Titel: Chevallier, über Betrug mit Blutegeln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 97, Nr. XXXIX./Miszelle 10 (S. 160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj097/mi097039_10

Chevallier, über Betrug mit Blutegeln.

Es hat sich ergeben, 1) daß der größte Theil der in Paris verkauften Blutegel schon von Blut vollgesogen sind, daß man ihnen nämlich, um sie zu vergrößern, Thierblut zu 45 bis 50 Proc. gibt. Hiedurch werden die sogenannten Fadenblutegel (filets), welche nach dem Gewicht verkauft werden, in kleine Blutegel verwandelt, die hundertweise verkauft werden; die kleinen Blutegel wieder, welche zu 75 Fr. verkauft werden, in mittlere, die 130 Fr. kosten, leztere endlich in große, die zu 280 Fr. bezahlt werden.

2) Daß man in Häusern, wo Blutegelhandel getrieben wird, schon benüzte Blutegel zurüknimmt und 5 Centimes für das Stük zahlt. Dieselben werden entleert und durch Hausirer, die ihren Ursprung verheimlichen, wieder verkauft. Es versteht sich, daß diese Entleerung und der Wiederverkauf öfters wiederholt werden können.

Diese Art von Verfälschung verdient als Betrug criminell bestraft zu werden und berechtigt in dem Falle, daß Krankheiten durch die schon gebrauchten Blutegel hervorgerufen werden, sogar zur Klage auf Schadenersaz.

Daß schon vollgesogene Blutegel nicht leicht anpaken, jedenfalls aber nicht so viel Blut saugen wie reine, versteht sich von selbst. Außerdem können aber mit Thierblut vollgesogene mehr oder weniger große Nachtheile veranlassen. Blutegel anbelangend, die schon einmal an Kranken sogen, so kann man die üblen Folgen ihres Gebrauchs nicht alle vorhersagen, namentlich wenn die Kranken an Typhus, Syphilis, Hautkrankheiten, Scropheln etc. litten. Ein vollgesogener Blutegel hat keinen so länglichen Körper, wie ein frischer, sondern derselbe ist mehr olivenförmig; in Wasser gelegt, erscheint er oft erstarrt und wie schlafsüchtig. Seine Haut ist nicht so sammetartig wie beim frischen; zwischen den Fingern gepreßt, nimmt man einen rothen Reflex wahr; auch verlängert er sich nicht zwischen den Fingern, und vom Schweif zum Kopfe hin gedrükt, sieht man das verschlungene Blut sich gegen das Ende hin anhäufen; drükt man ihn noch stärker. so wird das Blut manchmal in einem Strahl herausgetrieben. Dieses Blut ist roth und kann mit der grünlichschwarzen Flüssigkeit, welche der Sumpfblutegel bisweilen ausschwizt, nicht verwechselt werden. Es behaupten einige Blutegel-Verkäufer, daß das Blut in den vollen Blutegeln ihnen von den reisenden Blutegelhändlern gegeben werde, damit sie die lange Reise aushalten können; dieses Vorgeben ist aber nicht stichhaltig, denn die vollen Blutegel bestehen die Reise schlecht und es gehen deren mehr verloren als von den frischen. (Journal de Chimie médicale, Jun. 1845, S. 343.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: