Titel: Bituminöse Erde (erdige Braunkohle) ein vorzügliches Mittel zur Zerstörung des Abtrittgeruchs.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 97, Nr. LXXXIV./Miszelle 7 (S. 315–316)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj097/mi097084_7

Bituminöse Erde (erdige Braunkohle) ein vorzügliches Mittel zur Zerstörung des Abtrittgeruchs.

Hr. Schulinspector Soldan in Friedberg (Vorstand der Localsection des großh. hess. Gewerbvereins daselbst) hat über diesen Gegenstand dem großherzogl. Gewerbverein folgende sehr beachtenswerthe Notiz mitgetheilt:

„Meine Versuche, durch unsere bituminöse Erde, als eine fein zertheilte Kohle, den Abtrittgeruch, besonders auch das Schwefelwasserstoffgas zu zerstören, haben sich, wie früher schon in meiner Wohnung. nun auch in anderen Häusern so bewährt, daß ich dieses Mittel unbedenklich für den fraglichen Zwek empfehlen kann. Selbst eine angefüllte und umgerührte Grube, die recht in Fäulniß war, hörte augenbliklich auf zu riechen, als ein kleiner Korb voll dieses Pulvers hineingeworfen wurde. In Fällen, wo sich in verschlossenen Räumen hauptsächlich Ammoniakgas entwikelt, könnte man der Braunkohle etwas Gyps zusezen. und zwar gemahlen, wie er auf die Aeker gestreut wird. Auch von dessen Wirkung habe ich mich bei mehreren Gelegenheiten hinreichend überzeugt Daß durch beide Stoffe, in Verbindung mit einander angewendet, fast das nämliche, vielleicht eben so viel erreicht werden kann, als durch das bekanntlich gegenwärtig in Frankfurt a. M. von Franzosen zu dem nämlichen Zwek ausgebeutete, aus theurern Ingredienzien bestehende Mittel, läßt sich mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit annehmen. Uns kostet die so verwendete Braunkohle nicht nur gar nichts, sondern wir sind sogar froh, sie auf solche Art verwenden zu können, da diese Abfalle von den geformten Stüken erst wieder geformt werden mühten, um verbrannt zu werden, was eine sehr schmuzige und viel Wasser erfordernde Arbeit ist, daher in einer gewöhnlichen Haushaltung nicht leicht vorgenommen werden dürfte. Es wäre übrigens zu untersuchen, ob nicht dasselbe Resultat auch mit Steinkohlenklein zu erreichen wäre, vielleicht auch mit Torferde, da der wirksame Stoff unstreitig nur die fein zertheilte Kohle ist. Sollte aber auch nur unsere Erdkohle dazu sich eignen, so wäre diese immer noch zu einem hinreichend geringen Preise nach Darmstadt und Frankfurt zu bringen, um durch dieses sehr einfache und wohlfeile Mittel einer vielfach empfundenen widrigen Plage zu begegnen, welche bisher bei allen Bemühungen der Architekten noch nicht vollkommen entfernt werden konnte; denn der Centner unserer Braunkohlen kostet nur 10 kr. und 2–3 Centner reichen vollkommen hin, einen gewöhnlichen Abtritt auf mehrere Monate gänzlich von seinem Geruch zu befreien, ja es reicht hiezu bei sonst richtiger Anlag? des Abtritts noch eine weit geringere Quantität schon hin.“

Die an und für sich interessante Mittheilung des Hrn. Soldan verdient gerade eben um so mehr Beachtung, als wie darin bemerkt, in Frankfurt eine Gesellschaft von Franzosen für einen ähnlichen Zwek concessionirt wurde, welche mit der geruchlosen Entleerung der Abtritte übrigens noch ein weiteres Geschäft, nämlich eine auf wissenschaftliche Principien sich gründende Düngerbereitung, zu verbinden beabsichtigt. Das Verfahren, dessen sich diese HHrn. bedienen, ist Geheimniß, und wir haben darüber nur so viel erfahren können, daß zur Entleerung einer Grube zuerst der flüssige Theil derselben vermittelst einer Pumpe in Fässer gehoben, sodann zur Geruchvertilgung pulverförmige thierische Kohle, nach anderen Nachrichten auch Eisenvitriol, dem festen Rükstand beigefügt wird. Bei dieser Vermengung werden zugleich auch andere Stoffe beigefügt, welche geeignet sind, einen je nach Verschiedenheit des Zweks verschieden zusammengesezten Dünger zu erhalten. So erhält z.B. der Dünger für Weinberge einen Kalizusaz, weil der Weinstok sehr reich an Kali ist, der Dünger für Getreide erhält viel Kieselerde und Gyps, weil beide Bestandtheile vorherrschend im Roggen, Gerste u.s.w. gefunden werden u.s.w. – In welchem Verhältniß die Wirksamkeit der von den genannten HHrn. angewendeten Mittel, als Geruchvertilgungsmittel betrachtet, zu der desinficirenden Wirkung der erdigen Braunkohle sich verhält, ist uns unbekannt. Da von Seite des großherzoglichen Gewerbvereins Versuche mit lezterer anzustellen beschlossen wurde, |316| so werden die Resultate demnächst durch die Vereinszeitschrift zur öffentlichen Kenntniß gelangen. (Notizblatt des Gewerbvereins für das Königreich Hannover, 1845, Nr. 3.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: