Titel: Prof. Graham, über eine neue Eigenschaft der Gase und deren technische Anwendung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 97, Nr. CXVIII./Miszelle 2 (S. 464–465)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj097/mi097118_2

Prof. Graham, über eine neue Eigenschaft der Gase und deren technische Anwendung.

In einer Versammlung der British Association for the Advancement of Science hielt Prof. Graham einen Vortrag über die Diffusion (freiwillige Vermischung) der Gase durch poröse Körper hindurch. Es gilt dafür das Gesez, daß die leichteren Gase sich viel schneller vermischen, als die dichteren. Ueber den Durchgang der Gase in den luftleeren Raum, welchen er Effusion nennt, stellte er ebenfalls Versuche an. Die Geschwindigkeit der atmosphärischen Luft zu 1,0 angenommen, beträgt die des Sauerstoffs nach dem Versuch 0,9500, der Berechnung nach 0,9487. Die Kohlensäure, welche viel schwerer ist als die Luft, gab die Zahl 0,812, Kohlenwasserstoff 0,1322 als Effusionsgeschwindigkeit. Wasserstoff gab 3,613. Es wurde hiebei mehrerer nüzlicher Anwendungen dieser Geseze erwähnt, z.B. bei der Bereitung des Steinkohlengases, wo man die Qualität sowohl als Quantität des Gases kennen zu lernen wünscht. Da das Gas auf seinem Weg zu einem luftleeren Raum die Mündung um so schneller passiren wird, je leichter es ist, und um so langsamer je mehr es an Dichtigkeit zunimmt, und da ferner das beste Kohlenwasserstoffgas auch das schwerste ist, so wäre ein Instrument zur Messung dieser Geschwindigkeit und damit zur gleichzeitigen Angabe der Güte und Menge des Gases leicht zu construiren. Auch wurde vorgeschlagen, sich in Gruben zur Entdekung des Vorhandenseyns leichten Kohlenwasserstoffs (Schwaden) eines Instruments zu bedienen. Den Durchgang unter Druk befindlicher Gase durch poröse Körper nennt Graham: Transspiration. Sein Experimentirverfahren bestand darin, einen oben offenen Glasrecipient anzuwenden, der oben mit einer Stuccoplatte verschlossen wurde. Diesen brachte er an eine Luftpumpe, pumpte die Luft aus und las die Geschwindigkeit, mit welcher die Luft durch den Stucco ging, an dem Queksilber-Manometer ab. Die Transspiration der atmosphärischen Luft wurde größer befunden als die des Sauerstoffs; die der Kohlensäure größer als des Sauerstoffs, sogar unter niedrigerem Druk, als dem atmosphärischen; die des Wasserstoffs um ein Drittheil größer als des Sauerstoffs. Es kann dieses Verfahren auch zur Erklärung der |465| Exosmose und Endosmose, des Durchgangs von Flüssigkeiten durch poröse Körper, angewandt werden. (Chemical Gazette, 1845, Nr. 67.)

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