Titel: Schmidt, über das Lakiren des Leders.
Autor: Schmidt, Eduard Oscar
Fundstelle: 1845, Band 98, Nr. LXVII. (S. 235–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj098/ar098067

LXVII. Ueber das Lakiren des Leders und die Bereitung der hiezu nöthigen Lakfirnisse und Beizen; von E. O. Schmidt.

Aus dem polytechnischen Centralblatt 1845, Nr. 17.

Das Leder, welches lakirt werden soll, muß vor allen Dingen aufgespannt werden, zu welchem Zwek man es mit Nägeln an den Enden so auf ein glattes Brett nagelt, daß die Aasseite, welche lakirt wird, nach oben und die Narbenseite nach unten zu liegen kommt. Nachdem das eine Ende des Leders auf das Brett aufgenagelt ist, befeuchtet man es mit einem in Wasser getauchten Schwamm und spannt das Leder, während es sich noch im feuchten Zustand befindet, ganz straff auf das Brett, wo es mit seinem andern Ende ebenfalls mit Nägeln befestigt wird. Hierauf wird mit einem Stük Sandstein, an den man eine gerade Bahn geschliffen hat, das Leder, während es sich noch im feuchten Zustand befindet, einigemal hin und her abgeschliffen, damit alle Falten u. s. w. aus demselben verschwinden. Wenn dieses geschehen ist, so bestreut man die geschliffene Seite mit fein pulverisirter Kreide und schleift das Leder nochmals, jedoch nicht mit Sand, sondern mit Bimsstein so lange ab, bis daß die aufgestreute Kreide gänzlich verschwunden ist. Nach dem vollendeten Schleifen wird der Schliff rein abgewischt. Auf die gereinigte Oberfläche streut man Bimsstein auf, der vorher fein gestoßen und durch ein feines Haarsieb geschlagen worden ist, und schleift mit einem Stük Bimsstein, welcher mit einer geraden Bahn versehen ist, das Leder auf eine solche Art und Weise, daß aus demselben alle erhabenen und vertieften Stellen verschwinden; denn je glätter das Leder geschliffen ist, desto weniger Anstriche braucht man demselben zu geben. Sobald das Leder fein genug abgeschliffen worden ist, bürstet man dasselbe recht fein ab und beizt es entweder, oder gibt demselben irgend eine beliebige Farbe mit Lakfirniß. In dem einen oder dem andern Fall trägt man auf das Leder zulezt einen haltbaren |236| Lak, wozu sich vorzüglich ein geschmeidiger Copallakfirniß eignet, bei dessen Bereitung viel Oehlfirniß zugesezt worden ist. Noch bemerke ich, daß die Farben, sobald dieselben vollkommen troken sind, stets mit einem Stük Bimsstein abgeschliffen werden müssen, welches man in den in Wasser fein abgeriebenen Bimsstein taucht. Nach dem Abschleifen mit Bimsstein und Wasser bildet man sich aus einem Stük Filz einen Ballen, taucht diesen in das Wasser und den geriebenen Bimsstein ein und schleift mit ihm den Farbenauftrag vollends glatt. Wenn mehrere Farbenschichten aufgetragen werden, so wird jede Schicht für sich, nachdem sie vollkommen troken geworden ist, abgeschliffen, in Folge dessen die Farbe viel feiner wird. Der hiebei sich bildende Schliff wird mit einem Schwamm rein abgewaschen und man troknet die geschliffene Oberfläche mit einem feinen, leinenen Tuch ab, worauf das Leder so lange in die Sonne gebracht wird, bis es völlig troken geworden ist.

Bevor man den farbenlosen Lak aufträgt, wird die Oberfläche des Leders mit einem Stük Filz oder Wildleder und pulverisirtem Hirschhorn fein abgeschliffen. Wenn die lezte Lakschicht gehörig getroknet ist und geschliffen werden soll, was jedoch nicht nöthig ist wenn man während der Operation vorsichtig und reinlich zu Werke gegangen und das Auftragen gleichmäßig geschehen ist, so taucht man ein Stük Filz in Wasser und dann in pulverisirte Kreide und schleift damit den Lak ab. Nachdem dieses Abschleifen beendet ist, wischt man den Schliff fein ab, troknet die geschliffene Fläche mit einem reinen, weichen leinenen Tuch und polirt sie mit einem alten seidenen Tuch.

Von der Bereitung eines Copallakfirnisses, der für allerlei Lederwerk paßt.

Zum Lakiren des Leders können nur solche Lake angewendet werden, welche Elasticität genug besizen, um den steten Bewegungen, welchen das Leder ausgesezt ist, zu widerstehen, ohne daß der Laküberzug abspringt oder Risse bekommt. Um sich einen für das Leder geeigneten Lakfirniß zu bereiten, der allen an ihn gemachten Anforderungen entspricht, bedarf man vor allen Dingen gut gereinigtes Leinöhl, aus dem alle wässerigen und schleimigen Bestandtheile entfernt sind. Unter allen Lakfirnissen eignet sich zum Lakiren des Leders keiner besser, als der Copallakfirniß, von dem ich nachstehend die Bereitungsart angebe.

Vorerst stößt man Copal gröblich und bringt denselben in ein hartes, gut glasirtes, irdenes Gefäß, welches 6–7 Zoll hoch und 3–4 Zoll breit seyn muß. Nachdem der gestoßene Copal mit so viel Terpenthinöhl benezt worden ist, als zu dessen Befeuchten nöthig ist, verschließt man das Gefäß mit einem gut passenden Dekel. |237| Wenn der Copal 8–9 Stunden gekocht hat ader geschmolzen ist, so wird das Gefäß vom Feuer herunter genommen und der flüssige Copal mit einem hölzernen Spatel umgerührt, was so lange fortgesezt werden muß, bis man bemerkt, daß sich der Copal völlig aufgelöst hat. In einem andern Gefäß von derselben Höhe und Weite, als wie das, in welchem sich der flüssige Copal befindet, hat man 16–18 Loth Leinöhlfirniß gleichzeitig bis zum Kochen erhizt und mischt diesen langsam unter Umrühren mit dem Spatel der Copalauflösung zu. Rachdem die Mischung erfolgt ist, läßt man die größte Hize des Copallakfirnisses verflüchtigen und mischt demselben dann noch 6 Loth erwärmtes Terpenthinöhl unter beständigem Umrühren bei. Während sich der Copallakfirniß noch im heißen Zustand befindet, wird er durch eine dichte, reine Leinwand in gläserne Flaschen geseiht, die fest verstopft und in die Sonne gestellt werden.

Von der Bereitung eines schwarzen Lakfirnisses.

Um das Leder schwarz lakiren zu können, liefert das Beinschwarz die beste Schwärze; man kann aber auch vom Kienruß Gebrauch machen, jedoch muß dieser vor seiner Anwendung ausgeglüht werden, um demselben die fetten Theile zu entziehen, welche das schnelle Troknen des Laks hindern würden. Das Beinschwarz oder der Kienruß wird mit dem oben erwähnten Copallak vermischt, fein abgerieben und dann mit einer größeren Menge von Copallak verdünnt. Wird auf das Leder mehr als eine Lakschicht aufgetragen, so verwendet man der Ersparniß wegen zum ersten Anstrich anstatt des Copallaks einen gut troknenden Oehlfirniß. Auch kann man sich noch auf nachstehende Art und Weise einen schwarzen Lederlak bereiten:

Das Kalbleder, auf welches dieser Lederlak aufgetragen werden soll, muß gahr gemacht und auf der Aasseite gut ausgearbeitet seyn. Man feuchtet dasselbe mit einem naßgemachten Schwamm an, spannt es straff auf ein glattes Brett aus und schleift es mit einem Stük feinem Bimsstein gut ab. Um das Leder zum erstenmal anzustreichen, reibt man Umbra und gebrannten Kienruß zu gleichen Theilen mit einem gut troknenden Oehlfirniß recht fein ab und verdünnt dann die Composition mit so viel Oehlfirniß, als nöthig ist, um die Farbe verstreichen zu können. Für die nachfolgenden Lakschichten reibt man gebrannten Kienruß mit dem weiter oben beschriebenen Copallakfirniß recht fein ab und verdünnt dann die Composition mit so viel Copallak, als zum Verstreichen des Laks mit dem Pinsel nöthig ist. Jede Schicht wird, nachdem sie vollkommen troken geworden ist, gut abgeschliffen, wobei man auf die schon angegebene Art und Weise verfährt. Zur lezten Schicht bedient man sich eines Laks, der entweder |238| gar nicht vermischt oder nur mit sehr wenig Kienruß gefärbt ist und welcher flüssig genug seyn muß, um ihn mit der größten Gleichförmigkeit auftragen zu können. Der auf diese hier mitgetheilte Art und Weise bereitete Lak ist schön und biegsam, und das damit überzogene Leder kann zu Schuhen u. s. w. mit vielem Vortheil verarbeitet werden, da der Laküberzug weder Risse bekömmt, noch sich ablöst.

Von der Bereitung eines grünen Laks fürs Leder.

Das Leder, welches mit diesem Lak überzogen werden soll, muß weiß und gahr gemacht worden seyn und darf weder Oehl- noch Fettfleken haben; es wird gleichfalls auf ein glattes, gerades Brett aufgespannt. Den ersten Farbenüberzug gibt man dem Leder mit Grünspan, der in Oehlfirniß zu einer dünnen Masse abgerieben und dann durch einen größeren Zusaz von Oehlfirniß flüssig gemacht worden ist. Das Auftragen muß so gleichförmig als wie nur möglich und mit einem steifen Borstenpinsel geschehen. Wenn der erste Anstrich troken ist, so läßt man auf denselben, ohne ihn jedoch zu schleifen, eine zweite Schicht folgen, zu der man aber anstatt des Oehlfirnisses Copallak anwendet, dessen Bereitung ich schon weiter oben genau angegeben habe. Man läßt noch so viele Schichten folgen, bis daß der Ueberzug den gehörigen Glanz erreicht hat. Soll die Farbe etwas heller seyn, so muß man der Composition etwas Blei- oder Schieferweiß zusezen.

Einen andern ähnlichen grünen Lak erhält man durch ächtes Braunschweiger Grün, dessen Ton man nach Belieben mit Bleiweiß oder Berlinerblau und Schüttgelb verändern kann.

Von der Bereitung eines gelben Laks für Leder.

Vorerst reibt man Kasselergelb auf einem Reibstein mit Wasser recht fein ab, worauf man es auf einem Ziegel in Häufchen troknet und nochmals in Lakfirniß so fein wie möglich abreibt. Will man sich auf billigere Weise einen gelben Lak für Leder bereiten, so wird feiner gelber Oker mit einem beliebigen Zusaz von Bleiweiß auf ebendieselbe Weise behandelt, als wie ich es hier oben für die Bereitung des Kasselergelb angegeben habe. Beide Sorten von Lak eignen sich für jedes schöne weiße Leder. Der zur Anfertigung des gelben Laks dienende Leinöhlfirniß darf weder zu alt, noch zu stark gesotten seyn.

Von der Bereitung eines blauen Laks für Leder.

Hiezu verwendet man 4 Loth gutes Berlinerblau, das fein gestoßen und dann in 5–6 Loth Vitriolöhl in einem porzellanenen Gefäß aufgelöst wird. Nach erfolgter Auflösung schüttet man heißes Wasser in dieselbe, das nach Verlauf von einiger Zeit wieder abgegossen |239| und durch kaltes ersezt wird. Dieses Verfahren muß so lange wiederholt werden, bis die schwefelsaure Auflösung völlig ausgesüßt ist. Nach diesem wird das Berlinerblau getroknet und dann mit dem schon weiter oben erwähnten Copallakfirniß abgerieben, mit welchem man auch später die Farbe so verdünnt, um sie mit dem Pinsel auftragen zu können. Soll die Farbe heller seyn, so mischt man derselben etwas Bleiweiß zu. Durch Zusaz von etwas Kugellak zu dem Berlinerblau wird die Farbe veilchenblau.

Von der Bereitung eines rothen Laks für Leder.

Zur Anfertigung desselben verwendet man recht feinen Florentinerlak, der mit ganz reinem Kornbranntwein auf einem Reibstein recht fein abgerieben und dann in kleinen Häufchen, geschüzt vor dem Staub, getroknet wird. Anstatt des Florentiner Laks kann man jedoch auch Kugellak anwenden. Wenn die Farbe im Schatten gut troken geworden ist, so reibt man sie mit dem mehrfach erwähnten Copallakfirniß nochmals recht fein zusammen, bringt sie in ein irdenes Gefäß und verdünnt dieselbe mit so viel Copallakfirniß, als zum Auftragen der Farbe mit dem Pinsel nöthig ist.

Wenn der Lak eine hellrothe Farbe haben soll, so wendet man anstatt des Florentiner- oder Kugellaks feinen rothen Zinnober an.

Von der Bereitung eines weißen Laks für Leder.

Um sich diesen Lak anzufertigen, reibt man vorerst Bleiweiß mit weißgelblichem, nicht gekochten Leinöhl recht fein ab und trägt von dieser Farbe zwei Schichten hinter einander auf das Leder auf. Nach dem Troknen dieses Anstrichs trägt man auf das Leder drei und sogar vier Schichten von Kremserweiß auf, das in Wasser abgerieben, in Häufchen getroknet und dann nochmals mit weißem Copallakfirniß abgerieben worden ist. Ehe man eine neue Schicht Lak aufträgt, muß die vorhergehende vollkommen troken seyn. Wenn die lezte Schicht gehörig getroknet ist, so wird der Laküberzug auf bekannte Art und Weise geschliffen.

Von der Bereitung der Beizen für das Leder.

Das Färben des Leders kann auch dadurch geschehen, daß man demselben erst eine Beize gibt und dann den Lak aufträgt.

Um sich eine schwarze Beize zu bereiten, wendet man Eisenbeize und Essig an und man kann diese Composition durch einen Zusaz von gestoßenen Galläpfeln oder grünen Nußschalen noch schwärzer machen.

Will man dem Leder eine grüne Beize geben, so bürstet man erst dasselbe mit Berlinerblau und überzieht es dann mit einer gelben Beize. Dieses Verfahren wird so lange wiederholt, bis man die |240| gewünschte Farbe erhalten hat. Auch können zu diesem Zwek blaue und gelbe Tincturen unter einander gemischt werden; so löst man z. B. 4 Theile krystallisirten Grünspan und 1 Theil Salmiak in Weinessig auf. Sollte die durch diese Auflösung entstandene grüne Farbe zu grün seyn, so sezt man derselben etwas Safran zu.

Eine Beize für Veilchenblau erhält man aus einer Mischung der rothen und blauen Tinctur oder durch das Kochen von Fernambukspänen in Eisenbeize.

Will man sich die rothe Beize bereiten, so läßt man aus Fernambukspänen den Färbestoff mit Essig oder Branntwein ausziehen oder kocht dieselben zu gleichem Zwek in Wasser. Hierauf wird der Flüssigkeit etwas Alaun oder Weinsteinrahm zugesezt und dieselbe durchgeseiht. Auch durch eine Auflösung von fein geriebener Cochenille in Weingeist kann das Leder roth gefärbt werden. Kocht man die Fernambukspäne in Regenwasser und sezt der Flüssigkeit etwas Kupfervitriol oder starkes Potaschewasser zu, so entsteht eine carmoisinrothe oder purpurrothe Farbe.

Um sich eine blaue Beize zu bereiten, nimmt man Brasilienholzspäne, die eben so wie der Fernambuk behandelt werden, welcher für die Bereitung der rothen Beize dient. Als eine blaue Beize für Leder können auch reife, schwarze Hollunderbeeren angewendet werden, die man im Weinessig mit etwas Alaun auskocht.

Zur Bereitung der gelben Beize verwendet man Curcumä, Safran, Birkenlaub, Avignonbeeren u. s. w., die man entweder in Weinessig kocht oder aus denen man den Färbestoff durch Branntwein auszieht. Der Flüssigkeit muß die gehörige Menge Alaun zugesezt werden.

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