Titel: Ueber Erhöhung der Kraft des Düngers.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 97, Nr. XXII./Miszelle 10 (S. 78–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj097/mi097022_10

Ueber Erhöhung der Kraft des Düngers.

Wie nüzlich der Mergel, der Kalk, der Gyps, der Menschenkoth, die Asche etc. in der Landwirthschaft als Dünger auch seyn mögen, so sind sie doch oft an und für sich zu theuer, oder werden es durch den Transport, was mit dem Staubmist (der Poudrette) um so mehr der Fall ist, weil er nur in der Nähe großer Städte mit Voltheil angeschafft werden kann Ueberdieß sind diese Düngerarten stets bloß Aushülfsmittel, die sich nur für gewisse Bodenarten und gewisse Arten des Anbaues eignen und können den aus dem Betrieb der Landwirthschaft selbst hervorgehenden |79| Dünger nie ganz ersezen. Lezteren muß man daher möglichst zu verbessern und zu vermehren suchen. Nun besteht derselbe aus einem festen und einem flüssigen Theil; der leztere aber, gerade der nüzlichste, geht beim Ausbreiten des Düngers auf den Höfen, durch die Einwirkung der Wärme und der Luft einerseits und des Regens andererseits, verloren. Auch die Bildung von Haufen aus dem Dünger, obgleich sie besser ist, hat ihre Nachtheile) die Flüssigkeit senkt sich allmählich zu Boden, so daß der Düngerhaufen in einer Pfüze schwimmt, die von dem Regenwasser noch vergrößert wird, wirklich wird diese Jauche von Zeit zu Zeit mittelst hohler Schaufeln aufgeschöpft und oben wieder auf den Haufen gegossen. – Folgenden bessern Verfahrens bedienen sich drei geschikte Landwirthe, welche im Indre-Departement das 1730 Hektaren große Gut St.-Cyran bewirthschaften. Dieses Gut enthält eine große Anzahl Teiche, an deren Ufer große Rasenhügel sich erheben, die sich entweder mit Heidekraut oder Rietgras (roseaux) bedeken. Diese Rasen werden mittelst besonderer Werkzeuge dem Boden gleich abgestochen und an der Luft getroknet. Hierauf bildet man bei trokener Witterung mittelst eines Gerüstes von Eisenstangen aus diesen Rasen eine Art Ofen, welchen man mit trokenem Heidekraut oder anderm leicht brennbarem Material anfüllt, sezt das Ganze in Feuer, als wollte man einen Kohlenmeiler anzünden und erhält so eine große Menge Asche, die man in einem Schoppen aufhebt. – Alle Tage wird dem Vieh frische Streu gegeben und jeden Sonnabend der Stall von Grund aus gereinigt. Ehe man frische Streu gibt, bestreut man den Boden mit einer 1 1/2 Zoll diken Schicht jener Asche, welche die Feuchtigkeit und den Harn des Viehs absorbirt, dieselben gleichsam mit der Streu verbindet und deren Verdunstung oder Verlust verhindert. Man fährt jede Woche so fort, so lange man Asche haben kann. Auf jenem Gut erhält man durch einen Taglöhner im Accord 1000 solche Rasenstöke um 6 Francs. Seitdem dieses Verfahren angewandt wird, bemerkt man, daß der Dünger viel fetter und schwerer wird als vorher. Es gibt kein Gut, wo man sich desselben nicht bedienen könnte; überall finden sich Rasen mit Gras und holzartigen Pflanzen. Wo es Kohks – oder Steinkohlenasche gibt, kann diese dazu gebraucht werden, so wie überhaupt jede Asche. (Moniteur industriel 1845, No. 920.)

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