Titel: Ueber rinnenförmige Zinkdachung; von Lemoine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 98, Nr. LXVIII./Miszelle 2 (S. 241–242)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj098/mi098068_2

Ueber rinnenförmige Zinkdachung; von Lemoine.

Diese Bedachungsart ist die Erfindung des Obersten Parisot. Durch die Krümmung der Platten wird das Werfen vermieden und der Abfluß des Wassers beschleunigt, daher die Dächer sehr flach seyn können. Bei der Construction des Dachs verfährt Parisot folgendergestalt:

Man legt Balken aus Bohlen von 8½ Zoll Höhe und 3 Zoll Breite, 25 Zoll von Mitte zu Mitte von einander entfernt. Auf die Mitte dieser Balken schnürt man Linien ab. Auf diese Linien nagelt man 7⅔ Zoll von einander entfernt Bogen aus dikem Eisendraht, Rippchen (cotelettes) genannt, die man mit dünnem Eisendraht bindet. Dann befestigt man die hölzernen Latten (tringles), welche die Zinkdeke zu tragen bestimmt sind. Durch die obigen parallelen Linien erlangt man es, die Latten genau in die Lage zu bringen, welche sie haben müssen.

Um sodann die Rinnen oder Tröge (augets) von Gyps zu machen, auf welche die Zinktafeln gelegt werden sollen, bringt man unter das Eisendrahtnez eine hohle Form, auf welche man den flüssigen Gyps gießt, und führt über die Latten eine Chablone hin, wie wenn man ein Gesims zieht. Darauf bedekt man den Gyps mit Papier, legt darauf die Zinktafel in die Krümmung und löthet sie der Länge nach zusammen. Endlich legt man die Fugendekel darüber und nagelt sie auf die Latten an den Enden fest.

Diese Rinnen haben nun zwar den Vortheil, nicht zu brennen, aber der Zink wird bald oxydirt; denn da das Papier durch die Feuchtigkeit schnell zerstört wird, so kommt der Zink sehr bald mit dem Gyps in Berührung. Vielleicht wäre es also besser, in passender Jahreszeit bauend, auf den Gyps, nachdem er getroknet ist, einen harzigen Ueberzug zu bringen, z. B. von Schiffstheer, der das Metall gegen die Verkalkung schüzen würde.

Lemoine hat zu den Rinnen statt des Gypses fichtene Latten genommen, die auf hölzerne Lehrbogen genagelt wurden, und schlägt diese Veränderung jezt mit Zuversicht vor, nachdem er zwei Zinkdächer mit hohlen Rinnen hat bauen lassen, an welchen sich noch nicht die geringste Veränderung gezeigt hat, obgleich sie schon die Hize und die Kälte ausgehalten haben, und das eine, über dem mittleren Theil des neuen Kornspeichers am Quai de Billy, von bedeutender Größe und ungemein den Stürmen ausgesezt ist.

Die Kosten dieser Dächer sind etwa 7 Sgr. per Quadratfuß. Bloß die hölzernen Rinnen kosten etwa doppelt so viel als die Verschalung der geraden Dächer, was auf den Quadratfuß etwa 1 Sgr. mehr ausmacht. Aber da die |242| Dächer so weniger Abhang bedürfen, so sind sie eigentlich nicht theurer; denn es ist fast nur noch die horizontale Grundfläche zu bedeken, und das Dachgerüst ist wohlfeiler.

Es kommt im Allgemeinen nur darauf an, hohle Rinnen zu bilden; und die Fugendekel müssen fest seyn, damit sie den Stürmen widerstehen. Sie müssen aus Zinktafeln Nr. 16 seyn. Zu der Deke selbst sind Tafeln Nr. 14 oder 15 hinreichend.

Einige Baumeister sind gegen die gelötheten Fugen, wegen der Dehnung des Zinks. Man muß aber diesen Uebelstand am Zink nicht überschäzen. Auf 38¼ Fuß Länge z. B. welches etwa die halbe Breite des Speichers am Quay de Billy ist, beträgt die Veränderung der Länge der gelötheten Tafelstreifen, die als aus einem Stük zu betrachten sind, 8 Linien auf 40 Grade Reaum. Wärmeänderung, die in Paris das Aeußerste ist, was vorkommt. Wäre daher der 38¼ Fuß lange Zinkstreifen am Forst fest, so müßte er am andern Ende 9 (bis 11) Linien Spielraum haben, um nicht zu zerreißen. Auf flache Dächer sind die Zinkdeken übrigens nicht beschränkt, und auf steilen Dächern ist es nicht nöthig, die Zinktafeln zusammenzulöthen. Dieselben sind von dem Dachgerüst unabhängig. Nicht daß die Zinkdeke auf das Dachgerüst gar keinen Einfluß hätte, die Rinnen ändern die Arbeit des Zimmermanns nicht. Derselbe macht die Binder und Fetten wie gewöhnlich, und darauf legt der Tischler (auch wohl der Zimmermann) die 1½ Zoll breiten und 8½ Zoll hohen Sparren zu den Lehrbogen, auf welche die Latten genagelt werden. Auf diese Weise erhält man überall die nöthigen regelmäßigen Rinnen. Auf steilen Dächern würde Lemoine die Rinnen 31 Zoll breit machen lassen; die auf dem Speicher am Quay de Billy sind nur 25 Zoll breit, weil sie flach liegen. Wo es sich irgend thun läßt, muß man breite Rinnen machen, weil die breiten Zinktafeln in der Fläche wohlfeiler sind.

Es ist hier der Ort, des galvanisirten, oder richtiger, verzinkten Blechs zu gedenken, dessen man sich auch zu Dächern bedient. Die Dehnung desselben ist nur halb so beträchtlich, als die der Zinktafeln, und das Blech entzündet sich nicht in starkem Feuer, wie der Zink. Man findet gewöhnlich bei den HHrn. Ledru und Comp., rue Angoulème du Temple No. 40, verzinkte Tafeln von 62 Zoll Länge und 25 Zoll Breite vorräthig; auch selbst Tafeln, die schon ganz zu Dachdeken vorbereitet, nämlich gebogen und gerändert sind, so daß sie einander übergreifend, ohne weiteres auf das Dach gelegt werden können. Zwischen den Tafeln muß man 14 Linien Zwischenraum lassen, der mit einer hölzernen Leiste ausgefüllt wird, die man hernach mit Zink bedekt. Diese Zubereitung der Tafeln erhöht ihre Kosten um 18 Proc. Man muß überschlagen, ob es vortheilhafter sey, die Tafeln vorbereitet zu kaufen, oder sie durch den Dachdeker selbst zubereiten zu lassen.

Uebrigens ist der Nuzen der Rinnendächer nicht auf Zink beschränkt, sondern findet auch für andere Blechdächer statt. Man muß immer möglichst große Tafeln nehmen, um die Zahl der Fugen zu vermindern. Lemoine theilt in diesem Punkt die Meinung von Poncelet nicht, welcher die kleinen Tafeln oder Blechschiefer, einander wohl überdekend, den großen Tafeln vorzieht. Diesen Vorzug müßte erst die Zeit lehren. (Crelle's Journal für Baukunst, Bd. XXI S. 270.)

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