Titel: Sorel's Verbesserungen am Dampfmaschinen und Locomotiven.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 97, Nr. C./Miszelle 2 (S. 397–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj097/mi097100_2

Sorel's Verbesserungen am Dampfmaschinen und Locomotiven.

Hr. Sorel übergab im Mai 1844 der französischen Akademie der Wissenschaften eine Abhandlung über verschiedene Verbesserungen, welche er an den Dampfmaschinen, ihren Kesseln und Oefen gemacht hat. Da über dieselbe bis jezt noch kein Bericht erstattet wurde, so bemerkt er, daß die neuesten Versuche der HHrn. Gouin und Le Chatellier (S. 1 in diesem Bande des polytechn. Journals) die Nüzlichkeit seiner Apparate beweisen, welche die von jenen Ingenieuren nachgewiesenen Uebelstände beseitigen. Sorel's Apparate sind an der Dampfmaschine des Hrn. Cordier, Fabrikant polirten Stahls zu Paris, angebracht und sollen demnächst auch an einer Locomotive der Versailler Eisenbahn (linkes Ufer) an gewendet werden. Bei jener stehenden Dampfmaschine werden durch dieselben 18 Proc. an Brennmaterial erspart; wahrscheinlich wird die Ersparung bei den Locomotiven doppelt so groß seyn.

Sorel lenkt die Aufmerksamkeit der Akademie hauptsächlich auf folgende Vorrichtungen:

1) Auf seinen Mechanismus, welchen er Rostreiniger (dégage-grille) nennt und dessen Zwek ist, die Verbrennung zu befördern. Die Dampferzeugung eines Kessels soll dadurch verdoppelt werden können, was besonders für die Dampfschiffe und Locomotiven wichtig ist. Dieser Apparat sezt uns in Stand, das Gewicht und Volum der Locomotiven so wie auch des Wassers und Brennmaterials, welches man mit sich führen muß, beträchtlich zu vermindern; er gestattet überdieß das Dampf-Ausblaserohr, welches durchschnittlich 15 Pferdekräfte absorbirt, wegzulassen oder zu vergrößern.

2) Auf seinen Apparat zum Verdampfen sowohl desjenigen Wassers, welches in die Cylinder fortgerissen wird, als desjenigen, welches sich darin durch die Verdichtung des Dampfs bildet. Dieser Apparat, der den gewöhnlichen Dampf, welcher immer übersättigt ist mit überhiztem Dampf in gewissen Verhältnissen vermischt, liefert in vielen Fällen eine Brennmaterial-Ersparniß von 25 Proc.

Aus den Versuchen von Gouin und Le Chatellier geht hervor, daß der Dampf, weil er nicht schnell genug während des rükgängigen Kolbenlaufes entweichen kann, auf den Kolben einen Gegendruk ausübt, welcher den Nuzeffect des Dampfs um 42 Proc. vermindert; dieser Kraftverlust rührt großentheils von dem Dampf-Ausblaserohr her, das man anwendet, um die zur Verbrennung erforderliche Luft in den Feuerraum zu ziehen.

Durch einen Apparat Sorel's soll die Verbrennung ohne Beihülfe des Dampf-Ausblaserohrs bewirkt werden.

Eine andere Ursache von Kraftverlust ist nach den genannten Ingenieuren das Wasser, welches durch den Dampfstrom in flüssigem Zustand in die Cylinder mitgerissen wird; dieses Wasser, welches nach ihnen 18–20 Proc. beträgt und nach anderen Ingenieuren 24–50 Proc., entzieht Wärmestoff, ohne einen Nuzeffect hervorzubringen.

Einer von Sorel's Apparaten hat zum Zwek, dieses Wasser mittelst der verloren gehenden Wärme des Rauchs in nuzbringenden Dampf zu verwandeln.

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Man sieht, wie viel die Locomotiven, ungeachtet ihrer großen Vollkommenheit, noch immer zu wünschen übrig lassen.

Kürzlich hat Sorel einen Mechanismus erfunden, durch welchen ebenfalls Ersparung an Brennmaterial erzielt werden soll, der aber nicht bei Locomotiven anwendbar ist: derselbe wirkt dadurch, daß er nach Bedarf das Register des Kamins öffnet und schließt, so daß in den Feuerraum nicht mehr Luft eintreten kann, als zur Verbrennung erforderlich ist. Ueberdieß benachrichtigt er den Heizer durch ein großes Geräusch, wenn der Feuerraum gespeist werden muß. Dieser Apparat ist ebenfalls an der Dampfmaschine des Hrn. Cordier angebracht. (Comptes rendus, Jun. 1845, Nr. 23.)

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