Titel: Ueber die Bildung lufthaltiger Queksilberblasen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 98, Nr. XLV./Miszelle 3 (S. 157–158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj098/mi098045_3

Ueber die Bildung lufthaltiger Queksilberblasen.

Läßt man einen Strahl Wasser auf den niedrigsten Rand einer geneigten Queksilberschicht fallen, welche 1½ bis 2 Zoll hoch mit Wasser bedekt ist, indem man die Vorkehrung trifft, daß der von einer gewissen Höhe herabkommende Strahl, während er sich ausbreitet und auf die Queksilber-Oberfläche stoßt, eine gehörige Menge Luft einschließt, so gewahrt man Kugeln dieses Metalls auf dem Wasser schwimmend, welche gerade so aussehen, als bestünden sie aus einem dünnen Blatt eines festen Metalls. Gewöhnlich steigen diese Kugeln an die Oberfläche des Wasserbades, wodurch man sich überzeugen kann, daß sie Luft enthalten. Manchmal aber bleiben sie ganz unter dem Wasser und rollen über die Oberfläche des Queksilbers; wenn sie plazen, entweicht Luft aus ihnen. Ich sah aber auch solche unter dem Wasser auf der Oberfläche des Queksilbers rollen und ohne alle Gasentwiklung verschwinden.

Bei dem mir zu Gebot stehenden Wasserstrahl, welcher unregelmäßig auslauft, können die Queksilberkügelchen einen Durchmesser von etwa 1½ Centimeter (6½ Linien) erreichen. Sie sind beständig genug, um sie mittelst einer Untertasse aus dem Wasser nehmen und ein paar Secunden lang betrachten zu können. Ich wog das Queksilber von 1–1½ Centimeter diken Kugeln; sein Gewicht wechselte von 200 bis 400 und 500 Milligrammen. Diese Erscheinung hat viel Aehnlichkeit mit den Seifenkugeln.

Ich werde nun einige Versuche anführen, welche die Weise, wie sie sich bilden, zu erklären beitragen. Wenn man atmospärische Luft, Kohlensäure, Wasserstoffgas und wahrscheinlich irgend eine Gasart durch Queksilber streichen läßt und sich hiezu einer sehr engen Entbindungsröhre bedient, so geht das Gas aus dem Queksilber in die Luft erst dann über, nachdem es sich eine Zeitlang auf der Oberfläche des Queksilbers aufgehalten hat, d. h. es bildet sich auf der Oberfläche |158| des Queksilbers ein Knopf (eine Warze), der größer wird und endlich plazt.

Das allmähliche Zunehmen und Plazen des Knopfs kann vollkommen wahrgenommen werden, wenn man, statt das Gas direct in die Luft entweichen zu lassen, es in einem mit Queksilber gefüllten Probirglökchen auffängt, über welchem sich eine Flüssigkeit, z. B. Kalilösung von 45° Baumé, concentrirte Schwefelsäure, Wasser etc. befindet. Man sieht alsdann sehr deutlich, wie der Queksilberknopf unter der Flüssigkeit eine sphäroidische, oder doch an der Basis sich verengende Gestalt annimmt. Manchmal glaubt man eine wirkliche Kugel zu sehen, welche etwas über die Oberfläche des Queksilbers steigt und nicht eher plazt, als nachdem sie sich von demselben losgemacht hat und von allen Seiten von der Flüssigkeit umgeben ist. Man braucht übrigens nur eine Queksilberfläche, über welcher Wasser schwimmt, mit der Hand umzurühren, oder einen luftfreien Wasserstrahl unter die Metallschicht treten zu lassen, um die anfänglich glatte Queksilber-Oberfläche sich mit Wasser einschließenden Warzen bedeken zu sehen. In der Ruhe verschwinden diese Warzen wieder und die Oberfläche wird nach einigen Secunden wieder eben.

Diese Thatsachen dürften den bedeutenden Verlust von Queksilber bei der amerikanischen Amalgamation erklären. Melsens. (Comptes rendus, Jun. 1845, Nr. 22)

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