Titel: Ueber die Anfertigung von Stiftstiefeln und den Gebrauch der dazu erforderlichen Werkzeuge.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 97, Nr. XC. (S. 333–342)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj097/ar097090

XC. Ueber die Anfertigung von Stiftstiefeln und den Gebrauch der dazu erforderlichen Werkzeuge.

Aus dem Berliner Gewerbe-, Industrie- und Handelsblatt Bd. XVI Nr. 1 u. 2.

Mit Abbildungen auf Tab. V.

Die holzgenagelte Fußbekleidung (Stiftstiefeln), eine amerikanische Erfindung, welche der Schuhmachermeister Andresen in Preußen eingeführt und sich um deren Verbreitung mit uneigennüzigem Eifer verdient gemacht hat, findet bei allen Einsichtsvollen und Unparteyischen immer mehr Eingang und verdrängt wegen ihrer großen Vorzüge im Interesse des verbrauchenden Publicums, wie in dem der Schuhmacher, die alte Art Schuhzeug mehr und mehr.52)

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Es dürfte daher an der Zeit seyn, zu einer allgemeinen Verbreitung eine ausführliche Beschreibung der Art und Weise der Herstellung dieses Schuhzeugs mitzutheilen:

A. Anweisung zur Anfertigung und Reparatur der Stiftstiefeln.

Die Stiftstiefeln werden eben so zugeschnitten und die Schafte derselben eben so angefertigt, wie bei gewöhnlichen Stiefeln. Der sogenannte Rand fällt indessen fort und die Sohle wird mit dem übrigen Theil des Stiefels durch dreierlei vierkantige, auf einer Maschine aus trokenem zähem Holz geschnittene Stifte, den sogenannten Sohlenstiften, als den kürzeren und feineren, den Kappenstiften, als den mittleren, und den Absaz- oder Flekenstiften, als den größeren und stärkeren, verbunden.

Für jede Stiftart ist zum- Vorstechen ein besonderer gerader Pfriemen oder Orth erforderlich, da die durch ihn gestochenen runden Löcher der Stärke der Stifte angemessen, jedoch der besseren Haltbarkeit wegen etwas kleiner seyn müssen.

Ist die Brandsohle genau nach dem Maaße und dem Leisten zugeschnitten und auf lezterem durch drei eiserne Nägel, die später wieder herausgenommen werden, befestigt, so wird der Leisten mit seinen Weiterungen in den Stiefel gethan, das Oberleder und der Hintertheil des Schafts mit der Kappe wie gewöhnlich, jedoch ein wenig weiter, und so scharf umgezwikt, daß das umgebukte Leder auf allen Seiten etwa 1/2–5/8 Zoll über die Brandsohle hinübergreift, und vorläufig durch einige eiserne Nägel mit der lezteren in derselben Art verbunden, als ob der Rand angestochen werden sollte.

Reicht das nach der gewöhnlichen Schablone zugeschnittene Ober- oder Kappenleder bei einem sehr langen und breiten Fuß nicht gleich 1/2–5/8 Zoll über die Brandsohle hinweg, so muß es angefeuchtet und mit der Zwikzange mehr ausgerekt werden, was ohne allen Nachtheil für die Dauerhaftigkeit der Stiefeln geschehen kann. Die Anfänger glauben meistentheils das Oberleder müsse, wie der Hintertheil des Schafts, zu Stiftstiefeln weiter und länger geschnitten werden; sie überzeugen sich jedoch im Fortgang der Arbeit bald, daß es nicht nöthig sey.

Ist die Arbeit bis auf den erwähnten Punkt geführt, dann wird das Oberleder durch um 1/5 ihrer Länge verkürzte, die Kappe und der Hintertheil des Schafts aber, weil hier das Leder doppelt liegt, durch unverkürzte Sohlenstifte auf der Brandsohle so befestigt, daß in das Oberleder auf je 2 Zoll Länge etwa 5, in den Hintertheil des Schafts und die Kappe jedoch, um den |335| Absaz herum, auf je 2 Zoll Länge etwa 9–10 Stifte eingeschlagen werden (vergl. Fig. 4).

An der Spize des Stiefels, wo das Oberleder beim Umlegen von drei Seiten her kleine Falten schlägt, wird der obere Theil dieser Falten weggeschnitten und ihr mit der Brandsohle durch verkürzte Sohlenstifte verbundener Rest vermittelst des Hammers vollkommen eben geklopft.

Die Verkürzung der Sohlenstifte, die in dieser Gestalt Heftstifte genannt werden, geschieht nur zur Schonung des Leistens, da die Stifte unverkürzt zu tief in ihn eindringen, ihn beschädigen und sehr bald abnüzen würden. Um den Arbeitern diese immer etwas zeitraubende Verkürzung zu ersparen, können die Stifte von vorne herein so kurz angefertigt, und die Heftstifte als eine vierte Art den übrigen Stiftarten angereiht werden.

Die Verbindung der Kappe mit der Brandsohle muß sehr sorgsam geschehen und wohl darauf geachtet werden, daß die hiezu verwendeten Sohlenstifte durch das Leder des Hintertheils des Schafts, der Kappe und der Brandsohle bis in den Leisten hineindringen, weil, falls hier die Befestigung nachlassen sollte, eine Reparatur sehr schwierig auszuführen ist.

Nachdem die drei eisernen Nägel aus der Brandsohle gezogen worden, wird die Kante des umgezwikten Ober-, Hinter- und Kappenleders ein wenig abgeschärft und der Raum zwischen demselben auf der unbedekten Brandsohle mit einer aus Abfallleder geschnittenen einfachen Einlage ausgefüllt, abgeebnet, die Einlage fest gekleistert und ihr Rand nach allen Seiten hin abgeschärft.

Hiebei ist zu merken, daß der beste Theil der gewöhnlich fahlledernen und niemals starken Einlage zum Gelenk genommen oder dorthin gelegt wird, wo sich die Sohle zwischen dem Ballen und Absaz verjüngt, um hier dem Stiefel oder vielmehr der Sohle mehr Steife oder Festigkeit zu geben. Um diese noch mehr zu erhöhen, wird die Einlage hier durch ein Stük Sohlenabfallleder verstärkt, welches aufgekleistert, nach allen Seiten hin abgeschärft und an seinen beiden Enden und in feiner Mitte durch einen Sohlenstift mit der Einlage und der Brandsohle noch inniger verbunden wird.

Die Verstärkung der Einlage ist nöthig, damit der Stiefel sich beim Ausziehen im Gelenk nicht einbiegen und das Ausziehen erschweren kann. Keinenfalls darf zur Einlage Span genommen werden, weil dieser sich zerbrökelt und die spätere Reparatur, vornehmlich das Verfielen der Sohle in ihrer Mitte, wenn auch nicht unmöglich, doch weniger dauerhaft macht und erschwert. Schuhmachern, welche sich einmal an den. Gebrauch der Spaneinlage gewöhnt |336| haben, wird es sehr schwer, sich dieser alten Gewohnheit zu entäußern, und man hat in der Regel große Mühe, sie von der Unzwekmäßigkeit der Spaneinlage bei Stiftstiefeln zurükzubringen. Endlich wird die Sohle, welche entweder nach der Brandsohle, aber ein wenig größer als diese, oder nach dem bis hieher vollendeten Stiefel genau in der Größe und Form geschnitten ist, die sie beim fertigen Stiefel haben muß, auf die Einlage gelegt, sorgsam aufgepaßt, aufgekleistert und mittelst drei in ihrer Mitte eingeschlagener eiserner Nägel, die später wieder herausgenommen werden, befestigt und vom Gelenk aus rund herum, bis wieder zum Gelenk, und zwar auf dem umgezwikten Theil des Oberleders durch zwei Reihen Sohlenstifte, von denen die äußere Reihe zuerst und die Stifte der zweiten Reihe hinter den Zwischenräumen der ersteren eingeschlagen werden, und auf dem umgezwikten Theil des Hinterschafts und der Kappe durch eine Reihe Kappenstifte festgenagelt (vergl. Fig. 5). Damit die Stifte einer Reihe genau in eine und dieselbe Linie zu stehen kommen, wird diese vorher, und zwar 1/4 Zoll vom Sohlenleder und die zweite Linie 1/8 Zoll von der ersteren entfernt, beide aber parallel mit dem Sohlenrande, vermittelst eines Schuhmachermessers oder irgend eines anderen Instruments vorgezeichnet (eingerissen). Die Stifte der zweiten Reihe werden aber hinter den Zwischenräumen der Stifte der äußeren Reihe eingeschlagen, damit die Sohle mit dem Oberleder desto inniger verbunden, dem Staub und der Feuchtigkeit das Eindringen in den Stiefel desto mehr erschwert, und das Sohlenleder nicht an gleichen Stellen durch die Stiftlöcher geschwächt werden.

Der Orth muß beim Einschlagen der Löcher etwas schräg gehalten werden, so daß er sich nach außen neigt, und daß, wenn man ihn mittelst eines Hammerschlags bis in den Leisten hineintreibt, die etwas kleinere Brandsohle auch von ihm respective 1/4 und 3/8 Zoll von ihrer Kante durchbohrt wird.

Dieß ist um so wichtiger, als hievon zum Theil die Dauerhaftigkeit der Versohlung abhängt.

Davon, ob es geschehen, und ob die Stifte sämmtlich durch die Brandsohle hindurch gekommen sind, kann man sich sehr leicht durch den Augenschein und das Gefühl überzeugen, wenn man, nachdem der Stiefel fertig und der Leisten herausgenommen ist, in jenen hineinblikt und nach der Spize zu hineintastet.

Hat der Arbeiter sich einmal an das richtig geneigte Halten des Orths gewöhnt, so wird er kaum jemals dagegen wieder verstoßen.

Auf jeden Zoll Länge kommen etwa sieben Stifte in einer Reihe, mithin in beiden Reihen vierzehn Stifte.

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Um dem Gelenke noch mehr Festigkeit zu geben, erhält dasselbe auf jeder Seite drei Stiftreihen, wie in Fig. 6, oder statt der dritten Reihe, in der Mitte zwischen den Seitenreiben zwei Stiftreihen, 1/8 Zoll weit von einander entfernt, wie Fig. 7 zeigt.

Das vollständige Zuschneiden der Sohle, bevor sie aufgestiftet wird, ist deßhalb nöthig, weil sie sich so innig mit dem Oberleder und Schaft verbindet daß, wenn sie später, wie es bei gewöhnlichen Randstiefeln geschieht, beschnitten und geändert werden sollte, der Schuhmacher Gefahr laufen würde in das Oberleder und den Hintertheil des Schafts einzuschneiden.

Die Anfertigung der Absäze geschieht erst, wenn die Sohle vollständig befestigt ist, und unterscheidet sich kaum von der an gewöhnlichen Stiefeln; nur wird vom Stiftschuhmacher der Unterfleken erspart. Statt dessen nagelt er einen hufeisenförmigen Randunterfleken (Köder) auf, wozu er sich des Sohlenabfallleders bedient und den er auf ähnliche Weise aus einem geraden Lederstreifen herstellen kann, wie er bei der Stiefelspize verfuhr, indem er die oberen Theile der bei der Biegung des geraden Lederstreifens entstehenden Falten fortschneidet und den Unterfleken eben klopft; vergl. Fig. 8 und 9; Fig. 9 zeigt den Köder und den Hintertheil des Stiefels.

Dieser wird, je nachdem seine Stärke es erfordert, entweder mit Kappenstiften, wenn diese noch bis in den Leisten hineinreichen sollten, oder besser mit Absazstiften aufgenagelt. Er hat den Zwek, die Sohle, die sich hier über dem Leisten ein wenig gewölbt hat, unter dem Absaz abzuebnen; es muß daher auch seine innere Kante abgeschärft werden.

Jeder Absazfleken wird besonders mit Absazstiften aufgenagelt. Hat der Absaz die verlangte Höhe erhalten, so wird er mit dem Köder, wie es bei gewöhnlichen Stiefeln geschieht, beschnitten. Ein Heraufklopfen der Sohle um den Hintertheil des Schafts oder der Kappe, ein sogenannter Anschlag, der häufig den gewöhnlichen Stiefeln gegeben wird, scheint nicht zwekmäßig. Jedoch kann die Sohle, wenn sie nicht ausreichen sollte, unter dem Absaz angestükt werden. Ein Anschlag dieser Art, wie ein solches Anstüken genannt wird, ist unschädlich.

Die alleinige Schwierigkeit bei Herstellung von Stiftstiefeln besteht für den Anfänger im Einschlagen der hölzernen Stifte, läßt sich indessen sehr bald überwinden. Ist mit dem geraden runden Orth durch Hülfe des Hammers das Loch für einen Stift gestochen |338| und dieser mit dem Daum- und Zeigefinger und einen kurzen und scharfen Hammerschlag in jenes so weit hineingedrükt, daß er feststeht, so muß der Hauptschlag mit dem Hammer so geführt werden, daß er den Stift in der Richtung seiner Achse trifft und ihn seiner ganzen Länge nach in die Sohle, das Ober- oder Kappenleder, die Brandsohle und noch ein wenig in den Leisten hineintreibt. Fällt der Hammer nicht in der Richtung der Achse des Stifts auf diesen, so springt lezterer entweder fort, oder er zerbricht, und ist der Schlag nicht kräftig genug, so dringt der Stift nicht seiner ganzen Länge nach ein, zersplittert zum Theil und bekommt einen Kopf. Durch das Zerbrechen des Stifts erwächst indessen kein Nachtheil für die Haltbarkeit des Stiefels; denn es läßt sich in den alten Stift wieder ein neues Loch schlagen und ein zweiter, dritter etc. Stift eintreiben, bis es gelingt, diesen mit einem Schlage seiner ganzen Länge nach in die Sohle etc. zu bringen. Nachtheiliger ist es dagegen, wenn durch zu schwache Hammerschläge die Stifte Köpfe bekommen und nicht durch andere ersezt werden. Sie greifen dann nicht gehörig durch die Brandsohle hindurch und die Sohle trennt später. Um sich das Eindringen der Stifte in die Orthlöcher zu erleichtern, sind die Schuhmacher sehr geneigt sich starker und ekig geschliffener Orthe zu bedienen. Wenn hiedurch auch allerdings kein wesentlicher Nachtheil entsteht, da die elastische Sohle, von der keine Masse beim Einschlagen der Löcher verloren geht, sich dennoch ausdehnt und fest an die Stifte anschmiegt, so leuchtet es doch ein daß, wenn die vierkantigen Stifte in kleine runde Löcher eingekeilt werden, dieß besser sey und daß je kleiner diese Löcher sind, desto größer die Haltbarkeit der Sohlenbefestigung vom ersten Augenblik an werden müsse.

Zur Conservation der Leisten ist es vortheilhaft, den Orth und demnächst die Stifte in die Orthlöcher so zu sezen, daß die Kante ihrer breit zugeschärften Spize in die Richtung der Stiftreihe zu stehen kommt.

Ist der Stiefel fertig und der Leisten herausgenommen, so wird mittelst einer löffel- und einer stempelförmigen Raspel jede Spize der durch die Brandsohle hindurchreichenden Stifte abgebrochen und die Fläche, auf der die Fußsohle im Stiefel zu stehen kommt, geebnet.

Laufen sich beim Gebrauch der Stiftstiefeln einzelne Stellen der Sohle an der Spize (a, Fig. 10) unter den Ballen (b und d), ja selbst unter der Mitte des Fußblattes (c) durch, so können sie dadurch ausgebessert werden, daß man einen ihrer Größe angemessenen Fleken darauf legt, diesen rund herum mit zwei Stiftreihen aufnagelt, und |339| damit er nicht drükt und beim Gehen nicht abgestoßen werden kann, seine unter den Stiefel fallende Kante abschärft. Bei Ausbesserungen dieser Art, vornehmlich unter der Mitte der Sohle, muß das zur Reparatur zu verwendende Leder dem der schadhaften Sohle ähnlich, d.h. weder zu stark noch zu hart seyn.

Ein Auflegen solcher Fleken kann ohne Nachtheil mehrmals wiederholt, und dadurch das Versohlen der Stiefeln sehr zurükgehalten werden. Muß man endlich hiezu schreiten, so darf die zerrissene Sohle – welche, so dünn sie auch abgelaufen seyn mag, dennoch ungemein fest sizt – nicht mit der Zange abgerissen, sondern sie muß bis zum Gelenk abgeschnitten werden, weil man sonst Gefahr läuft, die Stifte aus der Brandsohle heraus und die Einlage loszureißen oder irgend eine andere Trennung zu bewirken. Auch bei dieser Arbeit muß, wie bei Anfertigung neuer Stiefeln, die Sohle, bevor sie aufgelegt und rund herum und quer über das Gelenk hinüber angestiftet wird, in der Gestalt und Größe ausgeschnitten werden, welche sie beim fertigen Stiefel haben soll, weil sie, aufgelegt, viel zu innig mit dem Oberleder verbunden ist, um ohne Gefahr dieses zu verlezen, beschnitten werden zu können; vergl. Fig. 2.

Sollte beim Abtrennen der zerrissenen Sohle sich ergeben, daß auch die Brandsohle durchgelaufen ist, wie es wohl, jedoch nur selten, bei den Stiefeln solcher Leute zu geschehen Pflegt, deren Füße stark schwizen, so kann die Reparatur derselben, wie folgt, bewerkstelligt werden.

Der schadhafte Theil der Brandsohle, gewöhnlich zunächst der Stiefelspize gelegen, wird, so weit er vom umgebukten Oberleder unbedekt ist, herausgeschnitten.

(Es sey z.B. bis zur Linie ab, Fig. 12 geschehen.)

Ist hierauf der stehen gebliebene Theil der alten Brandsohle, quer über den Stiefel herüber, um nicht zu drüken, zugeschärft, so wird der neue Brandsohlentheil so zugeschnitten, daß er den ganzen inneren Raum des vordern Stiefels (c, d, e, f) ausfüllt, und über die alte Brandsohle, aber um die Breite des umgebukten Oberleders (c, a und b, f) schmäler geschnitten, noch so weit etwa bis (g, h) nach außen herüberreicht, daß hier zu seiner Verbindung mit der alten Brandsohle zwei Reihen Heststifte eingeschlagen werden können. Dann wird der neue Brandsohlentheil in die richtige Lage gebracht, der Leisten in den Stiefel geschoben, die neue Brandsohle in der gewöhnlichen Art durch Heftstifte (von c über d und e bis f) mit dem Oberleder und durch eine eben solche, aber engere Stiftreihe, 1/8 Zoll von der zugeschärften Kante (a, b) der alten Brandsohle entfernt, mit dieser verbunden, die Einlage aufgekleistert und zunächst der vorher |340| auf dieser bezeichneten Endlinie (g, h) des neuen Brandsohlentheils eine zweite Reihe Heft- oder Sohlenstifte, je nach der Dike des Leders eingeschlagen, welche zur größern Sicherheit, beide Brandsohlen – die neue und alte – mit der Einlage verbindet. – Der neue Brandsohlentheil muß nach außen, d.h. zwischen der alten Brandsohle und Einlage übergreifen, weil dadurch das Drüken verhindert wird. – So weitläufig die Beschreibung dieser einfachen Reparatur ist, so leicht läßt sie sich in der Praxis ausführen.

B. Beschreibung und Gebrauch der Werkzeuge zur Anfertigung von Stiftstiefeln.

1. Die Stifte und das Stiftschneiden.

Zur Anfertigung der Stifte bedient man sich am vortheilhaftesten des trokenen Rüstern- oder Ahornholzes.

Die Holzstifte müssen 5/16 Zoll lang und 1/12 Zoll stark
die Sohlenstifte 7/16 – – – 1/12 – –
die Kappenstifte 5/8 – – – 1/9–1/8 – –
die Fleken- oder Absazstifte 7/8 – – – 1/7 – –

seyn.

Aus einem kleinen Kloz von 1 Zoll Länge und Breite schneidet man also:

wenn er 5/16 Zoll Höhe hat, 144 Holzstifte
– – 7/16 – – – 144 Sohlenstifte
– – 5/8 – – –
– – 7/8 – – –

wie sie Fig. 13, A und B in zwei Seitenansichten, C in Obenansichten darstellt.

Das Schneiden der Stifte geschieht auf einer eigens dazu angefertigten Maschine.

Diese kleinen Maschinen werden von der Maschinen-Anstalt Neukrantz, Metzke und Comp. in Berlin angefertigt und sind durch diese, wie auch durch Hrn. Schuhmachermeister Andresen, Stechbahn Nr. 3, für dieselben Preise zu beziehen. Dieselbe kostet, inclusive aller übrigen hier näher beschriebenen Werkzeuge zur Stiefelfabrication, wie einiger Orthe, Proben von Stiften etc. und einer gedrukten Instruction zum Gebrauch derselben zwischen 9–10 Thlr., die bei der Bestellung von Auswärts franco einzusenden sind.

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Hr. Andresen ist auch zugleich bereit denjenigen, die sich persönlich näher unterrichten wollen, dazu in seiner Werkstatt Gelegenheit zu verstatten.53)

2. Die Orthe (Fig. 15)

sind ganz gewöhnliche gerade runde Orthe, die indessen für die flachspizigen Stifte keine runde, sondern eine breit zugeschärfte Spize haben.

Der Orth für die Heft- oder Sohlenstifte hat 1/2 Zoll Durchmesser
– – – – Kappenstifte 1/9–1/8 –
– – – – Absazstifte 1/7 –

Die flachspizigen Stifte sind mithin nur um ihre Kante stärker, als die Orthlöcher weit.

Bei den vierseitig gespizten oder amerikanischen können rund zugespizte Orthe angewendet werden.

Damit die Orthe beim Hammerschlag nicht zu tief in den Leisten eindringen, können sie dadurch verkürzt werden, daß man sie zunächst des Hefts mit Scheiben, aus starkem Leder geschnitten, umgibt (c, c, Fig. 15) und nur so viel von ihnen frei läßt, als eindringen soll. Dieß ist vornehmlich für den Orth zu Absazstiftlöchern zu empfehlen.

Sollen aus irgend einem Grund tiefere Löcher geschlagen werden, so nimmt man nach Bedürfniß eine oder mehrere Scheiben ab, die später leicht wieder hinauf geschoben werden können.

3. Die Raspeln. (Fig. 17* in zwei Seitenansichten.)

Die löffelförmige Raspel, 4 Zoll lang, 1 3/4 Zoll breit, mit einem langen Stiel versehen, dient zum Abbrechen der Stiftspizen im vorderen Theil des Stiefels. Ihre vorderen Schneiden sind gegen vorn, die hinteren gegen hinten gerichtet. Sie wirkt also ebensowohl beim Vorschieben, als auch beim Zurükziehen, und demgemäß muß die |342| Raspel auch gebraucht werden. Man thut bei ihrem Gebrauch wohl, wenn man nicht zu stark auf sie drükt, weil durch ein heftiges Drüken die Brandsohle unnöthig rauh gemacht wird. – Läßt sie sich im Stiefel leicht hin und her bewegen, ohne irgend einen Widerstand zu finden, so ist die Arbeit geschehen, und die Gehefläche im Stiefel geebnet.

Die stempelförmige Raspel (Fig. 16 und 17 in Ober- und Seitenansicht)

besteht aus einer runden, ein wenig gewölbten Scheibe von 1 3/4 Zoll im Durchmesser, mit Raspelschneiden in der Richtung der Halbmesser und wird gebraucht, um die Spizen der Stifte abzubrechen, welche zunächst am Absaz und durch diesen in den Stiefel hineinreichen. Beim Gebrauch dreht man sie um die Achse ihres Stiels rechts herum, weil nur bei einer solchen Drehung ihre Zähne schneiden, die Stiftspizen abbrechen und die Gehefläche im Stiefel ebnen können.

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Es mag hiebei bemerkt werden, daß sich diese Art der Verbindung von einzelnen Ledertheilen auch ganz besonders zur Verbindung bei Treibriemen für Maschinen, für wasserdichte Schlauche, Feuereimer und sonstiges dergleichen Lederwerk ganz vorzüglich eignet.

A. d. O.

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Seit der immer größeren Verbreitung der Stiftstiefeln sind indeß bereits die Anforderungen gestiegen und man verlangt und erhält anstatt der vier verschiedenen Sorten, deren schon circa 15 und noch dazu mit Unterabtheilungen. Nachdem die obengenannte Maschinenbauanstalt Neukrantz, Metzke und Comp. früher durch eine nicht ganz unbedeutende Bestellung solcher kleinen Maschinen zum Schneiden der Holzstifte für fast alle Garnisonen der preußischen Armee, veranlaßt wurde sich für diesen Gegenstand näher zu interessiren, ist es dem Besizer derselben gelungen, ein System von Maschinen und Apparaten zu construiren und auszuführen, mittelst welcher er im Stande ist, diese Stifte mit fachen, wie mit vierseitigen Spizen, wie sie bereits in Schiffsladungen von Amerika über Bremen nach Berlin gekommen sind (und wie sie Fig. 14 in verschiedenen Ansichten darstellt), in solcher Vollkommenheit und Genauigkeit und mit solcher Schnelligkeit herzustellen, daß ihm die Fabrication dieser Stifte ungleich billiger zu stehen kommt, wie nach der bisherigen Weise, und wodurch er sich selbst zur Etablirung einer solchen Stiftfabrik veranlaßt gesehen hat.

A. d. O.

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