Titel: Kronheim's Verfertigung von Stereotypplatten.
Autor: Kronheim, Joseph Martin
Fundstelle: 1845, Band 97, Nr. XLIX. (S. 177–179)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj097/ar097049

XLIX. Verbesserungen in der Anfertigung von Stereotypplatten, worauf sich Joseph Martin Kronheim, Kupferstecher zu London, einer Mittheilung zufolge, am 29. Jul. 1844 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem London Journal of arts, April 1845, S. 161.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Die Verbesserungen bestehen

1) in einer verbesserten Methode, aus Lettern oder andern erhabenen Drukflächen Matrizen oder Formen herzustellen, in welchen die Stereotypplatten gegossen werden;

2) in einem Apparat, um die erwähnten Matrizen zu halten und die Stereotypplatten zu gießen. Das Verfahren hiebei ist nachstehendes. Nachdem die aus zusammengefügten Lettern bestehende Leite oder Form auf die gewöhnliche Weise zubereitet und fest zusammengefaßt worden ist, wird dieselbe, die Rükseite abwärts gekehrt, auf einen flachen Tisch gelegt, um mittelst einer plastischen Composition im Contre-Relief einen Abdruk von derselben zu nehmen. Diese plastische Komposition besteht aus folgenden Ingredienzien, die in dem bezeichneten Verhältniß mit einander vermengt werden. Ungefähr 6 1/2 Pfd. feines Weizenmehl werden mit ungefähr 9 1/2 Pfd. Stärke vermengt; diese Masse wird mit ungefähr 5 Pfd. Wasser und 1/4 Unze Alaun wohl unter einander gearbeitet und auf gewöhnliche Weise zu Brei gekocht. Ist dieser Brei kalt geworden, so kommen zu je 4 1/2 Pfd. desselben 4 Pfd. fein pulverisirte und fein geschlämmte Kreide; das Ganze läßt man endlich durch ein feines Sieb oder zwischen einem Walzenpaar hindurchgehen.

Mit dieser Composition als Brei werden drei oder mehrere Blätter Seidenpapier an ein Blatt starkes Löschpapier befestigt, wodurch man eine Lage von Materialien, die man eine „Flanke“ (a flanc) nennt, erhält. Diese Flanke wird in einer Presse auf dieselbe Weise wie Pappdekel gepreßt; nach 3 bis 4 Tagen ist dieselbe ziemlich troken und für den Gebrauch fertig. Die auf oben erwähnte Weise auf einen flachen Tisch gelegte Letternform muß nun in einen Rahmen geschlossen und die Letternfläche sorgfältig gereinigt werden, Auf diese Fläche nun wird die Flanke in feuchtem Zustand glatt aufgelegt, und mittelst einer Bürste sanft aufgedrükt, um das plastische Material der Flanke in die Vertiefungen in und zwischen den Lettern einzudrüken. In dieser Lage bleibt die Flanke und wird durch flache Gewichte oder Metallplatten überall gleichförmig angedrükt; die lezteren |178| sind mit vielen kleinen Löchern durchbohrt, damit die Feuchtigkeit der Flanke leichter verdunsten kann. Wenn nun die Flanke vollkommen troken ist, so ist sie eine harte Matrize geworden, an ihrer Rükseite flach, an ihrer Borderfläche aber nach der Gestalt der Lettern im Contre-Relief vertieft. In diesem Zustand wird die Flanke als Matrize benüzt, in welche das Letternmetall zur Herstellung einer Stereotypenplatte gegossen werden kann. Um mit Hülfe dieser Matrize Stereotypplatten zu gießen, wird dieselbe in einem Apparat befestigt, welcher aus einem geeigneten Gestell besteht, worauf die Form mit ihrem Zugehör befestigt ist. Fig. 44 stellt den Apparat im Grundriß, Fig. 45 im Grundriß bei geöffneter Form und Fig. 46 im mittleren verticalen Durchschnitt dar. Die leztere Figur zeigt die Form in geschlossenem gußfertigem Zustand.

Das hölzerne Gestell a, a, a trägt eine starke Bank b, woran eiserne Träger c, c befestigt sind. Leztere dienen zur Aufnahme der Zapfen d, d, um die sich die Formbüchse e, f mit ihrem Leitrahmen und Zugehör dreht. Die Formbüchse besteht aus zwei flachen Platten, die mit einem verschiebbaren Scharnier g verbunden sind; dieses tritt durch lange in den Scharnierträgern h, h und i, i befindliche Schlize; die Scharnierträger aber sind an die unteren Theile der Platten e, f befestigt. Wenn die Formbüchse, wie in Fig. 45, offen ist, so fällt die Platte f, wie die Punktirungen in Fig. 46 andeuten, auf ihr Scharnier zurük.

Soll nun eine Stereotypplatte gegossen werden, so muß man zuerst die Formbüchse erwärmen, damit das flüssige Metall während des Gießens nicht plözlich erstarre. Zu dem Ende wird zwischen die Platten e und f eine heiße Metallplatte eingefügt; die Schlize in den Trägern h, h und i, i gestatten nämlich, die Formbüchse für diesen Zwek weit genug zu öffnen. Auch die Compositionsmatrize sollte erwärmt werden. Die erwärmte Formbüchse bringt man in eine horizontale Lage und zieht, wie Fig. 45 zeigt, ihre obere Platte l zurük. In dieser Lage stüzt man die Formbüchse durch einen Hebel j. Die Compositionsmatrize k, k legt man auf die flache Platte e, und um das Anhängen des Gusses an die Matrize zu verhüten, bestäubt man ihre Oberfläche und Zwischenräume überall mit Talkpulver, welches nachher sorgfältig abgewischt werden muß. Hierauf legt man auf die Vorderfläche der Matrize winkelig umgebogene ungefähr 1/8 Zoll dike Metallstreifen l und m, um die Dike der Stereotypplatte zu bestimmen. Der Streifen m läßt sich in der Hülse n verschieben, um die Breite des Gusses zu adjustiren.

Nachdem auf diese Weise die Matrize auf die horizontale Platte e und die Streifen l und m an den Rand der Matrize gelegt worden |179| sind, so muß die Platte f, welche man vorher mit Papier überzogen hat, niedergeklappt werden um die Matrize einzuschließen; die zwischen den Platten e und f fest liegenden Streifen l und m bilden nun in Verbindung mit den lezteren die Formbüchse. Der um q drehbare horizontale Hebel p wird sodann über die Formbüchse gebracht und sein gabelförmiges Ende wie Fig. 44 zeigt, in Kerben an der andern Seite des Gestells eingelegt. Wenn die durch den Hebel p gehende Schraube s auf die Rükseite der Platte f niedergedreht wird, so werden dadurch die Platten f und e fest an einander gedrükt. Um nun die Form in eine verticale Lage zu bringen, muß der Hebel j zurükgezogen, und die Formbüchse e, f mit ihrem Leitrahmen r und Zugehör um ihre Zapfen d, d in die Fig. 46 dargestellte Lage gedreht werden. Jezt stekt man nur noch zwei kleine Keile seitwärts in die enge Oeffnung der Form, woraus diese zur Aufnahme des flüssigen Letternmetalls bereit ist.

Das auf die gewöhnliche Weise geschmolzene Letternmetall wird oben in die Form gegossen und füllt sofort alle Vertiefungen der Compositionsmatrize aus, während die Rükseite des Gusses durch die Oberfläche der Platte f glatt ausfällt. Da die leztere mit einem Blatt Papier überzogen ist, so kann während des Gusses die Luft aus der Form entweichen.

Ist die Stereotypplatte erkaltet, so kann sie aus der Form herausgenommen werden, indem man, wie Fig. 46 zeigt, die Platte f zurükschlägt, die Metallstreifen l und m abnimmt und die Matrize k herauszieht. Nachdem schließlich die Ränder des Gusses gerade geschnitten worden sind, erscheint derselbe als eine vollkommene Stereotypplatte.

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