Titel: Ueber die Fabrication des schmiedbaren Gußeisens.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 97, Nr. LXXXIV./Miszelle 2 (S. 312–313)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj097/mi097084_2

Ueber die Fabrication des schmiedbaren Gußeisens.

Nicht allein in England, Frankreich und am Rhein ist die Kunst schmiedbares Gußeisen zu erzeugen bekannt, auch in Oesterreich, in dem Städtchen Neunkirchen, 8 Meilen jenseits Wien, findet sich dazu eine in großem Styl angelegte Fabrik. Vor allen schmiedbaren Gußeisentheilen zeichnen sich die in der benannten Fabrik vortheilhaft aus. Es wird zu dergleichen Eisentheilen weißes steiermärkisches Roheisen verwendet, welches in Tiegeln in einem Zugofen geschmolzen wird. Die zu gießenden Theile werden in Gießflaschen, die aus zwei Hälften bestehen, gegossen, und zu Füllung der Flaschen gewöhnlicher Gießsand genommen. Nach dem Erkalten werden die Formen geöffnet, und die gegossenen Theile herausgenommen. Jezt sind diese Theile noch so hart und spröde, daß sie durch einen mäßigen Schlag mit dem Hammer zerspringen. Die Eigenschuft des Schmiedens, Schweißens und des Härtens wird ihnen nun durch das Glühen oder Tempern gegeben. Bei dieser Procedur wird dem Eisen ein Theil seines Kohlengehalts entzogen, so daß derselbe nur noch im verfeinerten Grad oder als Extract (!) in demselben zurükbleibt. Das Glühen oder Tempern geschieht in einem Glühofen, der mit Zugröhren versehen ist, bei Holzkohlenfeuer durch die Flamme. |313| Diese entführt den Kohlenstoff, und gibt dem Eisen denjenigen Grad von Sauerstoff als Zusaz(?), der zu der erwähnten Eigenschaft erforderlich ist. Die Zeit des Glühens richtet sich nach der Größe und Stärke der eingesezten Stüke, und erfordert eine besondere Kenntniß, die auf Erfahrung beruht, und wird als das eigentliche Geheimniß betrachtet. Solche Theile, die nicht die gehörige Zeit im Glühfeuer verbleiben, sondern zu frühzeitig herausgenommen werden, sind nicht durch ihre ganze Stärke entkohlt, was an den zerschlagenen Stüken zu sehen ist. Es begränzt sich sehr scharf, wie tief hinein sich die Textur des Gußeisens verändert, und eine dem Gußstahl ähnliche Textur angenommen hat. Alle nur möglichen Theile werden auf die beschriebene Weise gegossen und geglüht. Namentlich werden Messer und Gabeln, große und kleine Scheren, Schlüssel und Schloßtheile, Hufeisen, Korkzieher, Scharnierbänder, Maschinenstüke, Theile zu Gewehrschlössern etc. auf diese Weise verfertigt. Die Scheren und Messer haben einen feinen Schnitt, den sie auch lange behalten, vorausgesezt daß sie richtig gehärtet worden sind. Das auf angegebene Weise bereitete Eisen läßt sich im rothglühenden Zustand vollkommen gut mit dem Hammer schmieden, und im weißglühenden Zustand schweißen, es verbindet sich gut und es ist von der Schweißnath wenig zu sehen. Es läßt sich zu Blech austreiben, kalt biegen, hämmern und richten; das Blech läßt sich wie jedes andere Blech aufrollen. Eisenarbeiter können es zu Werkzeugen gebrauchen, als Meißel, Drehstähle, Hobeleisen und Bohrer. Diese werden auf die jedem Eisenarbeiter bekannte Weise gehärtet und nach dem Härten blau angelassen; bei richtiger Harte stehen solche den Werkzeugen von Gußstahl nicht nach. Das Eisen läßt sich mit der Feile und dem Drehstahl gut bearbeiten, gibt bei lezterem einen langgekräuselten zusammenhangenden Spahn, woraus sich wohl die Dichtigkeit der Gefüge des Eisens erkennen läßt. Im federharten Zustand besizt es jedoch keine Elasticität. Was die Haltbarkeit anbelangt, so läßt es nichts zu wünschen übrig, es übertrifft das Schmiedeisen, wie mehrfache Versuche es gezeigt haben. (Bergwerksfreund, 1845, Nr. 30.)

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