Titel: Saulnier, über Geneste's Blechschere.
Autor: Saulnier,
Fundstelle: 1845, Band 98, Nr. LXXI. (S. 256–258)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj098/ar098071

LXXI. Bericht des Hrn. Saulnier über eine von Hrn. Geneste verbesserte Blechschere.

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement, Mai 1845, S. 180.

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

Bei den gewöhnlichen Scheren schließen die beiden Schneiden, je nach ihrer Stellung, einen größeren oder kleineren Winkel zwischen sich ein. Daraus geht hervor, daß wenn man eine etwas breite Blechtafel schneiden will, man genöthigt ist mehreremale anzusezen, was der Reinheit des Schnittes schadet und die Zeitdauer der Operation verlängert. Man muß offenbar die Blechtafel nicht nur wegen eines jeden Streifens, den man schneiden will, bewegen, sondern auch jedesmal, so oft sich die Schere öffnet.

Bei der Schere von Geneste (Mechaniker in Paris, rue Amelot No. 52) geschieht der Schnitt auf einmal, und zwar bewegt sich die bewegliche Schneide parallel mit sich selbst und parallel mit der feststehenden Schneide. Die bewegliche Schneide besteht aus zwei gleichen Theilen, die einen sehr stumpfen Winkel zwischen sich einschließen. Diese beiden Theile wirken mit einander, indem sie zu gleicher Zeit an den beiden Enden der Blechtafel den Schnitt beginnen und in der Mitte denselben beendigen. Der Schnitt fällt auf diese Weise vollkommen regelmäßig aus. Die Blechtafel erfordert keine andere Bewegung, als diejenige, welche man ihr ertheilt, wenn man sie gegen den Aufhälter andrükt, der die Breite des Blechstreifens, welchen man erhalten will, bedingt. Die bewegliche Schneide ist an einen verschiebbaren Rahmen befestigt, dessen abwechselnde verticale Bewegung durch eine Achse mit zwei Krummzapfen, zwei Bläuelstangen und ein Schwungrad hervorgebracht wird. Die Maschine kann durch Menschen- oder irgend eine andere Kraft in Bewegung gesezt werden. Zwei solche Maschinen sind bereits in Anwendung, die eine in den Werkstätten der Artillerie im Arsenal, wo sie dazu dient, die Kupferstreifen zu schneiden, aus welchen die Zündhütchen gemacht werden, die andere in der Quincaillerie-Fabrik von Hrn. Lejeune (zu Paris, rue de Charenton). Vielleicht findet dieselbe später in der Industrie häufigere Anwendung.

Beschreibung der Blechschere.

Fig. 60 ist der verticale Querdurchschnitt der Schere;

Fig. 61 horizontaler Durchschnitt derselben in der Höhe der Triebachse;

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Fig. 62 Ansicht der Maschine von vorn;

Fig. 63 Rahmen der beweglichen Schneide einzeln und von vorn gesehen;

Fig. 64 Querschnitt des Messerrahmens und des Schlizes, in welchem derselbe seine Führung hat.

In allen Ansichten bezeichnen dieselben Buchstaben denselben Gegenstand.

A, A gußeisernes Gestell der Maschine.

B, B, B schmiedeiserne Verbindungsstangen.

C, C′ gußeiserne Querbalken, welche an den Gestellen befestigt sind. Der Querbalken C trägt die feste Schneide D.

C″,C″ Stüzstangen für diese Querbalken.

E gußeisener Rahmen, oder beweglicher Schneidenträger.

F Hauptachse, welche in den beiden Lagern a, a liegt. Die beiden Krummzapfen G, G daran drehen sich in den Halsringen H, H, welche den oberen Theil der Bläuelstangen I, I bilden. Mit lezteren ist der Rahmen E scharnierartig verbunden und derselbe bewegt sich zwischen den zwei Seitengestellen vertical auf- und abwärts, und schneidet die Blechtafel, welche darunter gelegt wird, auf einen Schnitt ab. b ist die stählerne Schneide, welche an den Rahmen angeschraubt ist.

Auf die Achse F ist ein verzahntes Rad J aufgekeilt, das mit einem Getriebe K im Eingriffe ist, dessen horizontale Achse L sich in den Lagern c, c dreht, und auf der andern Seite ein Schwungrad M mit einer Riemscheibe N trägt. Dieses Schwungrad dreht sich frei um die Achse und wird durch eine Einrükkuppel O mit derselben verbunden, die durch eine Gabel P bewegt wird, welche durch den Hebel Q, woran sie befestigt ist, in Thätigkeit gesezt wird.

R fester Schneidenträger auf dem Querbalken C. Der in diesem Querbalken angebrachte Falz gestattet dem Schneidenträger eine kleine Bewegung, wenn man die Stellschrauben d dreht, und die Schneide D kann etwas vorgeschoben werden, wenn sie sich durch den Gebrauch abgenüzt hat.

f, f Anschlag, welcher die Breite des Blechstreifens, den man abschneiden will, bestimmt. Er ist mit einem Scharnier g versehen; durch die Kurbeln h, die sich auf den Stellschrauben i befinden, kann er vor- oder rükwärts bewegt werden. Will man schmälere Blechstreifen schneiden, als der Rahmen E dik ist, so drükt sich der Anschlag, welcher dem Rahmen ein Hinderniß wäre, nieder, indem er die Gegengewichte j, j hebt, die an den Hebeln k steten, und welche ihn wieder in gehörige Lage bringen, sobald sich die Schneide hebt.

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I eiserne Drukschiene, welche dazu dient, das Blech zu halten, wenn es sehr schmal geworden ist und zu Ende geht.

m Hebel, welcher auf der Achse m′ befestigt und mit einem Gegengewichte n versehen ist. Eine Zugstange o verbindet ihn mit einem Fußtritte p; er ist dazu bestimmt, die Drukschiene I nach Bedürfniß in Bewegung zu sezen.

q, q zwei Schienen, auf welchen die Blechtafel während der Operation liegt.

r, Fig. 61, Seitenführung, welche man an gehöriger Stelle befestigt, damit die zu schneidende Blechtafel, welche Breite sie auch haben mag, immer mit der Mitte der beweglichen Schneide zusammenfalle.

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