Titel: Ueber das Tödten der Puppen in den Cocons.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 97, Nr. XXXIX./Miszelle 9 (S. 159–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj097/mi097039_9

Ueber das Tödten der Puppen in den Cocons.

Das Tödten der Puppen in den Cocons ist eine für den Seidenzüchter sehr wichtige Operation, von deren guter oder schlechter Ausführung das glükliche Endresultat des Betriebs der Seidenzucht abhängen kann. Ein Seidenzüchter, der von der Spinnerei entfernt wohnt, der also seine Cocons nicht in lebendem Zustand dahin bringen kann, ohne sich der Gefahr auszusezen, daß die Schmetterlinge zum Vorschein kommen, wodurch er in großen Nachtheil kommt, muß vor der Absendung seiner Cocons in die Spinnerei (Abhasplungs-Anstalt) die in denselben befindlichen Puppen tödten. Wird das Tödten nicht gut ausgeführt, so können entweder noch Schmetterlinge aus den Cocons hervorkommen, wodurch man in sehr großen Verlust kommt, oder können die Puppen im Innern zerplazen und die Seide beschmuzen, wodurch diese dann werthloser wird.

Bei dem gewöhnlichen Verfahren, die Cocons im Bakofen zu tödten, kommt es sehr häufig vor, daß der Ofen entweder zu warm oder zu kalt ist. Ist er zu warm, so verbrennt die Seide leicht und der Faden bricht dann beim Haspeln unaufhörlich; die Seide wird dadurch schlechter und gibt geringeren Ertrag. Ist der Ofen aber zu kalt, so werden die Puppen nicht vollkommen getödtet und es kommen nachher immer noch Schmetterlinge aus einzelnen Cocons, welche dann für die Spinnerei verloren sind. Wendet man das Tödten mit Dampf, welches ebenfalls sehr gebräuchlich ist, an, so hat man dadurch leicht Schaden, daß die Puppen in den Cocons plazen. Werden diese Cocons nachher nicht äußerst sorgfältig getroknet und möglichst bald abgehaspelt, so entwikeln sich leicht und zwar bald Insecten in ihnen, die dann den Cocon durchfressen und ebenfalls für die Spinnerei untauglich machen. Das Tödten mittelst eines Luftzugs von sehr hoher Temperatur, 45° R., wobei die Cocons völlig eintroknen, ist allerdings das beste und unfehlbarste Mittel, da aber nicht jeder Seidenzüchter eine dazu nöthige Einrichtung hat, auch eine solche bei einem kleineren Betrieb zu kostspielig wäre, so will ich hier ein Verfahren angeben, das den Seidenzüchter gegen alle größeren Nachtheile schüzt. Es verbindet dieses Verfahren die zwei gewöhnlich angewendeten Methoden.

Man nimmt einen Sak von starkem Drillich und legt ihn einige Zeit in Wasser, damit er durch und durch naß wird, hierauf wird er so stark wie möglich ausgewunden und mit Cocons so angefüllt, daß sie sich 3–4'' hoch, wenn man den Sak der Länge nach hinlegt, darin aufschichten. Ist dieß der Fall, so legt man den Sak auf eine Obsthürde, auf welcher sonst Obst gedörrt wird, und schiebt ihn in einen heißen Bakofen, so wie das Brod herausgenommen ist. Man läßt den Sak so lange in dem Ofen, bis er ganz troken geworden ist, nimmt ihn dann heraus und läßt ihn einige Zeit, wo möglich in der Sonne liegen. Nach Verfluß von einer Stunde wird der Sak geöffnet, die Cocons heausgenommen, getroknet und können dann ohne alle Gefahr, so weit man will, versendet werden, wenn man nur die Vorsicht beobachtet, die Cocons, wenn sie länger als zwei Tage auf der Reise sind, alle Tage einmal aufzupaken und der frischen Luft auszusezen, damit sie abtroknen. Die Cocons schwizen nämlich, außer wenn sie durch einen heißen Luftstrom ausgetroknet worden sind, immer Feuchtigkeit aus, welche, wenn sie nicht von Zeit zu Zeit getroknet werden, zum Verderben der Cocons beiträgt.

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Beinahe jedes Jahr werden Cocons in die Spinnerei nach Rottenburg a. N. eingeliefert, welche beim Tödten fehlerhaft behandelt worden sind, weßhalb dann die Erwartungen der Seidenzüchter nicht befriedigt werden. Zwekmäßigeres Verfahren und größere Sorgfalt werden die Seidenzüchter in Zukunft vor solchen Nachtheilen bewahren. Theodor Mögling. (Riecke's Wochenblatt für Land- und Hauswirthschaft etc., 1845, Nr. 28.)

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