Titel: Cawood's und Pritchard's Verbesserungen an mechanischen Webestühlen.
Autor: Cawood, Martin
Pritchard, William
Fundstelle: 1845, Band 98, Nr. V. (S. 10–13)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj098/ar098005

V. Verbesserungen an mechanischen Webestühlen, besonders für leinene Gewebe, worauf sich Martin Cawood, Mechaniker zu Leeds, und William Pritchard zu Burley bei Leeds, am 12. Sept. 1844 ein Patent ertheilen ließen.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions, Jul. 1845, S. 20.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Unsere Erfindung bezieht sich

1) auf eine Methode die Kette zu liefern;

2) auf geeignete Mittel den Webestuhl still zu stellen, wenn der Eintrag nicht mit dem Schüzen durch die Kette gegangen seyn sollte;

3) auf die Construction einer selbstthätigen Vorrichtung, um das Gewebe ausgespannt zu erhalten;

4) auf eine Methode dem leinenen Gewebe in mechanischen Webestühlen Elasticität zu geben, damit die Lade nicht, wie bisher, Nachtheile erleide.

Wir haben es nicht für nöthig erachtet, in den Abbildungen den vollständigen Webestuhl darzustellen, sondern dieselben hauptsächlich auf unsere Verbesserungen beschränkt. In allen Figuren findet man gleiche Theile mit gleichen Buchstaben bezeichnet. a, Fig. 19 und 20, ist der Kettenbaum, an dessen Achse das Rad b befestigt ist, welches seine Bewegung von der Schraube c erhält. Die Geschwindigkeit der Schraubenachse d wird durch den abnehmenden Durchmesser der Kettenwalze regulirt, damit die Bewegung der Kette ungeachtet des abnehmenden Durchmessers des Kettenbaumes stets gleichförmig sey. Dieser Zwek wird auf folgende Weise erreicht. e ist eine Walze, welche beständig gegen die Oberfläche der Kette auf dem Kettenbaum drükt; diese Walze ist in den an einer Achse g befestigten Armen f gelagert. Eine Feder h an dem Ende des gleichfalls an der Achse g befestigten Arms f1 drükt die Walze e fortwährend gegen die Oberfläche der Kette auf dem Kettenbaume. f2 ist ein anderer an die Achse g befestigter Arm und i eine Verbindungsstange, welche mit dem Arm f2 und dem um k drehbaren Winkelhebel j artikulirt. An das andere Ende des Hebels j ist die Verbindungsstange l eingehängt, welche vermöge ihrer gabelförmigen Gestalt zu beiden Seiten des um m1 drehbaren und mit einem Schliz versehenen Winkelhebels vorbeigeht. Mit der Stange l steht die Verbindungsstange n in Verbindung; der Bolzen, welcher das gabelförmige Ende der ersteren mit der lezteren vereinigt, geht durch den Schliz in dem Hebel m und das andere Ende der Stangen ist mit dem geschlizten Arm durch einen Bolzen verbunden. Der Arm o |11| ist mit einem Schliz versehen, damit sich der Bolzen, womit die Stange n mit demselben verbunden ist, durch den Arbeiter adjustiren lasse, so daß, je nachdem dieser Bolzen höher oder niedriger in dem Schlize befestigt wird, die Quantität des auf eine gegebene Länge des Fabricates kommenden Eintrags regulirt werden kann. An der Achse der Schraube c befindet sich das Sperrrad p, welches durch die an dem Ende der Stange r angebrachten Sperrklauen q umgetrieben wird. Das vordere Ende der Stange r ruht in einem Loche oder Lager an der Vorderseite der Maschine, und nahe an dem Ende, wo die Klauen angebracht sind, befindet sich ein kleiner Hals oder eine Hervorragung rechtwinkelig zu der Seite der Stange. Dieser Hals tritt in ein an dem Ende des Winkelhebels m angebrachtes Lager; wenn sich daher dieses Ende des Hebels auf und nieder bewegt und dadurch die Sperrklauen in Thätigkeit sezt, so behaupten sie doch immer eine beinahe verticale Stellung, anstatt sich durch denselben Bogen zu bewegen, den das untere Ende des Hebels m beschreibt. Dieser leztere Umstand ergibt sich daraus, daß die Stange r, woran die Klauen befestigt sind, auf der einen Seite einen Hebel von beträchtlicher Länge bildet. An der Achse der Schraube befindet sich eine Rolle c2, welche von einem Riemen, woran ein Gewicht hängt, die nöthige Reibung erhält, um der Achse eine stetige Bewegung zu geben. Aus der ganzen Einrichtung erhellt nun, daß in dem Maaße, als der Garnbaum an Durchmesser zunimmt, das Sperrrad um einen größeren Bogen umgedreht wird, daß also die Kette mit gleichförmiger Bewegung fortschreitet.

Wir kommen nun zum zweiten Theil unserer Erfindung. s ist eine geschlizte Stange. Der geschlizte Theil steht an der Vorderseite des Rietblatts und die Stange ist an einen um t1 drehbaren Hebel t befestigt. Um das geschlizte Ende s1 dieser Stange in der geeigneten Lage zu erhalten, ist ein belasteter, vertical hängender Hebel v angebracht. Mit dem anderen Ende der Kurbel t steht die Stange t2 in Verbindung, deren unteres Ende eine Erweiterung enthält; je nachdem nun diese Erweiterung unter dem Riegel t3 weggeschoben oder daselbst gelassen wird, fährt der Webestuhl in seiner Thätigkeit fort oder hält still, wobei die Stange t2 durch das Gewicht im Zustande des Gleichgewichtes erhalten wird. Der Riegel t3 wird vermittelst einer gewundenen Feder beständig zurükgehalten und die Hervorragung t4 an der Excentricumwelle drükt den Riegel bei jeder Umdrehung hinauf. Bleibt die Erweiterung zwischen dem Ende des Riegels und des Hebels u, so wird der Webestuhl durch den Hebel u außer Thätigkeit gesezt, indem dieser den Riemenhebel frei läßt; sinkt dagegen die Erweiterung aus dem Raume zwischen dem Ende des |12| Riegels und dem Hebel nach dem Riemen herab, so sezt der Webestuhl seine Thätigkeit fort. Eine kleine Hervorragung w ist gerade an der Vorderseite des Rietblattes so befestigt, daß sie in dem Augenblike, wo die Lade aufschlägt, leicht zwischen die geschlizten Enden s1 der Stange s tritt, wobei sie den Eintrag zwischen sich und das geschlizte Ende nimmt; dadurch wird dieses Ende mit dem Eintrag vorwärts geführt, und veranlaßt nun die Erweiterung der Stange t2 unter den Riegel hinabzugehen; der Riegel kommt daher mit dem Hebel des Treibriemens nicht in Berührung, weßwegen der Webestuhl zu arbeiten fortfährt. Sollte jedoch der Eintrag nicht durch die geöffnete Kette gegangen seyn, so wird das geschlizte Ende nicht bewegt, die Erweiterung der Stange t2 bleibt zwischen dem Riegel und dem Hebel des Treibriemens und veranlaßt dadurch den Stillstand des Webestuhls.

Wir kommen nun zur Beschreibung einer zweiten Anordnung zum Einstellen des Webestuhls, wenn der Eintrag nicht durch die Kette gegangen seyn sollte. Fig. 23 stellt diese Einrichtung dar. Die Stelle des oben erwähnten Riegels vertritt hier ein Rad x, welches bei jedem Aufschlagen der Lade y um einen Zahn vorwärts bewegt wird. y enthält einen Treiber y1 welcher bei der Vorwärtsbewegung des Schwertes auf die Zähne des Rades wirkt. Gegen den unteren Theil des Rades lehnt sich das eine Ende des Hebels z, während das andere Ende desselben durch die Umdrehung des Rades auswärts bewegt wird. Sollte sich daher die Erweiterung an dem unteren Ende der Stange t2 zwischen ihm und dem Riemenhebel befinden, so würde der Webestuhl in Stillstand kommen; wird dagegen diese Erweiterung aus dem Raume zwischen dem Hebel z und dem Riemenhebel hinwegbewegt, so sezt der Webestuhl seine Arbeit fort. Die übrigen Theile des Apparates sind den bereits beschriebenen ähnlich.

Der dritte Theil unserer Erfindung ist in Fig. 24 und 25 dargestellt. An den Brustbaum sind die Federn 1,1 befestigt, woran die Endplatten 2,2 angebracht sind; diese sind mittelst zweier Stangen 3,3 mit einander verbunden. 4 ist eine in den Platten 2,2 gelagerte Achse. Die Achsenenden enthalten Erweiterungen oder Cylinder 5,5, um die ein schmales Drahtkrazenband mit kurzen Zähnen schraubenförmig gewunden und befestigt ist, so daß das von dem Riet kommende Gewebe durch die Rotation der Achse 4 ausgespannt wird. Das Gewebe geht über die Stange 3 nächst dem Rietblatt, tritt unter die Achse 4, dann über die Stange 3 nächst dem Brustbaum und von da über den Brustbaum.

Wir kommen nun an den vierten Theil unserer Erfindung, welcher in einer solchen Anordnung der Kette für Leinwand besteht, daß die Kette |13| in Ermangelung der natürlichen Elasticität von dem Webestuhl selbst die nöthige elastische Bewegung erhält. Die Kette geht von dem Kettenbaum über eine Walze 6 und von da über den Brustbaum. Die Walze 6 ist in den an das Maschinengestell befestigten gußeisernen Armen 7 gelagert. Diese Arme besizen wegen ihrer Länge einen gewissen Grad von Elasticität oder elastischer Nachgiebigkeit, welche es möglich macht, leinene Gewebe mit Sicherheit auf mechanischen Stühlen zu erzeugen.

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