Titel: Neue Bleichart ohne Lauge, Seife, Licht, Chlor und Säuren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 97, Nr. XXII./Miszelle 4 (S. 75)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj097/mi097022_4

Neue Bleichart ohne Lauge, Seife, Licht, Chlor und Säuren.

Die Allgemeine polytechnische Zeitung von Leuchs enthält hierüber in Nr. 18 folgende Notiz:

„Bei dieser so eben entdekten neuen Art zu bleichen wird weder Sonnenlicht, noch Chlor- oder Schwefeldampf, oder kalische und seifige Flüssigkeit angewandt, sondern das Bleichen durch bloße atmosphärische Luft bewirkt, die in einen andern (elektrischen?) Zustand versezt ist.

Die Vorzüge dieser Bleichart sind:

1) Außerordentliche Wohlfeilheit. Der Stoff, welcher nöthig ist, um 100 Pfd. Seide zu bleichen, kostet z.B. höchstens 10 Sgr. oder 35 Kreuzer.

2) Beseitigung jeder Schwächung, Beschädigung oder anderweitigen Veränderung der zu bleichenden Stoffe (Seide verliert daher nicht einmal an Gewicht).

3) Vollkommene Zersezung der färbenden Theile, daher diese nicht, wie z.B. beim Schwefeln, nur verdekt sind und mit der Zeit wieder zum Vorschein kommen.

4) Ersparung der vielen Handarbeit, welche bei den andern Arten zu bleichen das öftere Waschen, Büken, Auslegen u.s.w. verursacht. Es genügt Aufhangen in die galvanisirte Luft und ist Wischen nur nöthig, wenn der Stoff an sich Unreinigkeiten hat, die dadurch zu entfernen sind.

5) Ersparung der Feuerung und der Apparate.

6) Unschädlichkeit für die Gesundheit. Ein sehr wesentlicher Punkt, da bekannt ist, wie schädlich namentlich die Chlorbleiche auf die Lungen der Arbeiter wirkt.

7) Schnelligkeit im Vergleich mit der Rasenbleiche. Vor der Chlorbleiche hat sie diesen Vorzug nicht (da die Stoffe einige Tage in der zubereiteten Luft bleiben müssen), wenn man das Bleichen allein und nicht die bei diesem nöthigen Nebenarbeiten in Betracht zieht.

Besonders anwendbar ist die neue Bleichart auf Seide, Wolle und Wollenstoffe (für diese ist sie die erste wahre Bleichart, da die bisher bekannten die Farbe nur verdekten, nicht zerstörten), ferner für Baumwolle, Leinen u.s.w.

Die Mittheilung dieser Bleichart soll erfolgen, so wie sich 100 Uebernehmer gefunden haben, deren jeder 100 Gulden Augsb. Cour, oder 68 preuß. Thaler zahlt. Für Länder, wo geordnete Patentgesezgebung besteht, also für Frankreich, England, Nordamerika, Oesterreich und Rußland, wird gewünscht, daß ein Uebernehmer sie sich erwerbe und sein Recht durch ein Patent sichere. Anmeldungen sind bei C. Leuchs u. Comp. in Nürnberg zu machen.“

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