Titel: Ueber Maschinenpapier.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 98, Nr. XIX./Miszelle 11 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj098/mi098019_11

Ueber Maschinenpapier.

Gewöhnlich schreibt man dem Chlorgehalt des Papiers die nachtheiligen Wirkungen zu, welche chemisch gebleichtes Papier so häufig bei dem Steindruk äußert. Indessen ist nicht das Chlor hieran Schuld, sondern die Leimung, besonders die starke mit Harzseife und Alaun, und zwar ist diese um so nachtheiliger, je kalkhaltiger das Wasser ist. Selbst der gewöhnliche thierische Leim ist nachtheilig, wenn er noch viele Fetttheile enthält, d. h. nicht gehörig abgeschäumt wurde, was noch von dem Papierfabrikanten, besonders nach dem Alaunzusaz geschehen sollte. Bekanntlich werden die Steine durch solches Papier nicht angegriffen, sondern mehr die Zeichnung hinweggenommen. Auch nehmen die unbeschriebenen Stellen des Steins Schwärze an (versaugen). An beidem kann weder Salzsäure noch Chlor Ursache seyn, da man ja oft selbst ohne Nachtheil mit Salzsäure äzt.

Papier dagegen, welches durch und durch mit Harz durchzogen ist und oft auch Oehl (fettes und Terpenthinöhl) enthält, muß an der Zeichnung kleben und diese dadurch losreißen, zugleich aber dem Stein Harz und Fett mittheilen, wodurch derselbe zur Aufnahme der Schwärze, zum Beschmuzen, geeignet wird.

Diese Uebelstände treten namentlich hervor, wenn das Papier 1) mit weichem (terpenthinhaltigem) Harz geleimt wurde; 2) wenn mehr Alaun, als zur Zersezung der Harzseife nöthig, zugegeben wurde; 3) wenn man Oehl auf den Holländer gibt (zur Beseitigung des Schäumens); 4) wenn nach der Leimung der Holländer die Masse nicht gehörig durchgearbeitet hat, was bei vorsichtiger Leimung zwar nicht nöthig, wohl aber, wenn der Alaun in wenig Wasser gelöst auf drei- oder viermal zugegeben wird, wobei das Harz an den Stellen, wo der Alaun gerade hinkommt, als Harzsäure abgeschieden wird, und erst durch längeres Durcharbeiten wieder zu Harzseife wird, wenn nicht zu viel Alaun vorhanden ist.

Der Alaun hat mehr Schwefelsäure, als zur Lösung der Thonerde nöthig ist; wenn nun die Seife (das Kali der Seife) zu gering ist für die Menge des Alauns, so wird von lezterem nur so viel Schwefelsäure gesättigt, daß der Alaun noch löslich bleibt. In diesem Zustand gibt er an die Harzsäuren keine Thonerde |80| ab und dieselben werden dann beim Troknen des Papiers wasserfrei und klebend, während dieß nicht der Fall ist, wenn sie an Thonerde gebunden sind.

Ein Hauptübelstand ist es also, daß die Alaunlösung nicht verdünnt genug in den Holländer kommt und daher durch Ausscheidung der Harzsäuren, wenn nachher nicht genug durchgearbeitet wird, das Papier flekig macht.

Die Kalkseife, welche entsteht, ist gleichfalls der Art, daß sie auf dem Stein Fleken geben kann, indem sie oben aufschwimmt und sich an einzelnen Theilen des Zeugs festsezt; doch trifft man selten Wasser, welche so viel Kalk enthalten, um diesen Nachtheil hervorbringen zu können. Leykauf. (Leuchs polytechn. Zeitg.)

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