Titel: Ueber die Gutta Percha oder Gutta Tuban, ein Surrogat des Kautschuks.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 97, Nr. LXIII./Miszelle 5 (S. 239–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj097/mi097063_5

Ueber die Gutta Percha oder Gutta Tuban, ein Surrogat des Kautschuks.

Diese Substanz wurde im Jahr 1843 von Dr. Montgomerie zum industriellen Gebrauch empfohlen. Sie ist der feste Saft eines großen in Wäldern wachsenden Baums, der auf der Insel Sincapore heimisch ist, und wird durch Einschnitte in dessen Rinde gewonnen, welche dann diese Substanz in Form eines bald gerinnenden Milchsafts ausschwizt. Ihre Eigenschaften sind beinahe ganz dieselben, wie die des Kautschuks; nur ist sie viel weniger elastisch; doch besizt sie Eigenschaften, welche lezterer nicht hat und durch welche sie zu Bougies, Kathetern und andern chirurgischen Instrumenten (die in heißen Ländern ein großes Bedürfniß sind) ganz besonders geeignet ist. Die Gutta Percha, in beinahe siedendes Wasser getaucht, klebt sehr leicht zusammen und wird so bildbar, daß man ihr vor dem Erkalten (gegen 44 bis 48° R.) jede beliebige Form geben kann, welche sie auch bei jeder Temperatur unter 36° R. beibehält. In diesem Zustand ist sie äußerst fest und dauerhaft, so daß man sie auf Sincapore zu Heften für Werkzeuge etc. anwendet, und zu diesem Zwek dem Holz und Horn vorzieht. Sie scheint durch das heiße und feuchte Klima an der Meerenge von Malacca nicht im geringsten zu leiden, während die elastischen Instrumente von Kautschuk sich sehr bald erweichen, klebrig werden und nichts mehr taugen. Der Handel lieferte bis jezt die Gutta Percha in flüssigem Zustand und nicht |240| nur heißes Wasser ertheilt der festen ihre plastischen Eigenschaften wieder, sondern sie löst sich auch in denselben Lösungsmitteln auf, wie der Kautschuk und es lassen sich aus ihr, wie aus lezterem Blöke, Massen etc. bilden. Endlich kann man die Gutta Percha mit dem Kautschuk selbst verbinden, mit welchem sie sich sehr gut vereinigt. – Hr. Wishaw übergab kürzlich der polytechnischen Gesellschaft in London eine ziemliche Anzahl aus Gutta Percha geformter, hübscher Gegenstände, wie Medaillenabdrüke, Pfeifen etc., so wie auch eine Flasche mit einem Muster dieses Safts in flüssigem Zustand, wie er aus dem Baume kömmt. Er hatte sie aus Sincapore erhalten, umhüllt mit einer Schicht dieser Substanz, welche den Inhalt der Flasche gegen äußere Einflüsse vollkommen schüzte. Diese Hülle, hart wie Leder, wurde, nachdem sie 2–3 Minuten in siedendes Wasser getaucht worden war, sogleich wieder weich und konnte in eine feste Kugel von der Größe einer Faust geknetet werden. – Der die Gutta Percha liefernde Baum ist auf Sincapore sehr allgemein, weßhalb man sie in genugsamer Menge zu beziehen im Stande seyn wird. Der bekannte Techniker Hancock ließ sich ein Patent ertheilen, die Gutta Percha, mit Korkholzpulver, Gallerte und Melasse vermengt, zu wasserdichten Stöpseln für Flaschen und andere Gefäße zu verarbeiten (mitgetheilt im polytechn. Journal Bd. XCVI S. 332); bei ihren vorzüglichen Eigenschaften wird sie aber bald viele andere, wichtige Anwendungen finden. (Technologiste, Jun. 1845, S. 408.)

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