Titel: Ueber Verhinderung des Betrugs mit Blutegeln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 98, Nr. XIX./Miszelle 12 (S. 80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj098/mi098019_12

Ueber Verhinderung des Betrugs mit Blutegeln.

Hr. Rey schlägt Folgendes vor, um dem Betrug mit Blutegeln zu begegnen:

1) die Blutegel, wovon das Tausend weniger als anderthalb Kilogramme wiegt, zum medicinischen Gebrauch für untauglich zu erklären;

2) daß in allen Städten, wo der Blutegelhandel im Großen betrieben wird, Agenten aufgestellt werden, welche sich zu überzeugen haben, ob die zum Verkaufe bestimmten das bestimmte Gewicht haben oder nicht, und ob sie nicht etwa mit Blut vollgesogen sind;

3) daß Reservoirs errichtet werden, in welche die zu kleinen oder vollgesogenen Blutegel gebracht werden, damit man sie später, wenn sie herangewachsen sind oder ihr Blut wieder von sich gegeben haben, zum Vortheil der Krankenanstalten verkaufen kann.

Der erste Vorschlag des Hrn. Rey kann keinen Eingang finden, indem sonst den Aerzten die nöthigen Blutegel nicht geliefert werden könnten und zwar aus folgenden Gründen:

1) die Blutegel kommen (nach Frankreich) vom Auslande gegenwärtig in geringerer Menge als vor einigen Jahren, denn im Jahr 1833 wurden in Frankreich eingeführt 41,654,300 Stük; im Jahr 1842 20,382,358 und im Jahr 1844 gar nur 15,224,672, welche wieder in große, mittlere und mittelkleine zerfallen;

2) außer diesen gibt es noch kleine. Die großen Blutegel allein aber könnten gebraucht werden, indem die mittlern nur 1,125 bis 1,250 Kilogr. und die mittelkleinen 625 bis 650 Gramme wiegen. (Man vergl. Chevallier's Abhandlung über den Blutegelhandel im polytechn. Journal Bd. XCVII S. 453).

3) Die Blutegel ziehen das Blut nicht im Verhältniß ihrer Größe aus; Hr. Alph. Samson überzeugte, sich, daß mittlere Blutegel ihr 6,69- oder beinahe 7faches Gewicht Blut, die großen hingegen nur 5,33 oder 5⅓mal ihr Gewicht gesogen hatten.

Die Ernennung von Inspectoren, welche den Betrug mit dieser Waare constatiren, ihn zu Protokoll nehmen und die Verkäufer bei der Behörde anzeigen, damit Rechtens mit ihnen verfahren werde, ist gewiß sehr wünschenswerth.

Der von Hrn. Rey angeregte Gegenstand liegt gegenwärtig der königlichmedicinischen Akademie zur Berathung vor. (Journal de Chimie médicale, August 1845, S. 436.)

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