Titel: Ueber Asphalt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 97, Nr. XXXIX./Miszelle 4 (S. 155–158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj097/mi097039_4
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Ueber Asphalt.

Die Benennung Asphalt hat in neuerer Zeit eine sehr ausgedehnte Bedeutung bekommen und wird mitunter ziemlich uneigentlich angewendet. Ursprünglich verstand man darunter das schwarze, glänzende, im Aeußern der Steinkohle nicht unähnliche Harz, welches von dem tobten Meer in Syrien an seinen Ufern ausgeworfen, dort gesammelt und in den Handel gebracht wird und auch den Namen Judenpech führt. Es ist bei gewöhnlicher Temperatur spröde, von muschligem, wie Pech glänzendem Bruche, zeigt ein specifisches Gewicht von 1,07 bis 1,21 (am gewöhnlichsten zwischen 1,13 und 1,16), schmilzt bei der Siedhize des Wassers, ist leicht entzündlich und verbrennt mit heller Flamme unter Ausstoßung eines dichten Rauchs und Hinterlassung einer sehr geringen Menge Asche (aus Kieselerde, Thonerde, Eisenoxyd, zuweilen etwas Kalk und Manganoxydul bestehend). Auf der westindischen Insel Trinidad kommt Asphalt von ganz gleicher Beschaffenheit in großen Lagern zwischen angeschwemmten Gebirgsarten vor. Auch in Aegypten, in Neapel etc. wird Asphalt gefunden.

Später ist der Name Asphalt auf mehr oder weniger ähnliche Naturproducte von andern Fundorten, ja selbst auf verwandte Kunstproducte übergegangen, und er begreift jezt auch theilweise solche Substanzen, welche im Aeußern wie in ihrer chemischen Beschaffenheit sehr bedeutend von dem eigentlichen Asphalt abweichen. So kommt das tiefschwarze, stark glänzende und sehr spröde Harz, welches nach dem Eindampfen oder Destilliren des Steinkohlentheers als Rükstand bleibt, unter der Benennung Asphalt (insbesondere künstliches oder Steinkohlen-Asphalt) vor; und in England, besonders in London, wird viel künstlicher Asphalt als Rükstand bei der Rußbereitung aus Harz und Pech gewonnen. Die Fossilien, welche neuerlich unter der Bezeichnung Asphalt eine so bedeutende Anwendung zu Straßenpflaster und Dachbekleidungen gefunden haben, sind in der Regel nichts weniger als reines Erdharz (Bitumen), sondern bestehen aus einem von bituminöser Substanz mehr oder weniger reichlich durchdrungenen, bald thonigen, bald kalkigen, bald sandigen Gesteine, oder aus einer durch das Bitumen loser oder fester zusammengebakenen Masse feinen Kiesel- oder Kalksands. Diese verschiedenen erdigen Mineralien sind mit dem Bitumen einfach getränkt, also mechanisch vermengt, und es findet durchaus keine chemische Verbindung, also auch kein feststehendes quantitatives Verhältniß zwischen beiden statt. Selbst an einem und demselben Fundorte ist dieses Verhältniß dem Wechsel unterworfen und namentlich pflegt nach der Erdoberfläche zu der Bitumengehalt geringer zu seyn.

Trennt man den bituminösen Bestandtheil von der erdigen Masse, worin er enthalten ist (was bei lokeren Sandmassen durch Auskochen mit Wasser, sonst durch Auflösen des kalkigen Gesteins mittelst Salzsäure geschehen kann), so erhält man ihn je nach der Art seines Vorkommens in verschiedener Consistenz bald als dünne öhlartige Flüssigkeit (Erdöhl), bald als dikflüssige theerähnliche Substanz (Erdtheer), bald endlich als feste, wenn gleich weiche Masse von harzähnlicher Beschaffenheit (Erdharz). In allen diesen Fällen aber läßt sich der bituminöse Stoff durch Destillation mit Wasser in zwei verschiedene Substanzen zerlegen, von denen die eine als flüchtig mit den Wasserdämpfen übergeht und dann in Gestalt eines ätherischen Oehls erscheint, die andere aber als festes und sprödes Harz zurükbleibt. Diese leztere hat man Asphalten, die erstere dagegen (da sie mit dem reinen Steinöhl, Petroleum, von gleicher Natur ist) Petrolen genannt.

Sämmtliche sogenannte natürliche Asphalte bestehen also aus Mischungen von Asphalten und Petrolen, welche durch Infiltration Erdschichten verschiedener Art durchdringen und tränken. Im Erdharz ist das Asphalten vorherrschend, im Erdtheer und noch mehr im Erdöhl das Petrolen überwiegend.

Die HHrn. Apotheker G. L. Ulex und Dr. F. Veit in Hamburg haben verschiedene der zu Bereitung des Asphaltstraßenpflasters dienlichen Asphaltgattungen einer chemischen Analyse unterworfen. Nach dem von ihnen an die patriotische Gesellschaft zu Hamburg erstatteten gedrukten Bericht schlugen sie dabei folgenden Weg ein. Um das Verhältniß der bituminösen zu den erdigen Bestandtheilen zu ermitteln, wurde der gewogene Asphaltstein so lange gelinde geglüht, bis die aus |157| dem Bitumen anfangs entstandene Kohle verbrannt war. Die erdige Asche wurde dann mit Salzsäure behandelt, und so das darin Auflösliche (größtentheils kohlensaurer Kalt) von dem unauflöslichen Theile (Kieselerde) getrennt. Der Gewichtsverlust ergab die Menge des Bitumens. Das Bitumen selbst wurde abgeschieden, indem man den rohen Asphaltstein kalt mit Salzsäure so lange knetete, bis diese durchaus nichts mehr aufnahm. In Schwefeläther löste sich die geringere Hälfte, die größere zurükbleibende, bis auf wenige Kohlentheilchen, in Terpenthinöhl auf. Das Verhalten der verschiedenen Asphalte gegen diese Auflösungsmittel war sehr übereinstimmend.

1) Asphalt von Seyssel im Departement de l'Ain. Es kommen an dieser Fundstelle verschiedene asphalthaltige Mineralien vor, unter welchen ein von Bitumen durchdrungener Kalkstein am meisten angewendet wird. Er läßt sich pulvern und sieben, das Pulver bildet jedoch von selbst wieder Klumpen. Er besteht aus neun Theilen Erdharz und einundneunzig Theilen kohlensaurem Kalk ohne alle Beimischung von Thon; das Bitumen ist glänzend schwarz, fest, hart, dabei elastisch. Es gibt aber auch welchen, der nur 3 Proc., andern der bis 16 Proc. Erdharz hat.

2) Asphalt von Val de Travers im Kanton Neuchatel. Ein bituminöser Kalkstein, welcher 88 Proc. kohlensauren Kalk und 12 Proc. Erdharz enthält; lezteres stimmt in seiner Beschaffenheit ganz mit dem aus dem Seyssel'schen Asphaltstein überein.

3) Asphalt von Limmer bei Hannover. Die Besizer des ersten dort eröffneten Bruches (Henning und Böhme) sezen eine große Menge ihres rohen Products nach Harburg und Hamburg ab. Der Asphaltstein ist von brauner Farbe und zum größten Theil dem von Seyssel und Val de Travers an äußerer Beschaffenheit zum Verwechseln ähnlich; in einer Tiefe von 14 Fuß unter der Erdoberfläche finden sich aber Massen, welche weit reicher an Bitumen sind und sogar beinahe ganz daraus bestehen, mithin das französische Mineral an Werth bei weitem übertreffen. Medicinalrath Gruner in Hannover fand in dem Asphalt aus der obern Gegend 83 Proc. Kalksand und 17 Proc. Bitumen, in dem der Liefe von 14 Fuß entnommen aber nur 1–1 1/2 Theil Kalksand gegen (beziehungsweise) 99 und 98 1/2 Theil Bitumen.

Das Asphalt aus dem Henning-Böhme'schen Bruche bei Limmer besteht aus einem Kalk, der aus lauter kleinen Muscheln zusammengesezt ist. Nach der Oberfläche zu mischt sich dem Kalk (Kiesel-) Sand bei, auch wird da der Gehalt an Bitumen geringer. In einer gemischten Probe fanden sich 13 1/2 Theile Bitumen, 84 kohlensaurer Kalk und 2 1/2 Sand. Das Bitumen zeigt sich braunschwarz, fest, jedoch dem Druk nachgebend, etwas elastisch.

Neuerlich wurde ein zweiter Asphalt-Bruch in der Gegend von Limmer durch Löwitz aus Hamburg eröffnet, dessen Stein aber nur 7 1/2 Proc. Erdharz enthält.

4) Asphalt von Lobsann im Departement des Niederrheins. Die Gegend von Lobsann ist reich an Braunkohle, an Asphaltstein und Erdtheer. Der Erdtheer nimmt die tiefsten Schichten ein, die oberen der asphaltische Kalkstein; zwischen beiden liegen die Braunkohlen. Der Asphaltstein besteht, nach Ulex und Beit, aus zwölf Theilen Bitumen und achtundachtzig Theilen eisenschüssigem Kalk. Das Bitumen ist schwarz, enthält mehr Kohlentheilchen als das aus dem hannöverschen Asphalt und ist weniger elastisch. Ein Gemisch von Erdtheer mit Asphaltstein wird von Lobsann aus in den Handel gebracht unter dem Namen Lobsanner Asphalt-Kitt; die genannten Untersucher fanden darin 77 Proc. kohlensauren Kalk und 23 Proc. Bitumen. Nach andern Nachrichten besteht der Asphaltstein von Lobsann aus einer Art von Molasse (kalkiger, thoniger oder mergeliger Sandstein), durchdrungen mit einer geringen Menge Erdharz und einer ziemlich großen Menge Erdöhl, wodurch er eine viel untergeordnetere Beschaffenheit bekommt, als die Asphalte von Seyssel und Val de Travers, weil die bei der Verarbeitung in Anwendung kommende Hize alles Erdöhl verdampft, welches nachher durch Zumischung von Erdtheer ersezt werden muß. Die Verdampfung dieses Oehls ist übrigens unerlässig, denn seine Anwesenheit würde die zu Straßenpflaster etc. bereiteten Massen wesentlich verschlechtern. Die Menge des Erdharzes im Lobsanner Steine soll 4–6, die des Erdöhls 6–7 Proc. ausmachen.

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5) Asphalt von Bastennes (Departement des Landes). Es besteht aus einem mit Bitumen durchdrungenen Sand, worin die Menge des erstern zwischen 6 und 12 Proc. schwankt. Von Bastennes wird das dort gewonnene reine Bitumen (goudron) über Bayonne versandt, um als Zusaz zu gepulverten Asphaltsteinen bei Bereitung der Massen für Trottoir-Pflasterungen etc. Anwendung zu finden. Es ist ein Gemisch von Erdharz und Erdöhl, in der Kälte hart, jedoch nicht zerreiblich, bei + 15° C. weich, bei 100° C. flüssig, löset sich im Terpenthinöhl vollständig, in Schwefeläther nur zu zwei Drittel seines Gewichts auf.

6) Asphalt von Wietze und einigen anderen Orten im Königreich Hannover. Was man hier gewinnt, ist nur Erdtheer, welcher hauptsächlich im Sand eingemengt vorkommt und mit dem Quellwasser zugleich durch denselben aufsteigt. (Aus einer Abhandlung von Karmarsch in den Mittheilungen des Gewerbevereins für das Königreich Hannover.)

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