Titel: Ueber Hachette's Methode der Straßenpflasterung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1845, Band 98, Nr. LXVIII./Miszelle 4 (S. 243–245)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj098/mi098068_4

Ueber Hachette's Methode der Straßenpflasterung.

Hachette sagt: auf einem lokern und nachgiebigen Boden lasse sich niemals eine gute Pflasterung herstellen; doch soll der Grund auch nicht starr, sondern elastisch seyn. um den starken Stößen besser zu widerstehen; aber vor allem müsse der Grund keine stellenweise Einsenkung gestatten. Um dieß zu erreichen, habe sich eine Flächencontinuität des Grundes als Pflasterbett am besten durch einen Rost von eichenen oder andern dergleichen Latten48) mit einer Sandschicht darüber bewährt. Hachette legt für jede Größe der Pflastersteine auf den gehörig abgerichteten Boden per Quadratmeter etwa 20 Currentmeter Latten von gewöhnlichen49) Dimensionen in rhombischer Durchkreuzung und zwei Lagen über einander und befestigt jede Ueberkreuzung mit einem Stift. Die Sandschicht hat mit 0,08 Meter Dike genug. Schon die Kosten der bloßen Pflasterbettung auf Latten stellen sich in Paris um ein Kleines geringer heraus, als die der gewöhnlichen, etwas stärkern Sandbettungen.

Obgleich erst eine viel längere Erfahrung zeigen muß, wie lange das Holz unter dem Pflaster dauern könne, so hat man doch viel Grund zu glauben, daß ein zu schnelles Verderben nicht zu befürchten sey; denn die Feuchtigkeit bleibt sich unterm Pflaster ziemlich gleich und man findet häufig in geringer Tiefe ganz wohlerhaltene Baumäste und anderes Holzwerk. In den See-Arsenalen ist es gewöhnlich, das aufzubewahrende Holz in den Sand zu vergraben. Zudem gibt es ja auch Mittel (etwa durch Kyanisirung, welche bei so geringen Dimensionen, wie sie die hier gebrauchten Latten haben, in ihrer ganzen Wirksamkeit angewendet werden kann), das Holz vor zu schnellem Verfaulen zu schüzen.

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Uebrigens behauptet Hachette den Vorzug des Pflasters auf Latten vor dem im bloßen Sande in ökonomischer Hinsicht auch für den Fall häufig nöthiger Erneuerungen, weil es unnöthig wird, auf der solidarisch elastischen Unterlage so tief in den Boden reichende, also theurere Pflastersteine wie bisher zu verwenden und die Höhe derselben nach Beschaffenheit des Steins mit 0,15 bis 0,14 Meter, ja selbst bis 0,1 Meter, (5,7 Zoll, 5,3 Zoll — 3,8 Zoll) völlig genügt; nur möge man beobachten, daß bei gewöhnlichen Steinen die Dike ⅔ von der größern Dimension des Kopfs habe. Dieser Umstand wird um so wichtiger, je theurer der Stein bezahlt werden muß, da die Kosten des Steins allein oft 75 Proc. der ganzen Pflasterkosten betragen.50)

Hachette hat die rue de Faubourg Saint-Antoine in Paris auf die eben beschriebene Art mit Steinen von beiläufig 0,14 Meter Dike und einer Oberfläche von 0,05 Quadratmeter gepflastert. Seit ½ Jahre bewegen sich täglich 3000 Fuhrwerke darüber, ohne daß die geringste Mangelhaftigkeit zu bemerken wäre. Auch ist das sonst vom Fuhrwerke verursachte fürchterliche Getöse auf dem Pflaster nicht zu hören, was natürlich der elastischen Holzunterlage zuzuschreiben ist, welche wie Federn wirkt und dadurch auch die Abnüzung der Steinoberflächen verringert. Die Kosten dieser Pflasterung in runden Angaben sind nachfolgende:

Latten sammt Legung per Quadratmeter 0,50 Frcs.
Sand 0,50
Steine, auf der Kopffläche abgearbeitet 7,00
Pflasterarbeitslohn 1,00
–––––––––––
Für einen Quadratmeter in Summa 9 Frcs.

Im verwichenen Jahr hat Hachette aus den unbrauchbar gewordenen alten Pflastersteinen nach neuer Bearbeitung derselben einen großen Theil der rue des Postes auf Latten um einen noch viel billigern Preis neu gepflastert.

Der Preis der in Paris gewöhnlich hergestellten Pflasterungen ist 16 Frcs. per Quadratmeter.

Da die nach Hachette's Methode ausgeführte Pflasterung mit nicht zu engen Fugen hergestellt ist, so kann sie ganz leicht bloß von Straßenwärtern in gutem Stand erhalten werden, welche mittelst einer eigenen Zange die einzelnen nicht richtig liegenden Steine heben und wieder gehörig versezen.

Erwägt man, daß das von Hachette aufgestellte Pflastersystem auf ganz richtigen Principien beruht, so läßt sich nichts dagegen bemerken, als die etwa noch zu kurze Zeit seiner Anwendung, und man muß noch einige Jahre zusehen, um sagen zu können, daß es sich vollkommen bewähre. Indessen war bis jezt noch kein neues System wie dieses 1½ Jahre lang in Anwendung, ohne bedeutende Unvollkommenheiten und Mängel zu zeigen, was hier nicht der Fall ist, und es ist daher der Nachahmung und des Versuches wohl werth.

Gestüzt auf die günstigen Resultate, welche Hachette bei Herstellung von Pflasterflächen überhaupt erzielte und in Berüksichtigung des wirklich sehr geringen Widerstands, den die Räder der Fuhrwerke auf einer ebenen Steinbahn finden, glaubte er auch für Landstraßen eine Verbesserung andeuten zu müssen, deren Anwendung unbestreitbar vortheilhaft und zugleich ökonomisch wäre. Er schlägt nämlich vor, in der Mitte der Straßen zwei 0,5 Meter breite Streifen mit großen Steinen auf Latten und Sand zu pflastern, um für die Räder des Fuhrwerks eine Steinbahn herzustellen, die übrige Straßenfläche aber durch einen Steinwurf und Beschotterung zum Darübergehen der Pferde herzurichten.

Der Vorschlag ist an und für sich höchst beachtenswerth, und vorausgesezt, daß sich die Pflasterungen auf Latten und Sand auch für die Dauer vollkommen bewähren, so gäbe die eben erwähnte Anordnung das zwekmäßigste Auskunftsmittel für alle jene Fälle, wo man die Vortheile der Pflasterungen zu gewinnen |245| wünschte, ohne die für dieselben nöthigen großen Kosten darauf verwenden zu wollen oder zu können.

Die englischen Steinbahnen zur leichtern Fortbringung großer Lasten aus den Doks und die Steinbahnen in den italienischen Städten bewähren zur Genüge die Zwekmäßigkeit dieser Anlagen. Prof. Wiesenfeld. (Encyklopädische Zeitschrift, Jun. 1845, S. 578.)

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Von Lärchen- auch Kastanienholz etc.

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Die Pariser Latten haben circa 35 Millimeter zur Querschnittsseite, sind also etwa unsern Treillage-Latten entsprechend.

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In Paris kostet der Kubikmeter Pflastersteine 50 Frcs., in Wien die Kubikklafter der circa 6zölligen Würfel circa 500 fl. C. M.

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