Titel: Ueber Divi-divi.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 97, Nr. LXXXIV./Miszelle 8 (S. 316–317)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj097/mi097084_8

Ueber Divi-divi.

Bereits im vorigen Jahrhundert hat man die Divi-divi-Schote (von der Caesalpinia Coriaria) wegen ihres Gehalts an Gerbstoff (und Galläpfelsäure) zum Färben und Gerben versucht, und enthält das klassische Werk von Böhmer „technische Geschichte der Pflanzen“ darüber im zweiten Bande S. 289 eine Notiz. Dieses Gerbmaterial wurde zuerst 1769 aus Caraccas nach Spanien gebracht. Da nun jezt die Divi-divi-Schote, als ein Surrogat der Borke, wichtig zu werden beginnt, da die dankenswerthen Bemühungen eines wissenschaftlich gebildeten Gerbers, Hrn. Kampffmeyer, die Nüzlichkeit und Wirksamkeit dieses Materials dargethan haben (vergl. die Abhandlung desselben im polyt. Journal Bd. XCIV S. 154), so schien es mir nicht unangemessen, einige neuere Notizen über dieses Gerbmaterial, aus englischen Schriften51) entlehnt, mitzutheilen.

Divi divi, von andern Libi-divi genannt, ist in neuester Zeit in beträchtlichen Quantitäten aus Carthagena nach England eingeführt worden. Es ist die Schote eines strauchartigen Baumes, welcher 20–30 Fuß hoch wird, in Südamerika wild wächst, auch auf Jamaica vorkommt; M'Fadyen führt ihn in seiner Flora von Jamaica auf. Die Schoten dieses Strauchs, Divi-divi genannt, haben eine dunkelbraune Farbe, sind nahe 3 (engl.) Zoll lang und etwa 1/2 Zoll breit, sind bedeutend gekrümmt, als wären sie stark getroknet; sie enthalten mehrere kleine platte Samen.

Divi-divi schmekt sehr zusammenziehend und bitter; der Siz des Gerbstoffs ist in der äußern Schale der Schote; die innere Haut, welche die Samen einschließt, ist weiß und fast geschmaklos. Oft findet man die Schoten mit kleinen Löchern versehen, welche sichtlich durch ein Insect hervorgebracht worden sind. Ein wässeriger Aufguß von Divi divi gibt einen reichlichen Niederschlag mit Leim, und wird dunkelblau von Eienoxydsalzen gefällt. Die Schote enthält keine geringe Menge Gerbsäure, auch etwas Gallussäure, von einer bedeutenden Menge Schleim begleitet. Man kann Gallussäure in Krystallen erhalten, wenn man mittelst Leim die enthaltene Gerbsäure fällt, die Flüssigkeit dann zur Extractdike abdampft und mit Alkohol behandelt. Man trennt sodann, nach dem Abklären, die Flüssigkeit vom Bodensaz, destillirt die größte Menge des Weingeists ab, und dampft den Rükstand im Wasserbad zur Trokniß ein. Behandelt man nun das Zurükgebliebene in einer verschlossenen Flasche mehrmals mit Aether, und läßt dann den leztern verdunsten, so zeigen sich röthlich gefärbte Krystalle, die in Alkohol, dann in Wasser gelöst und umkrystallisirt, mittelst Thierkohle entfärbt werden. Bindet man nun diese Substanz an Bleioxyd, zerlegt sodann die unlösliche Masse durch Schwefelwasserstoffgas, so kann man völlig weiße Krystalle aus der wässerigen Lösung gewinnen. Sie erweisen sich als reinste Gallussäure in ihren Reactionen auf Eisenoxydsalze und gegen andere bekannte Reagentien. Auch durch Elementaranalyse hat sich die Identität mit der Gallussäure klar herausgestellt.

Da bekanntlich die Gerbsäure aus Galläpfeln durch trokne Destillation Pyrogallusäure liefert, so wurde versucht, ob auch die aus Divi-divi abgeschiedene Gerbsäure sich eben so verhalte. Es wurde eine wässerige Lösung von Divi divi mit Schwefelsäure versezt, der dunkelbraune Niederschlag auf einem Seihtuch gesammelt, mit kaltem Wasser ausgewaschen, um denselben so viel als möglich von anhängender Schwefelsäure zu befreien, und abgepreßt. Nach dem Troknen wurde der Niederschlag der troknen Destillation unterworfen, aber keine Spur von Pyrogallussäure gewonnen. Es wurden nur geringe Mengen von empyreumatischen Substanzen und eine sehr voluminöse Kohle erhalten. Es scheint daher die Gerbsäure im Divi divi von der in Galläpfeln wesentlich verschieden zu seyn.

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Es wird mitgetheilt, daß vor mehreren Jahren einige Kattundruker in England das Divi-divi statt Gallapfel versucht haben, allein fanden, daß der reiche Gehalt an Schleim dasselbe zu diesem Zwek unbrauchbar macht. Heutzutag wird aber Divi-divi von Lohgerbern sehr viel angewendet, wobei das Vorhandenseyn des Schleims nicht hinderlich wirkt. Es kostet in England die Tonne (20 Cntr.) ungefähr 20 Pfd. Sterl., also der Centner 6 2/3 Thlr. Prof. Dr. Schubarth. (Verhandl. des Vereins z. Bef. des Gewerbfl. in Preußen, 1845, 1ste Lief)

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Some preliminary Experiments upon the pod of Caesalpinia Coriaria by Rodsey, in the Edinburgh new philosophical Journal 1832 p. 135. – Notice on Dividivi by Stenhouse, in the proceeding of the Glasgow philosophical Society No. 3, 1842, p. 47.

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