Titel: Versuche, durch Tränkung mit verschiedenen Flüssigkeiten die Haltbarkeit des Holzes zu vermehren,
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 97, Nr. XXII./Miszelle 12 (S. 80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj097/mi097022_12

Versuche, durch Tränkung mit verschiedenen Flüssigkeiten die Haltbarkeit des Holzes zu vermehren,

sind bei dem Bergbaue in Clausthal gemacht worden und haben sich dabei folgende Resultate herausgestellt. Es ist nämlich flüssiges holzsaures Eisen und eine Lösung des Abfallsazes der Salpetersiedereien (salzsaures Kali):

I. bei auf dem Stamme stehenden Bäumen – Fichten – diesen zugeleitet worden:

a) nach der Boucherie'schen Methode durch horizontalen Schnitt;

b) durch in den Stamm eingebohrte Löcher und zwischen denselben herausgesägte Ausschnitte;

c) allein durch in den Stamm gebohrte Löcher, oder

d) durch Anbohren der Wurzeln.

II. Bei gefällten Bäumen:

a) im Liegen der Stämme vermittelst Anbohrung und eines normal gegen die Achse des Baumes und an der Rinde wieder verkitteten Schnittes;

b) dadurch, daß der Baum mit seinem Stammende in ein die Flüssigkeit enthaltendes Gefäß gestellt wurde, und

c) vermittelst Einseihung, und zwar einmal, indem das Stammende zur Aufnahme von der Flüssigkeit ausgehöhlt und nach Oben gerichtet, aufgestellt; zweitens: indem man das obere Ende ausgehöhlt, mit Flüssigkeit gefüllt und in seine natürliche Lage aufgerichtet hatte.

Dabei ist nun im Allgemeinen beobachtet worden:

1) Die Aufsaugung der Flüssigkeit ist überall nur im Splinte des Stammes erfolgt und gewöhnlich auf einer Seite vollkommener als auf der andern.

2) Nur über den Flächen oder Querschnitten des Splintes hat die Aufsaugung stattgefunden, welche unmittelbar mit der Flüssigkeit in Berührung gekommen sind, so daß demnach das Aufsaugen nur nach den Längengefäßen des Baumes stattfindet.

3) Bei einer einzigen 14 Schuh hohen Fichte hat die Flüssigkeit den Gipfel des Baumes erreicht und ist in die Aeste eingedrungen, immer aber nur im Splinte. Junge Bäume saugen die Flüssigkeit immer leichter und vollständiger auf.

4) Die größte Höhe hat sie bei einem durch 6 Löcher angebohrten Baum erreicht, worin sie binnen 12 Tagen bis zur Höhe von 70 Fuß hinaufstieg.

5) Die Tränkung der liegenden Stämme ist sehr unvollkommen erfolgt.

6) Bei der Einseihung der Flüssigkeit in aufrechtstehende Stammstüke hat sie auch nur den Splint durchdrungen, und bei dem aufgerichteten Stammende nur in dem der Rinde zunächst befindlichen Splinte, dagegen, wenn das schwächen Ende nach Oben stand, mehr die dem Kerne näher liegenden Jahresringe des Splintes. Die Versuche haben außerdem ergeben, daß die Arbeit bei dem stehenden Holze zu schwierig und kostbar seyn würde, um sie im Großen auszuführen, dagegen aber das Infiltriren der Flüssigkeit, welches nach der Anfuhr des Holzes auf den Werken stattfinden kann, wenn es überhaupt vortheilhaft erscheint, ausführbar seyn würde. Dieses leztere soll daher fortgesezt werden, und es werden zugleich Versuche über den Einfluß der Infiltration der verschiedenen Flüssigkeiten, auf die Dauer der Hölzer angestellt werden. (Behlen's Allgem. Forst- und Jagd-Ztg., Sept. 1844.)

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