle c sizenden Hebelarme d, d', welche mit jenen auf den Achsen der Klappen e befestigten ähnlichen Arme durch die Gelenke h, h' in Verbindung stehen, ebenfalls vermittelst des außerhalb der Rauchkammer auf c |5| festgekeilten Hebels f und der Zugstange g beide zugleich geöffnet oder geschlossen.

Aus dem „Organ für die Fortschritte des Eisenbahnwesens in technischer Beziehung; herausgegeben von einem Vereine von Eisenbahn-Ingenieuren I. Bd. 1stes Heft. Wiesbaden 1845, Verlag von C. W. Kreidel.“ Von dieser Zeitschrift, welche ein Archiv des Wissenswerthesten in der technischen Eisenbahnkunde bilden soll, werden jährlich 6 Hefte erscheinen, die Herausgeber beabsichtigen alle neuen, auf den einzelnen Bahnen ausgeführten oder angewandten Constructionen im Bahn-, Maschinen- und Wagenbau, so wie die dahin einschlagenden neuen Hülfsmaschinen und Werkzeuge nach genauen Abbildungen zu beschreiben; ferner sollen beim technischen Betriebe angestellte praktische Versuche und gemachte Erfahrungen mitgetheilt, so wie auch auf die Mängel der verschiedenen bis jezt bestehenden Einrichtungen und Apparate aufmerksam gemacht werden.

A. d. R.

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