Titel: Anwendung der Elektricität beim Feldbau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 97, Nr. XXII./Miszelle 11 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj097/mi097022_11

Anwendung der Elektricität beim Feldbau.

Daß große elektrische Entladungen schädlich auf die Pflanzen wirken, sieht man, wenn der Bliz manchmal Jahrhunderte alte Eichen zersplittert. Ob aber die latenten Entladungen oder Elektricitätsbäder, in welchen sich die Pflanzen während eines Gewitters befinden, dieselben in ihrer Lebenskraft kräftig anregen, wie schon oft behauptet wurde, und der Weinstok, wenn die Atmosphäre mit Elektricität übersättigt ist, gleichsam zusehends wachse, wie ein ausgezeichneter Oekonom beobachtet haben will, ist nicht ausgemacht indem man andererseits die gesteigerte Lebenskraft andern atmosphärischen Einflüssen, wie der Wärme. Feuchtigkeit, Zusammensezung der Luft etc. zuschreibt. In den leztern Jahren glaubt Becquerel sogar nachgewiesen zu haben, daß die Anwendung eines, wenn auch noch so schwachen ununterbrochenen Stroms Elektricität sich der Keimung der Pflanzen widerseze. – In England wurden früher schon Versuche hierüber im kleinen angestellt; das Journal the Economist aber erzählt einen auf einem Felde in Schottland angestellten großen Versuch mit folgenden Details. „Um ein vierekiges Feld der Elektricität zu unterwerfen, verfährt man folgendermaßen. An den vier Eken werden vier eiserne Bolzen fest eingestekt, die man mittelst eines Eisendrahts verbindet. welcher eine ununterbrochene Einfassung herstellt; man befestigt diesen Draht 2 Zoll über der Bodenfläche. Nun bringt man in der Mitte einer der Seiten des Viereks ein 1 Fuß hohes galvanisches Element und ihm gegenüber auf der entgegengesezten Seite das andere Element an, welches man mit dem erstern mittelst eines unter dem Boden laufenden Eisendrahts in Verbindung sezt. Diese die beiden Pole vereinigende Linie muß mit dem Aequator einen rechten Winkel bilden. Es wird versilbert, daß eine zweite Batterie von Zink und Kohle auf den beiden andern Seilen des Feldes, deren Leitungsdraht sich rechwinklig mit dem ersten kreuzt, vortheilhaft ist.“

Die Errichtung eines solchen elektrischen Systems soll ungefähr auf 50 Frcs. per Hectare zu stehen kommen und dasselbe 10–15 Jahre dauern, wenn man |80| jedes Jahr nach der Ernte die Eisendrähte wegnimmt und erst zur Saatzeit wieder hinbringt. Ein Gerstenfeld, womit dieser Versuch im Großen angestellt wurde, trug 37 Hektoliter Körner per 40 Acres, während ein anderer eben so angebauter der Elektricität aber nicht unterworfener Theil desselben Feldes nur 15 Hektoliter trug. Dieses Resultat verdient alle Beachtung von Seite der Landwirthe. (Echo du monde savant, 1845 Nr. 38.)

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