Titel: Ueber das Blauanlaufen des Stahls.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 98, Nr. XIX./Miszelle 8 (S. 77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj098/mi098019_8

Ueber das Blauanlaufen des Stahls.

In früheren Jahren befaßte ich mich abwechselnd mit kleinen Arbeiten in Holz, Stahl, Eisen, Messing etc., besonders auch in Beziehung auf Gewehre und Waffen. Dabei kam es denn auch vor, polirten Stahl und Eisen blau anlaufen zu lassen. Die Versuche, solches Blauanlaufen mittelst glühender Kohlen zu bewerkstelligen, sagten mir nicht zu, indem sich die Erhizung des Stahls oder Eisens dabei nicht so gut leiten und ganz gleichmäßig beschaffen läßt, um ein gleichfarbig gutes Blau zu gewinnen; auch hängt sich dabei leicht mehr oder weniger Flugasche an und verdirbt an diesen Stellen das Blau.

Ich fand mich sonach weiter veranlaßt, kleine Sachen von Stahl oder Eisen auf reines, aschefreies, glühendes Eisen gelegt blau anlaufen zu lassen, was dann reiner und besser gelang und wobei das Vorrüken der Farben bis zum schönsten Blau genauer beobachtet werden konnte.

Endlich gelang mir, bei den verschiedenen Formen der Stahl- und Eisenstüke, die ich anlaufen lassen wollte, solches am besten in geschmolzenem reinem Blei — wobei jedoch die Haut, die sich über solches Blei zieht, möglichst beseitiget werden muß, um sich beim Eintauchen des Stahls oder Eisens, wie beim Herausziehen desselben nicht daran hängen zu können, weil sonst darunter das Blau verdorben wird.

Ist das Anlaufen nicht ganz nach Wunsch gerathen, so kann solches bekanntlich nach geschehener Erneuerung der Politur mit denselben Stahl- oder Eisenstüken wiederholt werden.

Je reiner und vollendeter die Politur ist, je reiner und schöner wird das Blau. Höchst dringend ist aber erforderlich, daß das Stük Stahl oder Eisen, was gleichfarbig und schön blau anlaufen soll, völlig troken, rein und frei von allem Oehl oder Fett etc. seyn muß, denn es artet sich das Anlaufen nicht einmal gut, wenn die Politur vorher auch nur mit bloßer Hand berührt worden ist.

Wenn Stahl- oder Eisenstüke, die man blau anlaufen lassen will, durchweg oder ungefähr von gleicher Dike und Breite sind, wie Uhrfedern, Degen- oder Säbelklingen, Sägeblätter und dergleichen, so gelingt deren Anlaufen meist leicht und gut; im entgegengesezten Fall ist dieses aber sehr unsicher, da die dünnen, spizen oder schmalen Stellen daran zu früh anlaufen und deren Blau wieder schwindet, unterdessen daß die dikeren, stumpferen oder breiteren Stellen bedürftig heiß werden. Berger. (Leuchs polyt. Zeitg.)

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