Titel: Lemaître's Blech-Durchschlag- und Nietmaschine zur Verfertigung von Dampfkesseln, Siederöhren etc.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 97, Nr. XL. (S. 161–170)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj097/ar097040

XL. Beschreibung einer Blech-Durchschlag- und Nietmaschine zur Verfertigung von Dampfkesseln, Siederöhren etc., welche von Hrn. Lemaître, Maschinenfabrikant in Chapelle-Saint-Denis bei Paris erfunden wurde.

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement, April 1845, S. 146.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Es ist bekannt, daß das Verfahren der Kesselschmiede Blechtafeln zusammenzunieten darin besteht, daß man von Hand mehrere Hammerschläge auf die Niete gibt, wodurch man den vorstehenden Theil der Niete aufzustauchen und in einen Kopf zu verwandeln sucht. Diese Methode, welche geschikte Arbeiter erfordert, um dauerhafte Vernietungen zu bewerkstelligen, ohne den Blechtafeln zu schaden, verursacht ein betäubendes Geräusch, welches höchst lästig ist. Um diesem Uebelstand abzuhelfen und die Arbeit zu beschleunigen, erfand Hr. Fairbairn, Maschinenfabrikant in Manchester, eine Nietmaschine, worauf er sich im J. 1838 ein Patent ertheilen ließ; dieselbe wirkt durch Druk und ohne Stoß und arbeitet viel schneller und regelmäßiger, als dieß bei der bisherigen Methode der Fall seyn konnte. Diese Maschine, deren Beschreibung man im I. Bd. des von Armengaud unter dem Titel Publication industrielle herausgegebenen Werkes findet18), besteht aus einer gußeisernen conischen Säule (Widerhalt), welche sehr dauerhaft auf einer Grundplatte befestigt ist und oben einen festen Stempel trägt, gegen den ein beweglicher Stempel horizontal drükt, der sich in einer Führung verschieben läßt und an einem Hebel angebracht ist, welcher durch ein Excentricum bewegt wird. Die vorher bis zur Rothglühhize erwärmte Niete wird zwischen die beiden Stempel gebracht und erleidet da einen Druk, welcher hinreicht, um zwei Blechplatten dauerhaft mit einander zu vereinigen. Man machte dieser Maschine zum Vorwurf, daß dabei die Blechtafeln vor dem Nieten nicht gehörig aneinander gedrükt werden können, und daß man nur Blechtafeln von einer gewissen Breite mit derselben zusammennieten kann. Jedenfalls aber ist die Idee sinnreich, und sie fand auch ihre Nachahmer in Frankreich.

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So brachten die Gebrüder Schneider, Eigentümer der Hammerwerke und Gießereien in Creuzot, eine Nietmaschine auf die (Pariser) Industrieausstellung im Jahre 1844, welche sich auf dasselbe Princip gründet wie die von Fairbairn; sie unterscheidet sich aber dadurch, daß sie transportabel ist, daß die Säule oder der Widerhalt, gegen welchen der Druk ausgeübt wird, von Schmiedeisen statt von Gußeisen ist, und daß der Hebel, welcher den beweglichen Stempel bewegt, direct mit einem Dampfkolben in Verbindung ist, statt durch ein Excentricum, Räderwerk und Riemenscheiben bewegt zu werden.19).

Die Maschine von Lemaître, welche wir nun beschreiben wollen, hat vor den angeführten Maschinen den Vorzug, daß sie die Blechtafeln stark gegen einander drükt, und zwar nicht bloß vor dem dem Nieten, sondern auch während desselben und nach demselben. Das Nieten geschieht senkrecht statt durch einen Seitendruk, und mit derselben Maschine kann man auch die Blechtafeln, welche man nachher mit einander verbinden will, durchstoßen oder lochen, ohne daß die Genauigkeit ihrer Arbeit im mindesten dadurch leidet.

Fig. 1 ist eine Seitenansicht der Maschine mit allen ihren Theilen; Fig. 2 eine Ansicht von Vorn; Fig. 3 ein senkrechter Durchschnitt des Hebelträgers und der Nietvorrichtung; Fig. 4 ein horizontaler Durchschnitt des Hebelträgers; Fig. 5 eine horizontale Projection von dem Ende des Widerhaltes und Fig. 6 ein senkrechter Durchschnitt des untern Theiles des Dampfcylinders mit dem Schiebventil.

Dieselben Buchstaben bezeichnen in allen Figuren denselben Gegenstand.

Die zwei Tafeln Eisen- oder Kupferblech A, welche man zusammennieten will, werden horizontal, die eine über der andern, zwischen zwei Stempel gebracht, nämlich zwischen den festen Stempel a und den beweglichen b. Der feste Stempel, welcher oben eine Vertiefung hat, um den Nietenkopf aufzunehmen, ist in ein starkes schmiedeisernes Stük B eingepaßt, welches als Widerhalt oder Anhälter dient, sowohl wenn man nieten, die Platten zusammendrüken, als auch wenn man sie durchlochen will.

Der bewegliche Stempel b, welcher wie der unbewegliche von hartem Gußstahl und unten ausgehöhlt ist, um den zweiten Nietenkopf zu bilden, bewegt sich senkrecht gegen den festen herab. Er ist in einen schmiedeisernen Cylinder c eingepaßt, welcher eine geradlinige, verticale hin- und wiederkehrende Bewegung durch einen großen geschmiedeten Hebel C erhält, dessen Drehungspunkt in dem Kopfe |163| des starken gußeisernen Hebelträgers D liegt. Der Hebel C ist mit seinem einen Ende mit der Kolbenstange E verbunden, welche sich in dem schweren Kolben F, Fig. 6, scharnierartig drehen kann. Der Dampf, welcher in den Cylinder G und unter diesen Kolben tritt, hebt lezteren in dem Cylinder, bewegt auf diese Weise den längeren Hebelarm nach Oben, und dadurch wird der kürzere Hebelarm mit dem Stempel, welcher daran hängt, abwärts gedrükt. Die Wirkung des Dampfes ist demnach direct; d.h. ohne eine excentrische Scheibe, Räderwerk und Riemenscheiben, wie bei der Maschine von Fairbairn. Diese Anordnung gestattet den Druk auf die Niete so lange auszuüben, als man es für nothwendig erachtet; auch hat man durch dieselbe Zeit die Lage des Blechcylinders oder Kessels zu verändern und eine neue Niete einzubringen.

Der Hebelträger D besteht aus zwei Theilen, welche durch Schrauben und den Ring H mit einander vereinigt sind. Er ruht auf Balken I, welche durch die Querbaken J, J getragen werden und die so mit einander verschraubt sind, daß sie gleichsam nur ein Stük bilden, welches auf dem Mauerwerke K, K aufruht. Der horizontale Widerhalt B ist zwischen die zwei Theile, da wo sie cylindrisch sind, eingeklemmt, und ungeachtet der großen Stärke, die aus seinen großen Dimensionen hervorgeht, federt er sich noch um einige Millimeter durch den heftigen Druk, welchen der bewegliche Stempel auf ihn ausübt. Dessenungeachtet hat das System die für die Arbeit nothwendige Stabilität.

Der Stempel b ist mit einer Art Röhre d, Fig. 3, umgeben, welche dazu dient, die zu vereinigenden Blechplatten vor und während des Nietens zusammen zu pressen. Diese Röhre, deren Bewegung von derjenigen des Stempels unabhängig ist, ist in ein Stük L eingepaßt, welches sich zwischen zwei Führungen M, M verschieben läßt. Die Führungen M, M lassen sich nach Bedürfniß reguliren und sind an dem vorderen vorstehenden Theile des Hebelträgers D, der an dieser Stelle gut abgehobelt ist, befestigt. Das Stük L wird durch das Ende eines schmiedeisernen Hebels N bewegt, welcher sich um die nämliche Achse wie der Hebel C dreht; an dem anderen Ende des Hebels ist die Stange O des zweiten Dampfkolbens, der sich in dem einfach wirkenden Cylinder P befindet, befestigt. Lezterer Cylinder hat einen kleineren Durchmesser als der erste. Die Wirkung des Dampfes, welcher unter den Kolben tritt, wird so direct den Hebeln mitgetheilt und durch ein Schiebventil und Zugstangen wird, eben so wie beim ersten Cylinder, die Bewegung des Kolbens regulirt.

Der Dampfcylinder G ist einfach wirkend, indem der Dampf |164| nur unter den Kolben treten und ihn heben kann, aber nicht über denselben, um ihn herabzudrüken. Da das Gewicht des Kolbens, der Kolbenstange und des großen Hebelarmes hinreichend ist, um die Reibung der beweglichen Theile zu überwinden, so bewegt sich der Kolben abwärts, sobald der Dampf aus dem Cylinder austritt. Der Stempel geht dann von selbst in die Höhe und während dieser Zeit ändert man die Lage der zu vernietenden Bleche.

Der Schieber, welcher dazu bestimmt ist, den Cylinder mit dem Dampfkessel oder der äußeren Luft in Verbindung zu bringen, befindet sich in der Büchse e, Fig. 6. Er wird durch eine Verbindung von Hebeln und Zugstangen f, g, h, i von Hand bewegt, die so angebracht sind, daß sie die für den Arbeiter bequemste Lage halben. Zieht man an der Stange i, so geht das Schiebventil abwärts und der Dampf gelangt aus dem Kessel durch die Röhre j in den Cylinder G und unter den Kolben F, der sich dann augenbliklich heben wird. Läßt der Arbeiter die Stange i frei, so geht der Schieber in die Höhe, versperrt dem Dampf den Eintritt und stellt die Verbindung des Cylinders mit der äußeren Luft her. Nachdem der Dampf seine Wirkung unter dem Kolben vollbracht hat, entweicht er durch die Röhre k und der Kolben geht augenbliklich abwärts.

Es ist nun leicht einzusehen daß, wenn sich die Kolbenstange O hebt, die bewegliche Röhre d abwärts geht und stark auf die Blechplatten drükt. Da diese nun an dem Stempel a einen Widerstand finden, so werden sie einander genähert und sind auf einander gepreßt, während der Stempel sich bewegt und auf die Niete wirkt; sobald der Stempel wieder zu steigen anfängt und die Niete fertig ist, steigt auch die Röhre c wieder in die Höhe.

Behandlung der Maschine. – Um eine Vernietung zu machen, wenn die beiden Blechtafeln A auf dem horizontalen Widerhalt B liegen, bringt ein Kind eine rothwarme Niete in das in beide Bleche vorher geschlagene Loch; hierauf öffnet der Arbeiter das Schiebventil in der Büchse l, indem er an der zweiten Stange i' zieht, um den Dampf in den Cylinder P und unter dessen Kolben einströmen zu lassen; dieser steigt sogleich in die Höhe und drükt die bewegliche Röhre d auf die Bleche herab, die dadurch stark zusammengepreßt werden; dann öffnet der Arbeiter das Schiebventil des Cylinders G, der Dampf tritt unter den Kolben F, und der Stempel b geht nun abwärts; zu gleicher Zeit trägt er aber Sorge, daß das Schiebventil in der Büchse I noch geöffnet bleibt, damit der Kolben in seiner höchsten Stellung bleibt und die Röhre d beständig auf die Bleche drükt.

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Damit der Stempel einen starken Druk auf die Niete ausübt, muß der Arbeiter die Stange i rasch anziehen; hiedurch bewirkt er eine sehr schnelle Bewegung, eine Art Schlag, was die Wirkung der Maschine bedeutend vermehrt; er gibt gewöhnlich zwei Schläge, um eine desto dichtere Nietung zu erhalten.

Um den Stoß der Hebel C und N bei ihrem Niedergange zu schwächen, brachte man einen Holzkloz S an, auf welchem die Hebel aufliegen, sobald sie die in Fig. 1 durch punktirte Linien angedeutete Stellung einnehmen.

Ist die Niete fertig, so läßt der Arbeiter die Stange i los, damit der Schieber der ersten Büchse e den Dampf durch die Röhre k entweichen läßt, der Kolben F abwärts geht und der Stempel b aufwärts; hierauf läßt er die Stange i' los, damit der zweite Schieber in l dem Dampfe den Abzug durch die Röhre m gestattet und der Kolben in dem zweiten Cylinder P sich senkt.

Die so eben beschriebene Maschine dient auch um Blechtafeln vor dem Nieten zu lochen und zwar bloß dadurch, daß ihr noch ein beweglicher Durchschlag p vor dem Stempel beigegeben wurde; derselbe wirkt durch den Mechanismus, der das Abwärtsgehen der Röhre bewirkt, welche die Bleche zusammenpreßt.

Dieser Durchschlag ist in eine eiserne Hülse Q, Fig. 2, eingepaßt, die sich um einen Zapfen n drehen läßt. Gebraucht man ihn nicht, so wird er aufwärts geschlagen und in der in Fig. 1, 2 und 3 gezeichneten Stellung durch einen Stift t festgehalten. Diese Hülse mit ihrer Achse ist in ein Stük R eingepaßt, welches mittelst Schrauben mit L fest verbunden ist. Das Stük R bewegt sich in den verticalen Führungen und wird durch den großen Hebel N bewegt, der oben auf dasselbe drükt.

Das durchzuschlagende Blech wird auf die Matrize o gelegt, welche am Ende des horizontalen Widerhaltes angebracht ist. Vier Stellschrauben gestatten, daß dieselbe centrirt und genau an die Stelle gebracht werden kann, welche sie einnehmen muß.

Man sieht hieraus daß, wenn der Arbeiter an der Stange i' zieht, um das Schiebventil des zweiten Cylinders P zu öffnen, der Kolben mit der Kolbenstange O sich heben und durch den kurzen Arm des Hebels N den Durchschlag niederdrüken muß. Bei jedem Niedergange drükt nun der Durchschlag p ein Loch durch das Blech.

Diese Operation muß sehr schnell geschehen und deßwegen muß das Schiebventil rasch geöffnet werden, damit die Kolbenbewegung eine sehr schnelle ist und einen Stoß hervorbringt; denn wenn man den Schieber langsam öffnen wollte, würde der Durchschlag das Blech nur stark pressen, ohne ein Loch durch dasselbe zu machen. Da die |166| Löcher in gleichen Entfernungen von einander geschlagen werden müssen, brachte Hr. Lemaître an der Seite des Stükes R eine Alhidade q, Fig. 2 an, die aus einem Arme besteht, welcher auf die Achse r aufgestekt und daselbst durch eine Stellschraube befestigt ist, und dessen anderes Ende mit einem Kreise versehen ist, dessen Durchmesser dem des Nietenloches gleich ist. Um sich zu versichern, ob die Mitte des zu schlagenden Loches mit der Mitte des Durchschlags zusammenfällt, dreht der Arbeiter den kleinen Handgriff s, bis das Ende der Alhidade der unteren Fläche des Durchschlages entspricht. Hierauf verschiebt man das zu durchlochende Blech rechts oder links, vorwärts oder rükwärts, bis die Stelle, an welcher das Loch geschlagen werden soll, mit der Alhidade zusammenfällt.

Man zieht es gewöhnlich vor, die Operation des Durchlochens und des Nietens getrennt vorzunehmen und fängt damit an, zuerst eine Reihe Löcher in den Rand eines Bleches zu machen, ehe man die entsprechenden in das zweite Blech, welches mit dem ersten vereinigt werden soll, schlägt. Man bringt dann die beiden Blechenden, welche übereinander kommen müssen, auf einander und läßt sich nun beim Lochen des zweiten Bleches durch die Löcher im ersten leiten.

Die Löcher in den Blechtafeln sind zuweilen ganz cylindrisch; es wäre jedoch besser ihnen eine conische Form zu geben, so daß die vollendete Niete die Form von zwei abgestuzten Kegeln hat, welche mit ihren Spizen einander gegenüber liegen; von der Berührungsfläche der beiden Blechtafeln an müßten die Kegel dann divergiren. Auf diese Weise würde der Durchschnitt des Nietenloches in beiden Blechtafeln wie eine Schwalbenschwanzverbindung aussehen; offenbar würde durch den starken Druk die Niete sich aufstauchen und die Oeffnung vollkommen ausfüllen, wodurch eine sehr dauerhafte Verbindung entstünde; da die Bleche während des Nietens stark zusammengepreßt sind, müßte auch die Vernietung sehr dicht werden, weil kein Stauchen der Nieten zwischen den zwei Blechen stattfinden kann.

Fabrication der Nieten. – Die Nieten müssen von weichem aber sehnigem Eisen verfertigt werden, welches sich warm gut verarbeiten läßt und nicht kaltbrüchig ist. Man macht sie ungefähr wie die Nägel und Hr. Lemaître wendet dazu den kleinen in Fig. 7 von der Seite, in Fig. 8 von Vorn, in Fig. 9 in verticalem und in Fig. 10 in horizontalem Durchschnitte gezeichneten Apparat an.

Derselbe besteht aus einem gußeisernen, schweren Stok A, der in der Mitte hohl ist und an seinem oberen Ende B die Form eines gewöhnlichen Amboßes hat, während sein unteres Ende durch eine |167| Fußplatte C gebildet wird, die auf einer Holzunterlage ruht. Der hohle Theil des Stokes wird 1) durch das Nageleisen D eingenommen, worin der Cylinder a stekt, auf welchen die Niete b zu stehen kommt, nachdem sie vorher zur gehörigen Länge abgehauen und rothwarm gemacht wurde; 2) durch eine eiserne Stange E, welche mit ihrem Ansaze auf dem Sokel des Stokes aufsteht und an ihrem oberen Ende ausgebohrt ist, um den Cylinder a aufzunehmen; 3) durch einen Hebel F, der sich um einen Zapfen e dreht und, indem er durch einen Schliz in der Stange E geht, die Niete in die Höhe hebt und aus dem Nageleisen herausbringt, nachdem der Kopf auf dieselbe gestaucht wurde. Ein starkes Querstük d, welches in Fig. 11 besonders gezeichnet ist, geht durch den Stok; es ist durch einen Keil in demselben befestigt und die Stange E, welche durch dasselbe geht, wird dadurch in ihrer verticalen Lage erhalten, so daß sie sich, während man mit dem Vorschlaghammer die Niete schmiedet, nicht bewegen kann.

Man wechselt das Nageleisen und die Stange je nach dem Durchmesser und der Länge der Nieten, welche man machen will, aus.

Die in den beiden Seiten des Stokes angebrachten Löcher gestatten, daß man den Hebel in der durch die Länge der Niete bedingten Höhe befestigen kann.

Die Anordnung dieses Apparates macht die Fabrication der Nieten sehr regelmäßig und sehr schnell; ein Schmied ist im Stande bis gegen 100 Kilogramme täglich zu verfertigen, und es ist deßhalb nicht nöthig, sie mittelst Maschinen darzustellen.

Hr. Lemaître hat neben seiner Nietmaschine einen kleinen Glühofen erbaut, in welchem er auf einmal eine große Menge Nieten zur Rothglühhize bringen kann. Fig. 12 zeigt diesen Ofen in der Längenansicht, Fig. 13 in einem senkrechten Längendurchschnitt,

Fig. 23 im Querschnitt und Fig. 24 in horizontalem Durchschnitte im Niveau des Herdes.

A massives Mauerwerk des Ofens. B Rost. C Aschenfall, D Herd, worauf man die zu wärmenden Nieten bringt. E Kamin aus Blech, der mit einem Dämpfer F versehen ist, welcher in Thätigkeit kommt, sobald man mit dem Fuße auf den Tritt G tritt. In diesen Fußtritt ist eine Stange H eingehängt, die mit dem Hebel I verbunden ist, welcher auf der Querachse J befestigt ist; in den andern Arm dieses Hebels ist eine andere Stange K eingehängt, welche mit dem Hebel des Dämpfers in Verbindung ist. L, M Thüren von Baksteinen in eisernen Rahmen, wovon die eine dazu dient das Brennmaterial auf den Rost zu bringen, die andere, um die zu wärmenden Nieten auf den Herd aufzugehen. Diese Thüren sind mit Stangen |168| versehen, welche in Ketten eingehängt sind, die sich um kleine Kreissegmente a legen; dieselben sind auf der Achse J befestigt, welche in drei Lagern b, b, b liegt. Sobald die Nieten rothglühend sind, tritt der Knabe, welcher den Ofen zu versehen hat, auf den Fußtritt, wodurch die Thüre M sich öffnet und der Dämpfer den Kamin schließt, um den Luftzug zu vermeiden, welcher in dem Kamin entstehen und die Nieten abkühlen würde. Der Knabe ergreift hierauf die Nieten mit einer Zange und wirft sie einem andern zu, welcher ebenfalls eine Zange hat, sie aufhebt und in die in den Blechplatten angebrachten Löcher stekt. Drei Arbeiter und zwei Knaben sind zur Bedienung der Maschine erforderlich; der eine hält den Kessel am Ende, der zweite besorgt die Schiebventile und der dritte regulirt die Lage des Stükes, so daß es beim Lochen genau unter den Durchschlag kommt, oder beim Nieten genau zwischen die Stempel.

Man kann mit dieser Maschine in einem Tage, zu 11 Arbeitsstunden gerechnet, 400 Löcher schlagen und eben so viele Vernietungen machen, wenn man mit starken Blechen zu thun hat; während, wenn man von Hand arbeitet, die drei Arbeiter nur zwischen 80 und 130 Vernietungen in derselben Zeit zu Stande bringen, wenn die Bleche schon zum Voraus gelocht waren.

Hr. Lemaître stellte zum Betrieb seiner Maschine ein Hebewerk her, welches auf einer Art hängender Eisenbahn beweglich ist, die durch die hölzernen Säulen getragen wird, welche die Hauptstüzen des Schoppen sind, womit der ganze Apparat bedekt ist. Mittelst dieses Mechanismus kann man sehr große Stüke transportiren und sie mit Leichtigkeit bewegen.

Fig. 16 ist eine allgemeine Ansicht des Zimmerwerkes, woraus der Schoppen besteht, worin auch die Stellung der Nietmaschine zu ersehen ist, und die Art wie die Kessel aufgehängt werden.

Fig. 17 stellt den Wagen mit dem Hebewerke dar.

Fig. 18 Stirnansicht des Räderwerkes, mittelst dessen man die zu bearbeitenden Stüke hebt und senkt.

Fig. 19 dasselbe von der Seite gesehen.

Fig. 20 verticaler Durchschnitt der Trommeln, um welche sich die Ketten wikeln, die das zu bearbeitende Stük schwebend erhalten.

Fig. 21 dieselben von Oben gesehen.

Fig. 22 Mechanismus zum Bewegen der Sperrklinken.

Fig. 23 zwei Ansichten des Flaschenzuges.

Fig. 24 zeigt die Art, wie die Ketten um die Trommeln und die Rollen des Flaschenzuges geschlungen sind, durch Linien dargestellt.

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Dieselben Buchstaben bezeichnen in allen Figuren denselben Gegenstand.

A Balkenwerk des Schoppens. B oberer Balken, welcher die eisernen Schienen a trägt, worauf die Wagenräder C, C laufen.

b, b Rollen, welche an der Achse der Räder befestigt sind und über welche die endlose Kette c, c geht, die den Wagen und seine Räder bewegt. d, d Leitrollen, welche an den beiden Enden des Balkens B sich befinden und über welche ebenfalls die Kette geht. Die Enden e, e dieser Kette sind an der Rolle b' und an der Rolle d' befestigt; die anderen Enden c', c' hängen herab, so daß sie der Arbeiter ergreifen kann, nachdem sie vorher über die Leitrollen f, f gegangen sind. Zieht nun der Arbeiter an der einen Kette c', so bewegt er den Wagen nach links; zieht er aber an der andern, so geht derselbe wieder zurük.

An den Achsen der Räder hängt ein eiserner Wagen D, welcher die Trommeln E, E' trägt, auf welche sich die Kette g, g aufwikelt. An dieser Kette hängt unten ein Flaschenzug F, der mit einem Haken j versehen ist. Dieselbe Kette geht oben über eine Rolle G, die zwischen den beiden Trommeln liegt. Zieht man unten an einer endlosen Kette h, welche um die Scheibe i geschlungen ist, so dreht man dadurch die beiden Trommeln E, welche, indem sie die Kette g aufwikeln, den Flaschenzug F mit dem daran gehängten Stüke in die höhe ziehen. Fig. 24 zeigt, auf welche Weise die Kette über die Rollen und Trommeln geschlungen ist.

An den Haken j ist eine Rolle k gehängt, worüber die Kette l geht, an welche der Kessel H gehängt ist. Es ist nun leicht einzusehen daß, wenn die Trommeln in entgegengesezter Richtung gedreht werden, die Kette sich abrollt und das zu bearbeitende Stük sich senkt.

Die Bewegung wird den Trommeln durch ein Räderwerk mitgetheilt, welches wir nun beschreiben wollen.

Die Achse der Treibrolle i trägt ein Getriebe m, welches mit dem Rade n im Eingriffe ist; auf die Achse dieses Rades ist ein anderes Getriebe o aufgekeilt, welches das große verzahnte Rad p treibt, das auf der Trommel E befestigt ist; ein Getriebe q, Fig. 18, bewegt das Rad r der zweiten Trommel E'.

Um die Last zu heben, zieht der Arbeiter an der endlosen Kette h und dreht dadurch die Scheibe i, welche ihre Bewegung dem Räderwerke mittheilt; die Ketten g, g wikeln sich auf die Trommeln E, E' und das Stük wird gehoben: will man es niederlassen, so zieht man an der anderen Seite der Kette, die Scheibe i dreht sich dann in |170| entgegengesezter Richtung und die Ketten g, g rollen sich ab und verlängern sich.

Ist das Stük unter die Nietmaschine gebracht, so hemmt man die Bewegung der Trommeln dadurch, daß man an einer Kette s zieht, die an einen Hebel t gehängt ist, der ein verzahntes Segment u trägt, welches in eine am Ende des Hebels v angebrachte Zahnstange eingreift. Dieser Hebel bewegt zwei Sperrklinken x, x, welche in die Zähne der Räder p und r einfallen und deren Drehung verhindern, eben so wie die der Trommeln, mit welchen sie verbunden sind. Will man die Räder wieder frei machen, so zieht man an der andern Kette s, wodurch der Hebel v zurükweicht und die Sperrklinken aushebt.

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Im polytechnisches Journal Bd. LXXVI S. 29.

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Sie ist im polytechn, Journal Bd. XCV S. 3 beschrieben.

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