Titel: Cassell's Material für Fußböden, Hausfluren etc.
Autor: Cassell, E.
Fundstelle: 1845, Band 97, Nr. XXXVIII. (S. 149–152)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj097/ar097038

XXXVIII. Neues Material für Fußböden, zum Pflastern der Hausfluren, zum Dachdeken etc., worauf sich E. Cassell in Millwall, Poplar, am 26. Sept. 1844 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem Mechanics' Magazine 1845, No. 1136.

Das neue Material, welches den Gegenstand dieses Patentes ausmacht, ist nach ziemlich verschiedenen Vorschriften zusammengesezt, die aber alle ein Product liefern, welches vollkommen undurchdringlich, sehr elastisch und (wie mit allem Grund angenommen werden kann) ungemein dauerhaft ist.

Zum Ueberziehen von Fußböden etc. theilt der Patentträger vier Vorschriften mit.

„Nr. 1. – Ich sättige eine Quantität Kreide, Mergel, Kalk, Thon oder sandige Erde, welche zuvor in ein feines Pulver verwandelt wurden, mit Theeröhl, Mineraltheer, oder irgend einer andern harzigen, öhligen oder fetten Substanz. Ich nehme nun 1 Cntr. harz, schmelze es in einem Kessel bei gelindem Feuer, bis alles in ihm enthaltene Wasser verdampft ist, bringe sodann in den Kessel 1 Cntr. von der gesättigten Kalk- oder andern Erde und mische sie wohl mit dem Harze, seze dann 3 bis 6 Pfd. flüssigen Kautschuk oder 1 bis 3 Pfd. flüchtiges Theeröhl, Terpenthinöhl, oder sonst eine andere öhlige (fettige) Substanz und hierauf 3 bis 5 Pfd. Schwefel zu; endlich 2 Cntr. feinen trokenen Kies und rühre dabei beständig um, bis sich Alles gut mit einander verbunden hat. Abgekühlt ist diese Mischung von schiefergrauer Farbe und dicht körnigem Gefüge. – Nr. 2 – wird eben so bereitet wie Nr. 1 und aus denselben Materialien und Quantitäten zusammengesezt; nur nehme ich statt des Harzes Pflanzenpech und mehr Schwefel, nämlich 6 bis 8 Pfd. – Nr. 3 – wird ebenfalls wie Nr. 1 und 2 qualitativ und quantitativ zusammengesezt; nur nehme ich statt des Harzes oder Pflanzenpeches gleiche Theile Harz und Stockton-Theer und reducire den Schwefel auf 4 Pfd. – Nr. 4 – unterscheidet sich von Nr. 3 durch Anwendung gleicher Theile Harzes und Mineral- oder Steinkohlentheers, statt gleicher Theile Harzes und Pflanzenpechs.

Diese Mischungen können für sich allein angewandt werden, indem man sie in erhiztem, flüssigem Zustande in gehörig diker Schicht aufgießt, oder man benuzt sie zu folgenden Compositionen:

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1) kann man sie mit einem der natürlichen Asphalte oder Erdharze oder sonst einer künstlichen Mischung von bituminöser Beschaffenheit verbinden;

2) kann man sie mit kleinen Stükchen Holz auf folgende Art in große Blöke formen: – Ich fülle eine eiserne Form von der Größe, welche die Blöke erhalten sollen, mit einer Anzahl kleiner Holzprismen von ziemlich gleicher Größe und vierekiger oder länglichekiger Gestalt an, welche mit dem Hirnschnitte (with the grain) aufwärts, in regelmäßige Reihen gelegt werden, beschmiere die aneinanderstoßenden Ränder der Stüke mit einer der Mischungen Nr. 1, 2, 3 oder 4 in erhiztem Zustande, so daß sie mit einander verbunden werden und drüke sie so zusammen, daß die ganze Masse einander adhärirt, bedeke dann das Ganze mit einer der erwähnten Mischungen in geschmolzenem Zustande und lege sogleich einige Verbindungslatten oder schmale Holzleisten darauf, von der Länge (oder der Breite) der Masse, die ungefähr einen Zoll weit auseinander einzeln gelegt werden; endlich bringe ich auf die so verbundene Masse schwere Gewichte oder unterwerfe sie auf andere Weise einem starken Druke, damit sie recht fest wird; nachdem sie abgekühlt ist, gieße ich noch eine Schicht einer der erwähnten Mischungen darüber und zwar in der Dike, daß die Holzleisten vollkommen verdekt werden. Der Blok ist nun fertig und hat, wenn er aus der Form herauskömmt, auf der einen Seite eine Holzoberfläche, auf der andern aber eine Oberfläche von der angewandten Mischung. Die Blöke können von gleicher Dike gemacht werden, wo sie dann zu ihrem Zwek ganz geeignet sind; auch können, wo noch größere Dauerhaftigkeit gewünscht wird, doppelte Blöke von gleicher Beschaffenheit angewandt werden, zu welchem Behufe man Blöke aus zwei Lagern von Holzprismen bildet, deren eines man hinlegt, auf obige Weise verbindet und überdekt, worauf man, während der Ueberzug der Verbindungslatten noch warm ist, ein neues Lager von Holzprismen einbettet, aber quer über das erste Lager. Ein so gebildeter Doppelblok hat natürlich beide Oberflächen von Holz.

In manchen Fällen, z.B. wo eine große Durchfahrt und starker Verkehr mit schweren Gütern stattfindet, ist es vortheilhaft, auf den gewöhnlichen festen Grund noch eine zweite Unterlage von Brettern und Asphalt, oder statt des leztern von einem der vier oben erwähnten Gemische und auf diesen leztern Grund erst die Blöke einer der beschriebenen Sorten zu legen, wobei dann die Blöke, wenn sie auf ihrer obern Fläche verdorben sind, schnell umgewendet werden können und man obenauf eine neue Oberfläche geben kann.

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Um die Schlüpfrigkeit zu verhüten, welche man am Holzpflaster tadelt, kann man die Oberfläche der Blöke mit einer Mischung von Oehl, Harz und Schwefel in heißem und geschmolzenem Zustand überziehen, und wenn diese in das Holz eingesunken ist, eine Quantität feinen Kies darüber streuen. Wenn dieser Ueberzug troken ist, kann man noch einen zweiten eben solchen und nöthigenfalls einen dritten und vierten anbringen. Statt der oben erwähnten Holzlatten können auch Längenstüke von Schiefer oder Eisen angewandt werden, wo dann eben so verfahren wird.

3) Eine der obigen Mischungen kann in Verbindung mit Holz in folgender Weise angewandt werden, um einen Fußboden im Erdgeschoße von Gebäuden zu bilden, welcher keine untere Feuchtigkeit hindurchläßt und höchst dauerhaft ist. Der Boden wird zuerst (nachdem er vorher gut niedergestampft und geebnet wurde) etwa einen Zoll hoch mit einer Schicht einer der erwähnten vier Mischungen bedekt, dann werden vierekige Holzblöke von gleicher Größe in die noch warme Mischung, den Hirnschnitt nach Oben, regelmäßig nebeneinander eingesezt. Alle zwischen den Blöken etwa bleibenden Zwischenräume werden mit der Mischung sorgfältig ausgefüllt. Statt der kleinen Blöke von festem Holz kann man auch große Compositions-Blöke auf folgende Weise zubereitet anwenden. Ich nehme eine Anzahl 3 bis 5 Zoll breiter und 10 bis 18 Zoll langer Stüke Tannenholz und lege sie in eine eiserne Form in der Richtung des Hirnschnitts der Länge nach nebeneinander; nun überziehe ich sie einen oder mehrere Zoll hoch mit einer der obigen vier Mischungen in geschmolzenem Zustande und lasse diesen Ueberzug sich sezen und abkühlen, wodurch er sich mit dem Holze fest vereinigt. Man sezt diesen Blök so in den Boden ein, daß das Holz sich oben befindet, welches nachher für immer vor der darunter befindlichen Feuchtigkeit gesichert ist. Bei dieser Art die Hausflur herzustellen, ist kein Gebälke erforderlich. Die Blöke können von beliebiger Länge und Breite verfertigt werden; jedoch nehme ich sie am liebsten 4 Fuß lang und 2 1/2 Fuß breit. Wenn ein recht starker Boden dieser Art erforderlich ist, so lege ich über die Schicht der beschriebenen Holzstüke eine zweite derselben Art, aber in umgekehrter Richtung und auf eine Zwischenlage von einer der vier Mischungen. Beide Schichten werden dann aufeinander gedrükt und wenn die sie verbindende Mischung sich abgekühlt und gesezt hat, so gieße ich über das Ganze noch einen Ueberzug derselben Mischung, damit das zweite Holzlager vollkommen überdekt wird. Man kann statt lauter Blöke von einer Holzsorte oder einer Farbe auch solche von verschiedenen Sorten und Farben nehmen, um |152| dem Fußboden das Ansehen eines getäfelten zu geben. Mehrere Fußböden, welche auf diese Weise schon gelegt wurden, bewähren sich vollkommen.“

Ueber die Brauchbarkeit dieses Materials zum Pflastern von Straßen fehlen bis jezt die Erfahrungen. Daß es sehr dauerhaft sey, scheint aber mit Gewißheit aus folgendem Versuche hervorzugehen. Ein Stük der elastischen Kork-Pflastermischung (siehe unten Nr. 5) von der Größe eines gewöhnlichen Ziegelsteins wurde in eine hydraulische Presse gebracht und hielt den Druk von 25 Tonnen aus ohne Schaden zu leiden. Die Dike desselben wurde von 3 Zoll auf 1 3/4 Zoll reducirt und als es wieder aus der Presse kam, nahm es bis auf 1/4 Zoll wieder seine ursprüngliche Dike an.

Zum Dachdeken und zu andern Zweken, wo auf Leichtigkeit zu sehen ist, bedient sich Hr. Cassell einer von den obigen verschiedenen Mischung, Nr. 5.

Dieselbe besteht aus 1 Cntr. Harz oder Pech, oder beiden, in gleichen Quantitäten gemischt, oder auch Harz mit Stockton-Theer oder mit Mineraltheer in gleichen Quantitäten, 1 Cntr. feinem Kies, 8 Pfd. Schwefel und 4 bis 5 Pfd. Korkholzspänen, was alles, wie oben angegeben, gut vermischt wird. Noch heiß wird diese Mischung aus dem Kessel genommen und in Platten geformt, was durch einen starken hydraulischen Druk zwischen Eisenplatten bewerkstelligt wird, welche durchlöchert und mit Rinnen versehen sind, damit alle Flüssigkeit, welche durch die Presse herausgedrükt wird, an den Seiten und Enden ablaufen kann. Wenn die Blätter oder Platten zum Dachdeken bestimmt sind, so muß ihr ursprüngliches Volum von 4 Zoll auf 1 Viertel oder 1 Zoll Dike reducirt und mit einer feuerfesten Substanz oder Mischung überzogen werden. Wünscht man größere Stärke, so kann jedes Blatt mit Canevaß oder Papier, welches mit einer der Mischungen 1 bis 4 darauf geleimt wird, überzogen werden.

Dasselbe Material kann auch zu Röhren, Wasserkufen, Cisternen etc. verwendet werden.

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