Titel: Vorschlag zur Verhinderung der Dampfkessel-Explosionen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 98, Nr. XLV./Miszelle 2 (S. 156–157)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj098/mi098045_2
|157|

Vorschlag zur Verhinderung der Dampfkessel-Explosionen.

Man kann annehmen, daß bei den meisten Dampfkessel-Explosionen das Sicherheitsventil seine Dienste versagte. Das Princip zwei Sicherheitsventile auf jedem Kessel anzubringen, welches jezt die meisten Ingenieure angenommen haben, betrachte ich als eine weise Vorsichtsmaaßregel, wodurch in manchen Fällen eine Explosion vermieden werden dürfte; nach meiner Ansicht läßt sich jedoch die Gefahr nicht nur vermindern, sondern auch ganz beseitigen. Das allgemein gebräuchliche Sicherheitsventil ist ein Kegel, mit einem Winkel von 30–40 Graden, in einen Siz von demselben Winkel eingeschliffen, mit einer Höhlung von einem halben Zoll. Der Grund, daß dieses Ventil verhindert wird sich zu heben und als Sicherheitsventil zu wirken (wenn der Druk des Dampfs gleich ist dem am Ventil angebrachten Gewicht und sogar größer), kann offenbar nur die Adhärenz zwischen dem Ventil und seinem Siz seyn, welche auf folgende Weise verursacht wird: eine Quantität fester Substanz, welche ursprünglich im Wasser aufgelöst war, bildet zwischen dem Ventil und seinem Siz einen Niederschlag und troknet (bei schwachem Dampfdruk, während das Ventil geschlossen ist) ein; die Adhärenz zwischen dem Ventil und seinem Siz wird dadurch so groß, daß sie durch einen gewöhnlichen Dampfdruk nicht mehr überwunden werden kann. Auf folgende Weise ließe sich aber verhindern, daß das Ventil stationär wird, es mag geschlossen oder offen seyn.

Der Ventilstiel muß natürlich unten und oben so angeordnet seyn, daß das Ventil stets unvermeidlich dicht schließend in seinen Siz fällt; unmittelbar über dem Ventil, auf demselben Stiel, wird ein Zahnrad befestigt, welches im Durchmesser beiläufig einen Zoll breiter als das Ventil ist; man bringt dann auf einer Seite ein Getrieb an, welches in das Rad eingreift; das Getrieb muß so lang seyn, daß das Rad, selbst wenn das Ventil auf seiner größten Höhe ist, noch mit dem Getrieb in Eingriff ist. Oben auf der Spindel des Getriebs, welche durch die Kappe des Sicherheitsrohrs geht, kann ein Rad befestigt werden, auf welches eine endlose Schraube wirkt, die durch eine unbedeutende Kraft um-getrieben wird; die Bewegung, welche das Ventil nöthigt zu rotiren, kann nämlich so ungemein schwach seyn, daß ein Fächer, worauf die Luft in der Seite des Schornsteins wirkt, dazu vollkommen hinreicht. J. B. (Repertory of Patent-Inventions, August 1845, S. 132.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: