Titel: Ueber den Arsenikgehalt der verschiedenen Sorten von Smalte (blauen Kobaltfarben).
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 97, Nr. XXII./Miszelle 1 (S. 73–74)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj097/mi097022_1

Ueber den Arsenikgehalt der verschiedenen Sorten von Smalte (blauen Kobaltfarben).

Bei der jährlichen Visitation der Conditoreien in Paris kam Hr. Chevallier, da er wußte, daß die Zukerbäker sich der Smalte bedienen, um gewisse Früchte behufs des sammtartigen Aussehens damit zu bestreuen, auf die Befürchtung, daß diese Farbe Arsenik enthalten möchte. Es wurden deßhalb folgende Versuche angestellt.

Das unter dem Namen Smalte (Azur) bekannte, aus Kobaltoxyd, Kieselerde, Eisenoxyd und Kali bestehende Glaspulver wird im Handel nach dem Grad seiner Farbe und der Feinheit des Pulvers, welches es liefert, classificirt. Die zahlreichen Sorten werden durch die Benennungen: Smalte, Feuer 1, Feuer 2, 3 u.s.f. (azur un feu, deux feu etc.) bezeichnet, indem Feuer er Ausdruk für Glanz ist.

Die Sorten, welche wir im Handel vorfanden, waren übrigens nur die Smalte, Feuer 8, 6, 4, 3, 2, 1 und die blasse Smalte.

Man benuzt diese Pulver zum Appretiren der Leinen- und Baumwollzeuge, zum Färben des Papiers, der Stärke, des Emails, des Glases.

Versuche mit diesen Pulvern. – 1) Smalte, Feuer 8. Ein feines, etwas dunkles, schön himmelblaues Pulver. 50 Gramme desselben wurden mit destillirtem Wasser behandelt, die organische Materie, welche sich durch das Schäumen zu erkennen gab, mittelst Schwefelsäure verkohlt und die Flüssigkeit hierauf in den Marsh'schen Apparat gebracht, mit welchem eine mit Amianth versehene Röhre verbunden wurde, die man mit der Weingeistflamme erhizte. Es wurde auf diese Weise ein glänzender Ring von metallischem Arsenik erhalten, der, genau gewogen, 0,125 Gr. Arsenik in 100 Gr. der Smalte nachwies.

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2) Smalte, Feuer 6. Feines Pulver, von ziemlich reinem Himmelblau, jedoch etwas weniger dunkel als das erstere. Im Marsh'schen Apparat eben so behandelt, ergab es einen Arsenikgehalt von 0,120 Procent.

3) Smalte, Feuer 4. An Farbe weniger rein und dunkel. Eben so behandelt, ergab es 0,09 Proc. Arsenik.

4) Smalte, Feuer 3. Blasser und zarter anzufühlen als die obigen; mit ihr beginnen die sogenannten hellern Nüancen; enthält Gyps. Arsenikgehalt 0,50 Procent.

5) Smalte, Feuer 2 und 1 und blasse Smalte. Die durch Auswaschen dieser Pulver erhaltenen Flüssigkeiten verriethen keinen Arsenikgehalt; die ersten zwei davon gaben zwar einige, jedoch kaum wägbare Fleken.

Es folgt aus Vorstehendem:

1) daß das im Handel unter dem Namen Smalte vorkommende blaue Pulver vom Feuer 8, 6, 4 und 3 wägbare Mengen Arsenik enthält, welcher ihm durch Auswaschen leicht benommen werden kann;

2) daß diese Pulver von Conditoren und zu verschiedenem häuslichen Gebrauch ihrer Gefährlichkeit wegen nicht angewandt werden sollten. Oct. Briffaud. (Journal de Chimie médicale, Jun. 1845, S. 321.)

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