Titel: Ueber Fensterläden, von Crelle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 98, Nr. LXVIII./Miszelle 3 (S. 242–243)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj098/mi098068_3

Ueber Fensterläden, von Crelle.

In England ist neuerdings ein Patent auf eiserne Fensterläden genommen worden. Dieselben bestehen aus einzelnen Blechtafeln, welche durch Ränder verstärkt und dergestalt aneinandergehakt sind, daß sich im geschlossenen Zustand des Ladens die Ränder theilweise deken. An beiden Fenstergewänden sind Rinnen angebracht, in denen die Tafeln auf und nieder geschoben werden können, oben querüber ein kastenartiges Gehäuse, groß genug um alle Tafeln, welche durch eine Spalte eintreten und sich dann neben einander legen, aufzunehmen. Die Auf- und Abbewegung wird durch eine Kurbel bewirkt, welche mittelst einer horizontalen Welle zwei verticale Spindeln bewegt, die als Schraube geschnitten sind und an welchen die untere Querleiste der untersten Tafel mittelst zweier Mutterschrauben auf und absteigt.

|243|

Diese Einrichtung dürfte für Deutschland wohl zu theuer seyn und ich nehme daher Veranlassung, einen andern, sehr wohlfeilen und einfachen nächtlichen Fensterschluß zu beschreiben:

Dieser Verschluß besteht aus vier aufrecht neben einander gestellten 1¼ Zoll diken und 10½ Zoll breiten Bretern, so lang, als das Fenster hoch ist. Das Fenster ist 3½ Fuß breit und 7 Fuß hoch. Auf den Rand jedes Brets ist eine Leiste genagelt, welche die Fuge bedekt. Oben unter dem Fensterbogen ist eine starke Leiste, mit einem 1 Zoll tiefen Falz gegen das Glasfenster hin, an der Mauer befestigt. In diesen Falz werden mit ihren obern Enden die Breter neben einander gestellt; unten stehen sie mit ihren untern Enden auf dem Brustbret des Fensters, und vor ihre untern Enden wird, sobald die Breter aufgestellt sind, eine 3 Zoll breite, 2 Zoll hohe Leiste auf das Brustbret gelegt, welche durch zwei durch die Leiste und durch das Brustbret gestekte starke eiserne Splinte festgehalten wird und die Breter an das Fenster andrükt. Des Morgens wird die Leiste weggenommen und die Breter werden einzeln abgenommen und nebst der Leiste im Zimmer bei Seite gestellt. Des Abends werden die Breter einzeln neben einander aufgestellt, die Leiste wird davor gelegt und es werden durch dieselbe die beiden eisernen Pflöke gestekt. Oben hält die Breter die an der Mauer befestigte gefalzte Leiste, unten hält sie die bewegliche Leiste, und man sieht leicht, daß ein Einbruch gar nicht anders möglich seyn würde, als durch Zertrümmerung der Breter, oder wenn mit einer Stichsäge erst ein Loch in eines der Breter gesägt und dann dasselbe so erweitert würde, daß auch die untere bewegliche Leiste zerschnitten und entfernt werden könnte; was aber doch ohne großes Geräusch nicht möglich ist. Diese Art von Laden ist demnach ungemein fest und sicher; deßgleichen läßt sie weder Licht noch Zugwind durch. Sie ist aber auch ungemein wohlfeil; denn sie besteht bloß aus einfach behobelten Bretern, und es ist gar kein eiserner Beschlag weiter daran, als die beiden eisernen Pftöke, welche die untere Leiste halten. (Crelle's Journal für Baukunst, Bd. XXI S. 79.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: