Titel: Anbau des Zukerrohrs und Zukerfabrication an der andalusischen Küste.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 97, Nr. LXIII./Miszelle 6 (S. 240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj097/mi097063_6

Anbau des Zukerrohrs und Zukerfabrication an der andalusischen Küste.

Hierüber erschien von Hrn. Ramon de la Sagra vor kurzem eine Abhandlung. Nach demselben wurde das Zukerrohr an der andalusischen Küste vor sehr langer Zeit, schon vor der Herrschaft der Araber, angebaut. Während der leztern aber wurden die Fabriken zahlreicher und noch jezt findet man Ueberreste jener alten Zukersiedereien. Gegenwärtig sind noch neun in Thätigkeit, die jährlich 15 Millionen Kilogr. Zukerrohr von den 25 Millionen, welche die Ernte liefert, verarbeiten. Das Uebrige wird, wie auf den Antillen, in Natur consumirt, indem die Einwohner den Saft aus dem Rohr zu saugen pflegen. Diese neun Zukersiedereien sind zu Motril, Alumisecas, Mavo, Nerja, Trijiliana, Torroz und Velez-Melaga, herrliche Gegenden eines tropischen Klima's, mit reichem, von den die Sierra-Nevada herunterkommenden Flüssen beneztem Boden, in welchem die Banane, der Guajakbaum etc. im Freien wachsen. In dieser Gegend Spaniens werden zwei Arten des Zukerrohrs gebaut, das kleine, auf den Antillen das creolische genannt, welches in Spanien auf den balearischen und canarischen Inseln schon vor der Eroberung angebaut wurde, und das große, otaheitische Zukerrohr, welches im Jahr 1816 eingeführt wurde. Beide können im neunten Monat nach der Pflanzung geschnitten werden und in den meisten Gegenden kann jährlich einmal geerntet werden. Das andalusische Klima eignet sich so sehr zum Zukerbau, daß man in den Colonien weder besser cultivirte Felder, noch schöneres Rohr sehen kann. Das Rohr liefert bis 77 Proc. Saft von 10, 11 bis 11 1/2° Baumé bei mittlerer Temperatur. Das Fabricationsverfahren ist aber sehr mangelhaft und gleicht dem alten Verfahren auf den Colonien. Doch wird das Rohr viel besser ausgepreßt und man hat sogar hydraulische Pressen von 500,000 Kilogr. Druk eingeführt, deren man sich nach Anwendung der gußeisernen Mühlen bedient. Der mittlere Ertrag dieser Zukerrohre ist 10 bis 12 Proc. Zukersubstanz. Von diesem Product sind 2/5 weißer und brauner Zuker und 3/5 Zukersyrup (Melasse). Die gegenwärtige Fabrication liefert daher beinahe 2 Millionen Kilogr. Zukerproducte, wovon 400,000 Kilogr. weißer, 400,000 brauner Zuker und das übrige Syrup ist. Die Fabrication ist übrigens in der Ausdehnung und Verbesserung begriffen, so daß die andalusische Küste bald allein die 25 Millionen Kilogr., deren Spanien gegenwärtig bedarf, liefern wird. (Echo du monde savant, 1845, Nr. 48 und 49.)

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