Titel: Ueber Vergiftung durch Schweinfurtergrün.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 97, Nr. XXII./Miszelle 3 (S. 74–75)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj097/mi097022_3

Ueber Vergiftung durch Schweinfurtergrün.

Dieses Farbmaterial, eine Verbindung von essigsaurem und arsenigsaurem Kupferoxyd wird in Tapetenfabriken in der Art angewandt, daß man einen grünen Grund aufdrukt und das bedrukte Papier durch Losmachen des arsenikalischen Staubes mittelst einer Bürste satinirt. Diese Behandlung, so wie das Durchschlagen dieser Farbe durch feine Siebe in den Farbenfabriken, ziehen sehr nachtheilige Wirkungen und Krankheiten nach sich, die sich zuerst äußerlich durch Oedeme (Wassergeschwülste) und Reizung der Schleimhäute etc. offenbaren, später aber auch innerlich als Kolik, heftige Kopfschmerzen, gänzliche Erschlaffung auftreten. Besonders schädlich sind alle Arbeiten bei der Bereitung und Verarbeitung dieses Grün, welche ohne Befeuchtung desselben geschehen, wo es also, wie beim Sieben, staubt. Nichtsdestoweniger wäre es sehr unklug, die Hände, an welchen sich Frostbeulen oder Schrunden befinden, in die arsenikhaltigen Flüssigkeiten zu |75| tauchen, da der Arsenik auch äußerlich äzend wirkt, wie das sogenannte Cosmische Pulver beweist, welches wegen seines Arsenikgehalts zum Zerstören der Krebsgeschwüre dient. Es sind mehrere zufällige Beschädigungen und Vergiftungen von Menschen und Thieren bekannt, welche ihre Gliedmaßen äußerlich arsenikhaltigen Flüssigkeiten ausgesezt hatten. – Ueberhaupt sollte die Verarbeitung des Schweinfurtergrün in Tapetenfabriken höchst sorgfältig überwacht werden, sowohl um Verbrechen zu erschweren, als der Sorglosigkeit und Nachlässigkeit entgegen zu treten; so breiteten vor kurzem in einer Tapetenfabrik die Arbeiter irrthümlich einen großen Haufen arseniger Säure statt Talk auf ihren Papierrollen aus; glüklicherweise wurden sie noch bei Zeiten ihren Irrthum gewahr, gleichwohl erkrankten sie. Dr. Blandet empfiehlt, die Arbeiter beständig Eisenoxydhydrat einnehmen zu lassen, um den vom Organismus absorbirten Arsenik unaufhörlich zu neutralisiren. (Journal de Pharmacie, Jun. 1845, S. 470.)

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